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Alkoholkranke Menschen in Nord in ihrer Nüchternheit stärken Aktion #Alkoholfreie Kassen unterstützen Gemeinsamer Antrag der Fraktion Die Linke und der Volt-Fraktion

gemeinsamer Antrag

Letzte Beratung: 15.01.2026 Bezirksversammlung Ö 6.3

Sachverhalt

Laut Barmer Ersatzkasse waren in Hamburg im Jahr 2022 knapp 40 000 Menschen wegen Alkoholabhängigkeit in ambulanter oder stationärer Behandlung. Das entspricht 2,1 % der Hamburger Bevölkerung. Zu dieser Gruppe hinzu kommen Menschen, die schon länger enthaltsam leben, aber nicht mehr in Behandlung sind, sowie Menschen, die einen risikohaften Alkoholkonsum haben.

Menschen, die aufgrund ihrer Alkoholerkrankung enthaltsam leben, sind im Alltag immer wieder heiklen Situationen (auch Trigger genannt) ausgesetzt, in denen sie damit zu kämpfen haben, nicht wieder rückfällig zu werden.

Ganz alltäglich gehören zu diesen heiklen Situationen auch die Supermarktkassen, an denen hochprozentiger Alkohol in kleinen Fläschchen angeboten wird. Das ist insbesondere für alkoholkranke Menschen ein Problem, denn sie stehen wartend in der Schlange, die geringe und kostengünstige Menge Alkohol ständig im Blick. Sie müssen ihre Impulse die ganze Zeit kontrollieren, damit sie nicht zu diesem Mitnahme-Artikel greifen.

Diesen Trigger können alkoholkranke Menschen fast nicht vermeiden: Supermärkte sind unvermeidlich für den täglichen Bedarf und die mehr oder weniger lange Wartezeit an der Kasse, in der man auf das Suchtmittel schaut, ist auch unvermeidlich. Und so kann der Einkauf zur ausgesprochenen Stress-Situation werden für Menschen, die um ihre Nüchternheit ringen.

Daber hinaus kann die Platzierung zwischen Kaugummi und Hustenbonbons zur Folge haben, dass für Kinder und Jugendliche der Eindruck entsteht, dass es sich bei Alkohol um eine Ware wie jede andere auch handelt, die ganz normal und harmlos ist und kein hochwirksames und schädliches Nervengift.

2024 ist die Aktion #alkoholfreieKassen gestartet, die sich mit einer Petition, mit Briefen an Supermärkte, Vorträgen und Aktionen auf Social Media dafür einsetzen, dass Supermärkte den Alkohol aus dem Kassenbereich entfernen. Dabei geht es explizit nicht um ein Alkoholverkaufsverbot, sondern darum, beim täglichen Einkauf einen ständigen Trigger vermeiden zu können.

Diese Art der Verhältnis-Prävention unterstützt suchtkranke Menschen bei ihrem Leben in Nüchternheit und signalisiert, dass es sich bei Alkohol nicht um ein „normales“ Lebensmittel handelt.

Entsprechende gesetzliche Regelungen auf Bundesebene sind zurzeit nicht in Sicht, obwohl die Liste der Unterstützer*innen aus der Bevölkerung und den anderen Parteien für diese Forderung lang ist: die Mehrheit der Deutschen nscht sich solche Regelungen, der Bundesbeauftragte für Sucht und Drogen Henrik Streeck (CDU) hat sich dafür ausgesprochen, ebenso sowie auch der frühere Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), der Alkohol an der Kasse für unethisch hält, die Hamburger Bundestagsabgeordnete und Drogenpolitikerin der Grünen Linda Heitmann ist ebenso für alkoholfreie Kassen. Und so bleibt der Weg zu alkoholfreien Kassen der Weg des Gesprächs und der Überzeugung und nicht des Verbots.

Petitum/Beschluss

Vor diesem Hintergrund möge die Bezirksversammlung beschließen:

  1. Zusammen mit dem kommunalen Gesundheitsförderungsmanagement und ggf. weiteren geeigneten Abteilungen wie z.B. dem Zentrum für Wirtschaftsförderung, Bauen und Umwelt eine Informationskampagne zu konzipieren und umzusetzen, die den Einzelhandel im Bezirk für die Einrichtung alkoholfreier Kassen sensibilisiert und motiviert. Dabei sollen die bezirklichen Suchtberatungsstellen und die Selbsthilfe einbezogen werden.
  1. Innerhalb der regelmäßigen sonstigen Gesprächskontakte mit dem Lebensmitteleinzelhandel auf die Vorteile von alkoholfreien Kassen hinzuweisen.
  1. Über die üblichen Kanäle der Öffentlichkeitsarbeit des Bezirks, die Öffentlichkeit über das Thema Alkoholfreie Kassen zu informieren und Hilfestellung zu geben, wie Bürger*innen ihren lokalen Supermarkt bitten können, alkoholfreie Kassen einzurichten (z.B. über Briefvorlagen o.ä.) Bei sich bietenden Gelegenheiten (z.B. Gesprächsformate mit Gewerbetreibenden, öffentliche Veranstaltungen, etc.) soll zudem über die bestehenden Präventionsangebote im Bezirk informiert werden.
  1. Der Bezirksversammlung über die erreichten Supermärkte, die Resonanz auf die Kampagne und ggf. geplante Folgemaßnahmen bis zur Sommerpause 2026 zu berichten.

r die Fraktion Die Linke Wiebke Fuchs, Bjørn Knutzen, Dino Ramm, Volker Honold,

r die Volt-Fraktion Antje Nettelbeck und Jörg Bormann

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