Maßnahmen des ÖPNV zur Bewältigung der An- und Abreise bei Großveranstaltungen an den Arenen im Volkspark Auskunftsersuchen von Dennis Mielke, Oliver Schmidt, Henrik Strate und Dijana Ceman (alle SPD-Fraktion)
Letzte Beratung: 26.02.2026 Bezirksversammlung Ö 6.1
Im Umfeld des Volksparkstadions und der Barclays Arena kommt es bei Großveranstaltungen regelmäßig zu erheblichen Belastungen im öffentlichen Personennahverkehr. Insbesondere die Abreise über den S-Bahnhof Stellingen ist häufig durch Rückstaus, zu geringe Abfertigungskapazitäten und unzureichende Transportkapazitäten geprägt. In der öffentlichen Diskussion wird wiederholt darauf hingewiesen, dass die eingesetzten Verstärkerleistungen im ÖPNV nicht ausreichen, um die große Zahl an Besucherinnen und Besuchern zeitnah abzutransportieren.
Um die Situation fachlich fundiert beurteilen zu können und Verbesserungspotenziale zu identifizieren, ersucht die Bezirksversammlung die Behörde für Verkehr und Mobilitätswende um eine detaillierte Darstellung der betrieblichen Maßnahmen, die an Veranstaltungstagen zur Sicherstellung der ÖPNV-An- und -Abreise vorgesehen sind.
Vor diesem Hintergrund bitten wir um Beantwortung der folgenden Fragen:
Die Verkehrsdirektion (VD) 01 beantwortet die Fragen wie folgt:
Zu 9.a:
Zu jeder Veranstaltung wird unter Betrachtung der zu erwartenden Besucher ein polizeiliche Lagebewertung durchgeführt. Hiernach richtet sich das jeweilige Konzept, unter Einbindung von verschiedenen anderen Behörden bzw. Unternehmen.
Zu 9.b:
Grundsätzlich werden Veranstaltungen mit einer Besucherzahl ab ca. 4.000 Personen durchgängig mit einem Anfahrtskonzept und einer allgemeinen polizeilichen Präsenz begleitet. Hierfür werden aufwachsend die Bedarfsaußenstelle des Polizeikommissariats (PK) 25 an der Barclays Arena und bei Veranstaltungen die im Volksparkstadion befindliche Befehlsstelle besetzt. Ab einer erwarteten Besucherzahl von 20.000 Personen, wird ein sogenanntes Arenenkonzept durchgeführt (Schwerpunkt Anreise- und Abreisebewegungen), welches durch die Verkehrsdirektion geführt wird. Durch das PK 25, als einsatzplanende und einsatzdurchführende Dienstelle, findet ein ständiger Austausch mit den Betreibern der Arenen sowie den Verkehrsträgern statt. Insbesonderebei Veranstaltungen im Volksparkstadion finden fest terminierte Sicherheitsbesprechungen statt, an welchen auch die Betreiber des ÖPNV beteiligt sind. Am Einsatztag werden mit festen Ansprechpartnern vor Ort Maßnahmen zur Lenkung von Besucherströmen durchgeführt.
Zu 11:
Vorangestellt ist anzumerken, dass die Zuwegungen vom S-Bahnhof Stellingen, durch den „Ledertunnel“ und fortlaufend über den Uwe-Seeler-Weg zu den Arenen am Volkspark, bereits seit Jahrzenten die Hauptanreiseroute mit dem ÖPNV ist. Hier werden, je nach Veranstaltungsart, bis zu 30.000 Personen über die S-Bahn abgefertigt.
Eine, in der Betrachtung der An- und Abreisebewegungen, besonders strukturelle Herausforderung ist der sogenannte Ledertunnel am S-Bahnhof Stellingen. Dieser wird in die Einsatzplanung für Großveranstaltungen im Volksparkstadion integriert.
Zu 11.a:
Während die Anreise der Besucher der Arenen zeitlich wesentlich versetzt ist, verläuft diese grundsätzlich problemlos und ohne Personenverdichtungen.
Während der Abreise stellt sich dieses anders dar. Hier kommt es zu gleichzeitigen Abwanderungen in Richtung des S-Bahnhofes. Die Besucher erreichen den Eingang des Tunnels in der Lederkehre zu Fuß oder mit dem eingesetzten Bus-Shuttle vom Stadionvorplatz zur Lederstraße (Buskehre) massiert. Hierdurch kommt es im Bereich des Tunneleingangs zu Stauungen, da verschiedene Besucherströme aufeinandertreffen.
Des Weiteren kann es am Ausgang im Bereich des Vorplatzes des Bahnhofes Stellingen zu Stauungen kommen, welche in den Tunnel zurückreichen, da es aufgrund des gleichzeitigen Andrangs zu einer Kapazitätsüberlastung bei der S-Bahn Hamburg kommt. Dies ist insbesondere bei Großkonzerten der Fall, da hier erfahrungsgemäß sämtliche Besucher gleichzeitig abreisen.
Zu 11.b:
Das PK 25 hält zur Kompensation des städtebaulichen Defizits im Bereich der Buskehre und des Vorplatzes Stellingen Einsatzkräfte bereit, die bei Überfüllung den Tunnel sperren können. Für eine klare Kommunikation werden Lautsprecherwagen oder durchsagefähige Dienstfahrzeuge eingesetzt, um die Gründe für Sperrungen oder Verzögerungen transparent zu übermitteln. Bei zeitgleichen oder zeitnahen Veranstaltungen im Volksparkstadion und der Barclays Arena mit bis zu 70.000 Personen erfolgt ein enger Austausch mit der Bundespolizei. Gemeinsam werden Konzepte zur Steuerung der Besucherströme entwickelt, einschließlich möglicher „Blockabfertigungen“ von Besuchern an Engstellen des Tunnels oder am S-Bahnhof Stellingen (ggf. auch Eidelstedt). Des Weiteren finden Abstimmungen mit der DB-Sicherheit sowie dem Sicherheitsdienst des Hamburger Sportvereins (Power-Shuttle-Buskehre-Stadion) statt, um die Besucherströme adäquat bedienen zu können.
Der kontinuierliche Zufluss von Personen durch Shuttle-Verkehre an der Lederkehre überfordert die Tunnelkapazitäten. Trotz mehrfacher Prüfung verschiedener Shuttle-Streckenänderungen in Zusammenarbeit mit der Hochbahn und der Verkehrsdirektion konnten keine geeigneten Alternativen gefunden werden, da fehlende Wendemöglichkeiten und längere Wege für die Busse die Probleme nur verlagern würden.
Zur Verbesserung der Gesamtsituation wurde im Juli 2025 auf Initiative des PK 25 ein Gesprächstermin mit den betroffenen Bezirken und dem Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) durchgeführt. Daraus entstand eine Sicherungsempfehlung für den Zufahrtsschutz der Arenen am Volkspark, die in Zusammenarbeit mit dem Landeskriminalamt (LKA) ein Konzept zur Gefährdungsreduzierung beinhaltet.
Die Behörde für Verkehr und Mobilitätswende (BVM) beantwortet die Fragen wie folgt:
Zu 1:
An- bzw. Abreise bei Veranstaltungen im Volksparkstadion
Zu öffentlichen Großveranstaltungen bestellt der hvv nach Veranstaltungsgröße entsprechende Mehrleistungen bzw. Sonderverkehre bei der S-Bahn Hamburg. Aufgrund von Baustellen und anderen Einschränkungen im S-Bahn-Verkehr werden diese Bestellungen für jeden einzelnen Veranstaltungseinsatz entsprechend angepasst.
Sonderverkehre im Bereich Bus, (Bus-Shuttle), werden zwischen hvv und dem jeweiligen Veranstalter entsprechend der erwarteten Besuchenden ausgehandelt. Ob, wie und wo Verstärkungen erfolgen (können), entscheiden die Verkehrsunternehmen HOCHBAHN und vhh.mobility bzw. die jeweiligen Leitstellen selbstständig.
Bei Veranstaltungen im Volksparkstadion (Bundesliga) werden die Linien S3 (10-Minuten-Takt) mit Vollzügen zwei Zugeinheiten mit 6 Wagen für bis zu 1000 Personen) und S5 (10-Minuten-Takt mit Vollzügen) um Sonderzüge (mit Vollzügen) für das Angebot in Stellingen und Eidelstedt zu drei Fahrten pro 10 Minuten ergänzt. Im Fall von Stadionverkehr (Konzert) kann das vorbeschriebene Angebot angepasst werden. Hier können je nach Betriebslage, z.B. Baumaßnahmen, auch Langzüge (drei Zugeinheiten mit 9 Wagen für bis zu 1500 Personen) auf der S3 eingesetzt werden, dies dann aber ggf. unter Verzicht auf Sonderzüge.
S-Bahn Linien S3
S-Bahn Linien S5
S-Bahn Linie S1
HHA-Bus-Shuttle Linie 380 (Arenen Shuttle)
VHH-Bus-Shuttle Linie 386
HVV-Bus Linie 22:
An- bzw. Abreise bei Veranstaltungen in der Barclays Arena
Für Veranstaltungen in der Barclays Arena werden in der Regel zum Regelfahrplanangebot zusätzliche Sonderzüge eingesetzt, da diese eine flexible Reaktion auf das Veranstaltungsende bieten.
Bei Doppelveranstaltungen am Standort Arenen (in der Regel Fußball plus Veranstaltung in der Barclays Arena) wird die Zahl der Sonderzüge entsprechend dem beschriebenen Stadionverkehr erhöht, da diese eine flexible Reaktion ermöglichen
Zu 2:
Siehe Antwort zu Frage 1.
Zu 3:
Siehe Antwort zu Frage 1.
Zu 4.a:
An Veranstaltungstagen kommen auf den Linien S3 und S5 sowie bei den Sonderzügen grundsätzlich Vollzüge zum Einsatz. Sofern der Einsatz von Sonderzügen nicht möglich ist, wird der Langzugeinsatz auf der Linie S3 geprüft. Darüber hinaus verkehrt die Linie S3 Mo. bis Fr. von ca. 5 bis 20 Uhr regulär mit Langzügen. Somit stehen bei An- und Abreisen bei Veranstaltungen in diesem Zeitraum Langzüge zur Verfügung.
Zu 4.b:
Der dauerhafte Einsatz von Langzügen würde die zuverlässige Abfahrt von 3 Zügen in 10 Minuten gefährden, da die die Abfertigung bei hohen Fahrgastaufkommen und nur einem Zugang zum Bahnsteig mehr Zeit beansprucht. Daher ist die Kapazität von 3 Vollzügen je 10 Minuten mit je 6 Wagen, in Summe 18 Wagen, höher als die von einem Vollzug und einem Langzug mit in Summe 15 Wagen.
Zu 5:
Die verstärkten S-Bahn-Leistungen beginnen ca. 3 Stunden vor Spielbeginn und enden 2 Stunden nach Spielende.
Zu 6:
HVV-Bus Linie 22, siehe Antwort zu Frage 1.
HVV-Bus Linie 180: verkehrt während Veranstaltungen im Volksparkstadion häufig nicht im Bereich Arenen, da es keine Wendemöglichkeit an der Haltestelle S Stellingen auf dem Vorplatz gibt. Die Linie wird daher meist im Bereich Rondenbarg und Winsbergring verkürzt.
Zu 7:
Siehe Antwort zu Frage 1.
Zu 8:
Beförderungsleistungen der HHA-Bus Linie 380 (Arenen Shuttle) zum U-Bahnhof Hagenbecks Tierpark erfolgen ausschließlich im Falle gemeldeter Betriebsstörungen oder Bauarbeiten im Bereich der S-Bahn Hamburg sowie auf polizeiliche Anordnung aufgrund von Überlastung des S-Bahnhofs Stellingen. Lediglich auf den letzten Fahrgastfahrten vor dem Aussetzen zu den jeweiligen Betriebshöfen werden die Fahrten dementsprechend bis Hagenbecks Tierpark verlängert.
Zu 10:
Siehe Antwort zu Frage 1.
Zu 12:
Die zuständigen Stellen sind stetig im Austausch zur Verbesserung der Situation vor Ort, auch durch den Test von neuen, wenn auch kleinen Maßnahmen, wie die Lenkung von Fußgängerströmen. Im Übrigen wird auf die Beratungen im Mobilitätsausschuss der Bezirksversammlung Altona verwiesen, z.B. am 04. November 2024.
Die Bezirksversammlung wird um Kenntnisnahme gebeten.
ohne
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