22-1995

Schienenhaltepunkte hier: Umsetzungsbericht zum Gutachten 2011

Mitteilungsvorlage Bezirksamt

Letzte Beratung: 26.03.2026 Stadtentwicklungsausschuss Ö 3.1

Sachverhalt

Das Fachamt Stadt- und Landschaftsplanung im Bezirksamt Hamburg-Nord hat sich bereits in den vergangenen Jahren mit Verdichtungspotenzialen in der unmittelbaren Umgebung der Schienenhaltepunkte im Bezirk auseinandergesetzt. In einem Sonderkapitel des Wohnungsbauprogramms 2026 wird die aktuelle Umsetzungs-Untersuchung im Verhältnis zum Gutachten aus 2011 dargestellt. Die weiteren Entwicklungsmöglichkeiten- und/oder -hemmnisse im Bezirk Hamburg-Nord werden erläutert.

Warum Schienenhaltepunkte?

Nachverdichtung im Umkreis von Schienenhaltepunkten ist aus mehreren Gründen besonders wichtig. Zum einen ermöglicht sie eine optimale Ausnutzung der vorhandenen Infrastruktur, da Schienenhaltepunkte wie S-Bahn-, U-Bahn- oder Regionalbahnhaltestellen kostenintensive und leistungsfähige Einrichtungen sind, deren Investitionen sich umso mehr lohnen, je mehr Menschen im direkten Umfeld wohnen oder arbeiten. Darüber hinaus fördert eine höhere Einwohner- oder Arbeitsplatzdichte in fußufiger Entfernung die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs, was die Fahrgastzahlen erhöht, den Autoverkehr reduziert und zur Erreichung von Klimaschutzzielen beiträgt.

Ein weiterer Vorteil der Nachverdichtung ist die effizientere Nutzung bestehender Siedlungsflächen, wodurch der Flächenverbrauch am Stadtrand begrenzt und der Landschaftsschutz gestärkt wird. Zudem erhöht eine höhere Einwohnerzahl im Umfeld von Haltepunkten die Wirtschaftlichkeit der Ansiedlung von Nahversorgung, Dienstleistungen und sozialer Infrastruktur wie Kitas und Schulen.

Insgesamt trägt die Bündelung von Wohn- und Arbeitsplätzen an gut angebundenen Standorten zu einer nachhaltigen, kompakten Stadtstruktur bei und verringert die Notwendigkeit für lange Pendelwege. Nachverdichtung rund um Schienenhaltepunkte ist somit ein zentrales Element der Stadtentwicklung, um Mobilität, Klimaschutz und Lebensqualität zu verbessern.

Vergangene Untersuchungen und Potenziale

Im Rahmen einer Beauftragung hatte das Planungsbüro PPL Architektur und Stadtplanung Gesellschaft für Hochbau, Städtebau und Forschung mbH zusammen mit EGL Entwicklung und Gestaltung von Landschaft GmbH von Dezember 2009 bis September 2011 die Nachverdichtungspotenziale im Einzugsgebiet der 31 Schienenhaltepunkte des öffentlichen Personennahverkehrs im Bezirk Hamburg-Nord erhoben und bewertet. Hierzu wurde der bauliche Bestand im Untersuchungsraum systematisch nach Art, Maß und Qualität der Nutzung erfasst. Besonderes Augenmerk lag dabei auch auf bestehenden oder geplanten Landschafts- und Freiräumen, die in die Analyse einbezogen wurden. Darüber hinaus wurde das bestehende Planrecht sämtlicher Planungsebenen und Planungsbereiche umfassend dargestellt und in die Bewertung integriert.

Die Ermittlung und Darstellung dieser Grundlagen erfolgte für einen Umkreis mit einem Radius von 400 Metern um die jeweiligen Schienenhaltepunkte und wurde anschaulich in Plänen visualisiert. Aufbauend auf diesen Ergebnissen wurden Vorschläge für bauliche Umsetzungsmöglichkeiten einer Nachverdichtung entwickelt. Diese Vorschläge berücksichtigen alle zuvor genannten Aspekte und wurden ebenfalls in einer geeigneten Symbolsprache zeichnerisch dargestellt.

Das Fazit der Analyse aus dem Jahr 2011 zeigt, dass im Bezirk Nord im Umfeld der 31 Schienenhaltepunkte mittlere und große Wohnbaupotenziale also Flächen mit mehr als 100 Wohneinheiten vor allem in den Bereichen „Verlagerung von Kleingärten“, „Verlagerung von Nicht-Wohnnutzungen“, „Aufstockung von niedriggeschossiger Bebauung“ sowie „Abriss und verdichteter Neubau“identifiziert wurden. Darüber hinaus ergeben sich zusätzliche Wohnbaupotenziale durch die Nachverdichtung im Blockinnenbereich von Geschosswohnbauten sowie durch Nachverdichtungen in zweiter Reihe bei bestehenden Ein- und Zweifamilienhäusern.

Umsetzungsbericht 2026

Von Herbst 2025 bis Januar 2026 hat das Fachamt Stadt- und Landschaftsplanung die Umsetzung der Untersuchung von 2011 geprüft und die Potenziale aktualisiert. Im Ergebnis ist festzustellen, dass seit 2011 im Bezirk Hamburg-Nord bereits viele der damals erkannten Nachverdichtungspotenziale umgesetzt wurden. Darüber hinaus sind im Laufe der Zeit allerdings auch Vorhaben realisiert worden, die über die ursprünglich identifizierten Potenziale hinausgehen dies zeigt, dass sich innerhalb dieses Zeitraums zusätzliche Möglichkeiten ergeben haben, die ebenfalls genutzt wurden, um durch Nachverdichtung neuen Wohnraum oder andere Nutzungen zu realisieren. Dennoch bestehen weiter-hin ungenutzte Potenziale, vor allem im Bereich der Nachverdichtung in zweiter Reihe. Insbesondere in den innerstädtischen Bereichen kam es zu weiteren Verdichtungen, während es auch Gebiete gibt, in denen bereits 2011 keine Potenzialflächen mehr festgestellt wurden und seitdem keine Bautätigkeiten stattgefunden haben.

Die Bilanz zeigt folgende Entwicklung von 2011 bis 2026: Circa neue 14.200 Wohneinheiten, 37 Gewerbebauten, 7 Bürobauten und 45 sonstige Bauten (u. a. Schule, Kita, Unterkünfte für Geflüchtete).

Grünbelange & Klimaschutz

Im Sinne einer nachhaltigen Stadtentwicklung sind bei der baulichen Nachverdichtung im Stadtgebiet auch immer die Belange von Freiraum und Klimaschutz zu berücksichtigen. Die Freiraumversorgung darf im Zuge der Nachverdichtung nicht negativ beeinträchtigt werden, dies gilt insbesondere in den Bereichen mit Festsetzung des „gartenbezogenen Wohnens“ also Bereiche, in denen das Bauen in zweiter Reihe räumlich denkbar wäre. Sowohl der Vegetationsverbund entlang des Schienennetzes als auch die Flächen des Landschaftsschutzprogramms und des Freiraumverbundes sind zu beachten. Darüber hinaus muss der „Vertrag für Hamburgs Stadtgrün“ in die Planungen einbezogen werden. In einigen Bereichen bestehen zudem festgesetzte Ausgleichsflächen oder Biotopschutzgebiete, die besondere Rücksicht erfordern.

Bei der Lage der Flächen innerhalb des 2. Grünen Ringes oder entlang von Landschaftsachsen muss eine differenzierte Betrachtung erfolgen, um den jeweiligen Anforderungen gerecht zu werden.

Nicht zuletzt sind auch Belange des Klimaschutzes, wie der Umgang mit Starkregenereignissen und der sommerliche Hitzeschutz in verdichteten Stadtgebieten in die Planung einzubeziehen.

Fazit

Gemäß Umsetzungsbericht verbleiben circa 50 Potenzialräume in den Einzugsradien der 31 Schienenhaltepunkte im Bezirk Hamburg-Nord. Dabei handelt es sich sowohl um Potenzialbereiche, die 2011 identifiziert und noch nicht entwickelt wurden als teilweise auch um neu identifizierte Potenziale in den vergangenen 15 Jahren. Die Potenzialbereiche liegen dabei überwiegend in der Nachverdichtung durch Bebauung in der zweiten Reihe.

Bei den Potenzialflächen handelt es sich fast ausschließlich um Grundeigentum in privater Hand, was die Handhabe durch die Verwaltung erheblich einschränkt und damit eines der größten Hemmnisse der Flächenentwicklung darstellt. Darüber hinaus ist in vielen Potenzialbereichen mit der Möglichkeit der Bebauung in zweiter Reihe die notwendige planungsrechtliche Grundlage nicht gegeben. Für dieser Bereiche könnte der seit 2025 eingeführte sogenannte „Bauturbo“ eine neue Möglichkeit bieten, um hier unter Berücksichtigung der Freiraumbelange neuen Wohnraum zu schaffen. Die hier zutreffenden Potenzialflächen sind in der Aktualisierung entsprechend vermerkt worden.

Es ist vorgesehen, die Untersuchung im Umkreis der Schienenhaltepunkte künftig um die Schienenhaltepunkte an der Bezirksgrenze zu Eimsbüttel (Eppendorfer Baum und Hoheluftbrücke) sowie die geplanten U5-Haltestellen (Gärtnerstraße, Universität Eppendorf, Beethovenstraße, Jarrestraße, City Nord und Barmbek-Nord) zu erweitern und fortlaufend auf Umsetzung zu prüfen.

Petitum/Beschluss

Um Kenntnisnahme wird gebeten.

Dr. Bettina Schomburg

Bezirksamtsleitung

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