Antwort Anfrage der AfD-Fraktion: Fauna und Flora auf dem Areal des Bebauungsplanverfahrens Neugraben-Fischbek 72 (Weidenkehre / Scheideholzweg)
Letzte Beratung: 13.04.2021 Hauptausschuss Ö 1.10
Auf dem Areal des Bebauungsplanverfahrens Neugraben-Fischbek 72 (Weidenkehre / Scheideholzweg) soll derzeit der Sumpfrohrsänger siedeln. Das Areal soll auch nach der Bebauung als Siedlungsgebiet des Sumpfrohrsängers erhalten bleiben.
Der Baumbestand auf dem Areal soll weitgehend erhalten bleiben. Es soll aber auch Neuanpflanzungen geben.
Vor diesem Hinergrund fragen wir:
1. Wie groß ist die Fläche des Areals im Bebauungsplanverfahren Neugraben-Fischbek 72?
1.1 Wie groß ist derzeit die versiegelte Fläche auf dem Areal?
1.2 Wie groß wird die versiegelte Fläche auf dem Areal nach Abschluss aller Bauarbeiten sein?
2. Wieviele Individuen des Sumpfrohrsängers siedeln derzeit auf dem Areal?
2.1 Wieviele Individuen werden voraussichtlich während der Bauarbeiten auf dem Areal siedeln?
2.2 Wieviele Individuen werden bei realistischer Betrachtung nach Abschluss aller Baurabeiten dort siedeln können?
3. Welche weiteren Tierarten sind derzeit auf dem Areal in welcher Zahl heimisch?
3.1 Wieviele Individuen davon werden jeweils bei realistischer Betrachtung nach Abschluss aller Bauarbeiten dort siedeln können?
4. Wieviele Bäume stehen derzeit auf dem Areal?
4.1 Welche Arten sind das jeweils in welcher Anzahl?
4.2 Welche Bäume welcher Art werden in welcher Anzahl gefällt werden?
4.3 Welche Bäume in welcher Anzahl werden neu gepflanzt?
5. Welche weiteren Planzenarten sind derzeit auf dem Areal in welcher Zahl heimisch?
5.1 Wieviele Individuen davon werden jeweils bei realistischer Betrachtung nach Abschluss aller Bauarbeiten dort siedeln können?
5.2 Welche weiteren Pflanzenarten werden dort neu in welcher Anzahl angesiedelt.
FREIE UND HANSESTADT HAMBURG
Bezirksamt Harburg 19.03.2021
Das Bezirksamt Harburg beantwortet die Anfrage der AfD-Fraktion (Drs. 21-1245) wie folgt:
Das gesamte Plangebiet im Bebauungsplan Neugraben-Fischbek 72 ist etwa 2,5 ha groß.
1.1 Wie groß ist derzeit die versiegelte Fläche auf dem Areal?
Die derzeitige Versiegelung wurde nicht erfasst, da das geltende Planrecht des Bebauungsplans Neugraben-Fischbek 2 mit Wohnbauflächen, Schule und größeren Parkplatzflächen als fiktive Bestandssituation anzunehmen ist.
Im geltenden Planrecht sind bereits Versiegelungen grundsätzlich festgesetzt und umsetzbar. Es handelt sich um ca. 1,48 ha versiegelte Flächen. Im Gebiet der Projektentwickler an der Weidenkehre sind ca. 51% der Fläche versiegelt bzw. teilversiegelt (ca. 8370 m²). Die vorhandene Grünfläche nimmt ca. 49% (ca. 8.000 m²) ein.
1.2 Wie groß wird die versiegelte Fläche auf dem Areal nach Abschluss aller Bauarbeiten sein?
Gemäß den Festsetzungen des neuen Bebauungsplans können zukünftig ca. 1,27 ha versiegelt werden. Im Gebiet der Projektentwickler an der Weidenkehre werden voraussichtlich ca. 67% der Fläche Grünfläche inkl. Dachbegrünung sein und ca. 33% versiegelt bzw. teilversiegelt sein.
Im Untersuchungsjahr 2018 war ein Sumpfrohrsängerrevier vorhanden. Dazu gehören die beiden Elterntiere als Individuen und eine unbekannte Zahl von Jungvögeln, die im Nest aufwachsen, maximal 6.
2.1 Wieviele Individuen werden voraussichtlich während der Bauarbeiten auf dem Areal siedeln?
Der Sumpfrohrsänger, der seinen Lebensraum in den Brennnesselfluren des ehemaligen Grünlandes hatte, verliert mit der Überbauung des ehemaligen Grünlandes seinen Lebensraum.
Während der Bauarbeiten wird dort voraussichtlich kein Individuum seinen Lebensraum haben. Zur Kompensation des Lebensraumverlusts des kürzlich von der Vorwarnliste gestrichenen Sumpfrohrsängers werden ca. 870 m² Hochstaudenflur auf der privaten Grünfläche östlich der Wohnbebauungen der Projektentwickler entwickelt und dauerhaft erhalten.
2.2 Wieviele Individuen werden bei realistischer Betrachtung nach Abschluss aller Baurabeiten dort siedeln können?
In modernen Gärten und Ziergrünflächen kommt der Sumpfrohrsänger nicht vor, so dass mit dem Verlust seines Revieres zu rechnen ist.
Somit werden dort dann vorerst keine Individuen vorkommen. Mit geeigneten Ausgleichsmaßnahmen, d.h. Biotopgestaltung, könnte wieder ein Revierpaar mit der entsprechenden Individuenzahl vorkommen. Auf der geplanten Hochstaudenflurfläche kann entsprechend dauerhaft ein Brutpaar des Sumpfrohrsängers brüten.
Nach den durchgeführten Untersuchungen zum Bebauungsplanverfahren sind 15 Vogelarten mit Brutrevieren + 7 Vogelarten als Besucher und 3 Fledermausarten, die hier fliegen, jedoch keine Quartiere haben, vorzufinden.
3.1 Wieviele Individuen davon werden jeweils bei realistischer Betrachtung nach Abschluss aller Bauarbeiten dort siedeln können?
Die Frage ist nicht abschließend beantwortbar. Die Gebäudebrüter Haussperling und Hausrotschwanz verlieren Brutplätze, was jedoch durch künstliche Nisthilfen kompensiert werden kann. Der Sumpfrohrsänger verliert Lebensraum (s.o.). Der Bestand an Fledermäusen wird nicht reduziert.
Im gesamten Plangebiet befinden sich nach der letzten Baumerfassung 89 Bäume, davon 30 auf dem Gelände der Projektentwickler.
4.1 Welche Arten sind das jeweils in welcher Anzahl?
Erfasst sind im Gebiet der Projektentwickler 16x Stiel-Eiche, 1x Berg-Ahorn, 1x Gewöhnliche Rosskastanie, 2x Pflaume, 1x Schwarz-Erle, 6x Feld-Ahorn, 1x Birne, 1x Apfel, 1x Rot-Eiche, auf den Grundstücken an der Bauernweide 4x Gewöhnliche Traubenkirsche, 1x Hainbuche, 12x Feld-Ahorn, 12x Berg-Ahorn, 6x Stiel-Eiche, 12x Sand-Birke, 1x Riesenmammutbaum, 3x Eberesche, 2x Holländische Linde, 3x Rot-Eiche, 1x Spitz-Ahorn, 1x Sal-Weide, 1x Gewöhnliche Rosskastanie.
4.2 Welche Bäume welcher Art werden in welcher Anzahl gefällt werden?
Voraussichtlich eine Erle und eine Birke.
4.3 Welche Bäume in welcher Anzahl werden neu gepflanzt?
In der zukünftigen öffentlichen Parkanlage werden 9 Schwarzerlen gepflanzt. Auf der privaten Flächen der Projektentwickler werden insgesamt 16 Bäume gepflanzt, die sich voraussichtlich wie folgt aufteilen:
8 mittel-/ großkroniger Baum: 2x Prunus avium, 2x Acer platanoides, 1x Acer campestre, 3x Quercus robur ‚Fastigiata‘
1 kleinkroniger Baum: 1x Fraxinus ornus
7 Obstbäume: 4x Prunus cerasifera ‘nigra’, 3x Malus ‘Royalty’
Der größte Teil des Plangebiets besteht aus einer brachgefallenen, mittelwertigen Grünlandfläche (ehemalige Pferdeweide), die als sonstiges mesophiles Grünland anzusprechen ist. Aufgrund der ausbleibenden Nutzung durch Beweidung oder Mahd haben sich an mehreren Stellen hochwüchsige Brennesselfluren ausgebildet. Ansonsten dominieren typische Grünland-Arten sowie in feuchteren Bereichen auch Binsen-Arten.
Das schmale Grabensystem, das die Grünlandfläche im Osten des Plangebietes durchzieht, ist ausgetrocknet und unterscheidet sich in der Artenzusammensetzung nicht vom Grünland. Die ehemalige Hofstelle im Südwesten des Plangebiets ist vegetationsarm und stark versiegelt. Südlich und nördlich der Gebäude kommen verschiedene Ausprägungen halbruderaler Gras- und Staudenfluren mittlerer Standorte sowie Ruderalflur mittlerer Standorte vor. Südlich des nördlichen Parkplatzes an der Bauernweide liegt ein Hundeübungsplatz, der typische Gräser des Wirtschaftsgrünlandes aufweist.
Neben den Gräsern prägen auch einige Stauden die Vegetation, darunter Stumpfblättriger Ampfer, Wiesen-Schafgarbe, Gewöhnlicher Löwenzahn und Spitz-Wegerich. Der östliche Teil des Hundeübungsplatzes ist durch sandigen Offenboden geprägt, der kaum Bewuchs aufweist.
Nördlich und südlich des Bereichs an der Bauernweide befinden sich versiegelte Parkplatzflächen, die im Westen von gepflanzten Gehölzbeständen aus vorwiegend heimischen Arten und entlang der Straße von Scherrasen begrenzt werden. Im mittleren Bereich liegt ein privater Spielplatz, der an den Rändern Bäume und Sträucher aufweist.
5.1 Wieviele Individuen davon werden jeweils bei realistischer Betrachtung nach Abschluss aller Bauarbeiten dort siedeln können?
Die vorgesehene Hochstaudenflur wird zahlreichen Pflanzenarten der brachgefallenen Grünlandfläche geeignete Standortbedingungen ermöglichen. Die alten Bäume südlich der alten Scheune bleiben größtenteils erhalten, ebenso der größte Teil der Gehölze der wertvollen Strauch-Baumhecke in der Mitte des Plangebiets.
5.2 Welche weiteren Pflanzenarten werden dort neu in welcher Anzahl angesiedelt.
In der Parkanlage Pflanzflächen für Blumen- und Kräuterwiesen sowie Kugelweiden entstehen. Weitere Angaben können derzeit nicht gemacht werden, da man sich noch in der Entwurfsplanung befindet.
Fredenhagen
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