21-1830.01

Antwort Anfrage gem. §27 BezVG der GRÜNE-Fraktion betr. Frühere Giftmülldeponie am Kiesbarg

Antwort/Stellungnahme gem. § 27 BezVG

Letzte Beratung: 11.01.2022 Hauptausschuss Ö 2.28

Sachverhalt

Nach Aussagen von Anwohner*innen wurde bis in die 1960er oder 1970er Jahre in der heute als Hundeauslauffläche genutzten Grube Kiesbarg Giftmüll gelagert. Eine Anwohnerin erinnerte sich, dass in ihrer Kindheit in den 1970ern eines Morgens vier tote Rehe neben einem Tümpel lagen, der sich nach starken Regenfällen in der Senke gebildet hatte und aus dem die Tiere getrunken hatten.

Dies vorausgeschickt bitten wir die BUKEA um Beantwortung der folgenden Fragen:

1. Wurde die Deponie (1943-1974) nur für Hausmüll oder auch für Industrie- und Gewerbemüll genutzt?

2. Wurde die Deponie nach 1974 saniert oder nur zugeschüttet?

3. Wann gab es seit 1974 bis jetzt Untersuchungen des Bodens und des Grundwassers, und was ergaben sie?

4. Gibt es aktuell eine regelmäßige Überwachung des Kiesbargs im Hinblick auf mögliche Altlasten?

BEZIRKSVERSAMMLUNG HARBURG

Der Vorsitzende 23.12.2021

Die Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA) beantwortet die Anfrage der GRÜNE-Fraktion (Drs. 21-1830) wie folgt:

Zu 1. und 2.:

Wurde die Deponie (1943-1974 nur für Hausmüll oder auch für Industrie- und Gewerbemüll genutzt?

Wurde die Deponie nach 1974 saniert oder zugeschüttet?

Siehe Anlage. Die dort gemachten Angaben haben nach wie vor Gültigkeit. Lediglich zum Wirkungspfad Boden-Grundwasser liegen ergänzend zu dem Bericht aus dem Jahr 2016 aktuelle Ergebnisse vor, die bei den Antworten zu 3. und 4. berücksichtigt werden.

Zu 3.:

Wann gab es seit 1974 bis jetzt Untersuchungen des Bodens und des Grundwassers, und was ergaben sie?

Im Jahr 2016 wurde mit einer Oberbodenuntersuchung gemäß Bundes-Bodenschutz- u. Altlastenverordnung (BBodSchV) die heutige Beschaffenheit der Oberfläche der Altablagerung (AAB) insbesondere in Bereichen mit lückenhafter Vegetationsdecke überprüft.

Die Gehalte an Schwermetallen und Arsen sowie der organischen Schadstoffparameter im Boden lagen deutlich unterhalb der Prüfwerte der BBodSchV für Kinderspielflächen im Wirkungspfad Boden-Mensch. Für die AAB kann eine Gefährdung in Bezug auf den Direktkontakt ausgeschlossen werden. Die Leitung der Kita Himmelblau wurde am 29.09.2016 über die Ergebnisse informiert. Die Bearbeitung ist abgeschlossen.

1982 wurde erstmals in einer Messstelle ein Deponieeinfluss im Grundwasser nachgewiesen. Seit 1995 erfolgte eine regelmäßige Überwachung der Grundwasserqualität, bei der neben deponietypischen Parametern in 2004 erstmals chlorierte Ether nachgewiesen wurden. Aufgrund ihrer hohen Mobilität und der gleichzeitig schlechten Abbaubarkeit sowie der Tatsache, dass sie im Zuge der gängigen Trinkwasseraufbereitungsverfahren nicht aus dem Wasser entfernt werden, werden die tetrachlorierten Ether vom Umweltbundesamt als "trinkwasserrelevant" eingestuft. Es ist davon auszugehen, dass die Quelle der Verunreinigung innerhalb des Ablagerungskörpers liegt. Um die chlorierten Ether zu beobachten, wurde 2005 die Anzahl der Messstellen im Umfeld der Kiesgrube erweitert. Seitdem werden jährlich Probenahmen durchgeführt, wobei sich Schwankungen in den Konzentrationen zeigen. Im Abstrom wurden bei bisherigen Messungen chlorierte Ether nachgewiesen. Bei der Beprobung im Jahr 2021 wurden erstmals auch in einer Messstelle im Anstrom chlorierte Ether nachgewiesen.

Insgesamt werden relevante Belastungen mit Chlorethern – insbesondere Bis(2-chlorethyl)ether, welche die Hauptbelastung an organischen Schadstoffen im Grundwasser bilden – im Bereich des Deponiekörpers und geringere jedoch richtwertüberschreitende Konzentrationen lokal im Abstrom ermittelt. Die Konzentration an GWM 9904 im Deponiekörper stagniert hierbei mit größeren Schwankungen seit der Beprobung 2006.

Für die anorganischen Parameter werden deponietypisch erhöhte Konzentrationen an Ammonium, TOC, Eisen, Kalium sowie Arsen auf dem Niveau der Vorjahre nachgewiesen. Eine Übersicht der Messwerte befindet sich im Anhang.

Die ermittelte Grundwasserfließrichtung ist nördlich gerichtet.

Zu 4.:

Gibt es aktuell eine regelmäßige Überwachung des Kiesbargs im Hinblick auf mögliche Altlasten?

Lediglich das Grundwasser wird regelmäßig durch die BUKEA überwacht. Die nächste Beprobung ist für das Jahr 2022 geplant.

Gez. Heitmath

F.d.R. Martens

Bera­tungs­reihen­folge
Datum/Gremium
TOP
Lokalisation Beta
Kiesbarg

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