Hitzeschutz für Obdachlose Mitteilungsdrucksache zum Beschluss der Bezirksversammlung vom 23.04.2026
Die Bezirksversammlung Altona hat in ihrer Sitzung vom 23.04.2026 anliegende Drucksache 22-2052B beschlossen.
Mit Schreiben vom 30.04.2026 wurde von der Behörde für Inneres und Sport (BIS) mitgeteilt, dass zu der bezirklichen Anfrage kein Beitrag geleistet werden könnte, außer den folgenden Hinweis zu Punkt 1 f:
Auch in den genannten Fällen kann über die bekannten Meldewege (110 / 112 oder Anruf beim zuständigen PK) ein Notruf abgesetzt werden. Aus diesem Grund erscheinen aus hiesiger Sicht keine zusätzlichen Notrufmöglichkeiten erforderlich. Theoretisch könnte man in diesen Fällen auch über den Hamburg Service gehen.
Die Behörde für Gesundheit, Soziales und Integration (Sozialbehörde) hat unter Einbeziehung der Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA) mit Schreiben vom 02.06.2026 wie folgt Stellung genommen:
Bereits seit langem gehört der Umgang mit Hitzeperioden zu den Aufgaben der zustündigen Behörden. Hitzeperioden betreffen alle Menschen in Hamburg und grundsätzlich auch alle Bereiche des Lebens. Es ist daher ein Anliegen unter anderem die Versorgung mit kostenfreiem Trinkwasser im öffentlichen Raum zu verbessern und insbesondere vulnerable Gruppen, wie obdachlose Menschen, zu unterstützen. Aus diesem Grund hat der Senat Anfang 2025 einen Hamburger Hitzeaktionsplan veröffentlicht, der verschiedene Empfehlungen und Maßnahmen enthält. Ziel des Plans ist, hitzebedingte, gesundheitliche Risiken frühzeitig identifizieren und minimieren zu können sowie gezielte Handlungsstrategien aufzuzeigen. Der Hitzeaktionsplan berücksichtigt dabei die besonderen Gesundheitsrisiken für obdachlose Menschen, insbesondere durch UV-Strahlung und unzureichende Flüssigkeitszufuhr. Erste Maßnahmen, wie die Bereitstellung von Trinkwasserbrunnen, Informationsangebote und der Einsatz der Straßensozialarbeit, sind bereits vorgesehen. Straßensozialarbeitende aus dem Projekt „Visite Sozial” informieren insbesondere an heißen Tagen über Schutzmöglichkeiten und helfen den Betroffenen bei Bedarf. Die Straßensozialarbeit in Hamburg erkennt somit auf der Straße Gefahren durch Dehydrierung und Hitzeerkrankungen bei obdachlosen Menschen und spricht diese direkt an.
Darüber hinaus verfügt Hamburg über ein umfangreiches niedrigschwelliges Hilfesystem mit einem weit verzweigten Netz an Unterstützungsangeboten. Hierzu zählen unter anderem Tagesaufenthaltsmöglichkeiten und Notschlafstätten. Über diese Maßnahmen werden obdachlose Menschen über den niedrigschwelligen Zugang zum Schutz vor der Hitze, zu Kleidung und insbesondere zu Trinkwasser und „kühlen Orten“ beraten und unterstützt. Über die einzelnen Angebote und Maßnahmen im Rahmen der Obdachlosenhilfe hält der Senat somit bereits ein weitreichendes Angebot sowie einen niedrigschwelligen Zugang zum Schutz vor der Hitze, zu Kleidung und insbesondere zu Trinkwasser oder zu weiteren Getränken vor. Zusätzlich hat Hamburg für Betroffene zur weiteren Information auf der Internet-Seite eine Stadtkarte mit kühlen Orten und öffentlichen Trinkwasserspendern bereitgestellt.
Darüber hinaus umfasst das bestehende Hilfesystem für obdachlose Menschen in Hamburg ambulante und stationäre medizinische Angebote, beispielsweise ärztliche Sprechstunden. Diese medizinischen Angebote sind vielerorts bereits in Tagesaufenthaltsmöglichkeiten oder Notschlafstätten integriert. Hierzu zählen auch die Schwerpunktpraxen für obdach- und wohnungslose Menschen an drei Standorten (Tagesaufenthaltsstätte CariCare, Notübernachtungsstätte Pik As sowie Am Achterdwars), die allgemeinmedizinische Sprechstunden unabhängig von Leistungsansprüchen anbieten. Darüber hinaus werden in der Krankenstube des Caritasverbandes für das Erzbistum Hamburg e.V. ambulant sowie stationär obdachlose Menschen behandelt. Zusätzlich ist das Krankenmobil auf den Straßen Hamburgs unterwegs, um kranken und wohnungslosen Menschen eine ambulante medizinisch-pflegerische Versorgung anzubieten. Durch dieses umfangreiche Hilfesystem mit einem weit verzweigten Netz an Unterstützungsangeboten ist beispielsweise bereits jetzt sichergestellt, dass frühzeitig Hitzeschäden erkannt werden können.
Im Rahmen eines umfassenden Hitzeschutzes wurde darüber hinaus für Betroffene bereits ein telefonischer Hitze-Informationsservice bei der Behördennummer 040 115 eingerichtet.[1] Sollten Bürgerinnen und Bürger obdachlose Menschen antreffen, die unter extremer Hitze leiden oder gesundheitlich gefährdet erscheinen, steht auch hierfür die bereits bestehende Hilfehotline 040 428 28 5000 zur Verfügung.[2] Über diese Hilfehotline können bei Bedarf die zuständigen Straßensozialarbeitenden in den Bezirken informiert werden. In akuten Gefahrenlagen können jederzeit auch die Feuerwehr/Notarzt oder die Polizei direkt kontaktiert werden.
Zusammenfassend verfügt Hamburg wie dargestellt über ein umfangreiches und differenziertes Hilfesystem zum Schutz Betroffener vor Hitze. Aus den dargestellten Gründen und Aspekten sieht die zuständige Sozialbehörde daher zum jetzigen Zeitpunkt keinen Bedarf für darüberhinausgehende Maßnahmen oder Initiativen. Im Übrigen siehe Drs. 22/17626.
Das Bezirksamt Altona hat mit Schreiben vom 13.08.2026 wie folgt Stellung genommen:
Zu 1.a bis 1.c:
Das Bezirksamt Altona verfügt derzeit über keine freien, gleichzeitig geeigneten und ausreichend kühlen Räumlichkeiten, die für zusätzliche Tagesaufenthalte oder temporäre Rückzugsorte zur Verfügung gestellt werden könnten.
Darüber hinaus sehen die geltenden Vorgaben für die Anmietung von Gebäuden grundsätzlich vor, dass klimatisierte Gebäude nicht angemietet werden dürfen. Entsprechende Einschränkungen bestehen auch für Bestandsgebäude im Eigentum der Freien und Hansestadt Hamburg. Die dem Bezirksamt im Katastrophenfall zur Verfügung stehenden Notunterkünfte bestehen überwiegend aus Sporthallen, die durch Schulbau Hamburg bereitgestellt werden und ausschließlich für entsprechende Notlagen vorgesehen sind. Ein Einsatz als klimatisierte Rückzugsorte ist daher nicht möglich.
Vor diesem Hintergrund kann das Bezirksamt derzeit keine zusätzlichen klimatisierten oder besonders gekühlten Räumlichkeiten zur Verfügung stellen.
Zu 1.d und 1.e:
Die Organisation zusätzlicher mobiler Wasserausgabestellen liegt nicht im Zuständigkeitsbereich des Bezirksamtes Altona. Die Bereitstellung von kostenfreiem Trinkwasser im öffentlichen Raum fällt in den Zuständigkeitsbereich der Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA).
Unabhängig davon unterstützt das Bezirksamt die Verbreitung bestehender Informationsangebote und verweist auf vorhandene Hilfs- und Unterstützungsstrukturen.
Eine Ausweitung aufsuchender Hilfsangebote wird im Rahmen der vorhandenen Ressourcen geprüft.
Zu 1.f:
Es stehen bereits etablierte Melde- und Notrufwege über die Notrufnummern 110 und 112 sowie über die zuständigen Polizeikommissariate zur Verfügung.
Zudem besteht schon eine Hamburger Bürgerhotline „Hilfen für Obdachlose“ unter der Nummer 428 28 5000. Hamburger Bürgerhotline – Hilfen für Obdachlose - hamburg.de
Zu 1.g sowie 2, 3 und 4.:
Die im Beschluss angeregte Informationsarbeit wird bereits in Teilen durch die bestehenden Aktivitäten des Gesundheitsamtes, der Sozialbehörde sowie der Öffentlichkeitsarbeit des Bezirksamtes umgesetzt. Die bestehenden Informationsangebote enthalten bereits Hinweise auf Hitzeschutzmaßnahmen, Anlaufstellen und Unterstützungsangebote.
Eine weitergehende bezirksspezifische Informationskampagne sowie die Erstellung zusätzlicher Informationsmaterialien könnten grundsätzlich perspektivisch geprüft werden.
Insbesondere das Kommunale Gesundheitsförderungsmanagement (KGFM) des Gesundheitsamtes Altona informiert jetzt schon über seine Netzwerke über gesundheitliche Risiken durch Hitze, Möglichkeiten des Hitzeschutzes und bestehende Angebote wie „Kühle Orte“. Hierfür werden unter anderem Informationsmaterialien der Sozialbehörde genutzt. Die Informationsvermittlung erfolgt mit einem Schwerpunkt auf vulnerable Zielgruppen, darunter auch wohnungs- und obdachlose Menschen. Die Zielgruppen werden möglichst niedrigschwellig über bestehende Multiplikator:innen erreicht. Die Umsetzung erfolgt in enger Zusammenarbeit mit Fachakteuren im Bezirk sowie der Koordinierungsstelle Obdachlosigkeit in Mitte.
Zudem greift die Pressestelle des Bezirksamtes Altona das Thema Hitzeschutz im Rahmen ihrer Öffentlichkeitsarbeit insbesondere während der Sommermonate regelmäßig auf. Anlassbezogen wird über die Social-Media-Kanäle sowie weitere Kommunikationswege auf bestehende Informations- und Unterstützungsangebote hingewiesen. Hierzu zählen:
1. Hitzeaktionsplan Hamburg - hamburg.de
2. Kühle Orte in Hamburg - hamburg.de
3. Sommerhitze: Telefonischer Hitze-Informationsservice 040 115 - hamburg.de
4. Hamburger Bürgerhotline – Hilfen für Obdachlose - hamburg.de
5. Kommunikationsleitfaden - Wohnungslose Menschen vor Hitze schützen
Zu 5:
Über den Stand der Planungen, die Ergebnisse der Prüfung und die Umsetzung der Informationskampagne und der Hotline wird der Bezirksversammlung von der Behörde für Gesundheit, Soziales und Integration (Sozialbehörde) berichtet.
Die Bezirksversammlung wird um Kenntnisnahme gebeten.
Drs. 22-2052B
Die Erkennung von Orten anhand des Textes der Drucksache kann ungenau sein. Es ist daher möglich, das Orte gar nicht oder falsch erkannt werden.