Rattenplage im Wilhelmsburger Bahnhofsviertel beenden (Antrag der SPD- und GRÜNE-Fraktion)
Letzte Beratung: 07.07.2026 Hauptausschuss Ö 7.3
Im Bahnhofsviertel in den Hinter- und Innenhöfen der Vonovia-Gebäude an der Keinddorfstraße, Buddestraße., Thielenstraße und Wittestr gibt es seit mindestens 12 Jahren immer wieder offensichtliche Rattenbefälle. Bereits 2018 hat sich der Regionalausschuss mit diesem Thema beschäftigt (s. Drs. 21-4266.2 vom 27.08.2018).
Die von der Eigentümerin Vonovia beauftragte Fachfirma führt regelmäßig die Bekämpfung von Ratten mit Giftködern durch. Das ist wirkungsvoll bei einem moderaten Rattenbefall und soll die explosionsartige Vermehrung verhindern. Denn bei einem unlimitiertenFutterangebot vermehren sich Ratten exponentiell. Ein anfänglich beherrschbares Problem kann sich durch die kurze Tragzeit (3 Wochen) und frühe Geschlechtsreife (nach 5 – 9 Wochen) innerhalb von 6-12 Monaten zu einer explosionsartigen Rattenplage entwickeln, wenn Maßnahmen zur Rattenbekämpfung nicht ausreichen und der Wendepunkt zur steil ansteigenden Kurve der exponentiellen Vermehrung überschritten wird. Dann helfen nur noch wesentlich aufwändigere Maßnahmen, um die Rattenplage in den Griff zu bekommen.
In den letzten Monaten scheint genau das passiert zu sein. Der Rattenbefall hat sich zu untragbaren und hygienisch äußerst bedenklichen Zuständen entwickelt. Die Tiere sind durchweg in den Hinter- und Innenhöfen präsent und fallen sofort nach Betreten der Höfe auf. Die Anzahl der Tiere, die sich offen bewegen, hat einen besorgniserregenden Charakter erreicht. Die Ratten scheinen wenig Scheu vor Menschen zu zeigen und bewegen sich erst fort, wenn man sich direkt auf sie zubewegt. Insbesondere im Bereich der Müllcontainer, teils aber auch an Hauswänden sind große Bereiche massiv durch Nester untergraben, es reiht sich in vielen Bereichen ein Rattenloch an das andere, Gehwegplatten versacken und abgestellte Fahrräder versinken mehrere Zentimeter tief im Erdreich. Die Bereiche um die Müllstandsplätze sind teils massiv durch Ratten verkotet. Besonders bedenklich ist die Masse der Ratten in den Müllbehältern, wo die Tiere in den teils offenen Müllbehältern nach Essbarem suchen. Aber auch die Boxen für die Müllbehälter bieten keinen Schutz, weil die Tiere unter den Türen der Boxen freien Zugang zu den Behältern haben. Einige dieser Boxen sind im Boden so angenagt, dass die Tiere freien Zugang ins Innere des Behälters haben.
Der Runde Tisch „Müll und Sauberkeit“ des Fachamtes Stadt- und Landschaftsplanung im Rahmen des RISE Programms Wilhelmsburg Ost hat kürzlich eine Begehung vor Ort vorgenommen. Dabei wurden Tiere in den offenen Boxen beobachtet, die sich quasi auf Augenhöhe der Teilnehmenden bewegten. Beim Aufscheuchen der Tiere liefen sie direkt vor deren Füßen davon. Das leicht zugängliche Nahrungsangebot aus den Müllbehältern scheint die in großer Zahl ausgelegten Rattenköder wirkungslos zu machen. Zudem wurde durch Vögel wie Möwen und Krähen der Müll in den Innenhöfen verteilt. Obwohl nicht nur Vögel verantwortlich scheinen, konnte direkt beobachtet werden, wie Möwen versuchten, Verpackungen aus dem Müll herauszufischen.
Ein Aufenthalt in den Höfen ist für die MieterInnen kaum zumutbar. Eltern lassen ihre Kinder nicht mehr im Hof spielen, weil sie befürchten, dass ihre Kinder von Ratten gebissen oder von den Tieren und deren Kot krank werden.
Ein Vergleich mit der Situation bei der SAGA einen Block weiter ergab ein völlig anderes Bild: hier stehen die Müllbehälter in offenen, aber eingezäunten und abgeschlossenen Bereichen, die im Vergleich extrem sauber und aufgeräumt wirken. Die Müllbehälter sind weitgehend verschlossen und Tiere konnten hier nicht beobachtet werden.
Um die Rattenplage in den Griff zu bekommen, bedarf es unterschiedlicher zügig stattfindender Maßnahmen wie: Intensive und wirkungsvolle Bekämpfung der Rattenpopulation, radikale Grundreinigung der Hinter- und Innenhöfe mit Verschluss bzw.Entfernung von Rattenlöchern und -Verstecken, Austausch der Müllcontainer, Sanierung und Modernisierung der Müllstandsplätze, so dass Ratten und Vögel keinen Zugang mehr haben, Sanierung der Infrastrukturschäden in den Höfen und niedrigschwellige Aufklärung der MieterInnen über den Grund der Maßnahmen und wie wichtig es ist, dass in Zukunft jeder einzelne bei der rattensicheren Müllentsorgung mithilft.
Beschluss:
Der Hauptausschuss möge daher beschließen:
1) Die Verwaltung wird gebeten, auf den Grundstückseigentümer Vonovia einzuwirken, die hygienischen Zustände um die Müllcontainer in den Bereichen Keinddorfstraße, Buddestraße, Thielenstraße. und Wittestraße umgehend zu verbessern durch geeignete Maßnahmen wie:
a) Intensive und wirkungsvolle direkte Bekämpfung der Rattenpopulation,
b) radikale Grundreinigung der Hinter- und Innenhöfen mit Verschluss bzw. Entfernung von Rattenlöchern und -Verstecken,
c) Austausch der Müllcontainer,
d) Sanierung und Modernisierung der Müllstandsplätze, so dass Ratten und Vögel keinen Zugang mehr haben,
e) niedrigschwellige Aufklärung der MieterInnen über den Zusammenhang von Müll und Ratten und die damit verbundene gesundheitliche Gefährdung, über den Grund der Maßnahmen und wie wichtig es ist, dass in Zukunft jede/r Einzelne bei der rattensicheren Müllentsorgung mithilft.
2) Die Verwaltung möge prüfen, welche weiteren Maßnahmen für eine nachhaltige Verbesserung der Situation notwendig sind und gegebenenfalls zusammen mit dem Eigentümer ergriffen werden können und diese zeitnah umsetzen.
3) Die Verwaltung wird gebeten, sich bei den zuständigen Stellen dafür einzusetzen, dass Vertreter der Vonovia sowie des Bezirksamtes in die nächste Sitzung des Regionalausschusses im September 2026 eingeladen werden, um dort über die Entwicklung der Rattenplage, über die ergriffenen Maßnahmen und über die aktuelle Situation zu berichten.
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