21-0363

Regiokonzept Hamburg-Bergedorf, Südstormarn, Herzogtum Lauenburg Süd - Impulse für die zukünftige Siedlungs-, Verkehrs- und Freiraumentwicklung Hier: Vorstellung des Endberichts

Beschlussvorlage

Bera­tungs­reihen­folge
Gremium
TOP
30.04.2020
Ö 3.1
16.04.2020
Sachverhalt

Der östliche Teil des Kernraums der Metropolregion Hamburg im Grenzbereich des Bezirks Bergedorf, des Kreises Stormarn und des Kreises Herzogtum Lauenburg verzeichnet seit Jahren eine stetig wachsende Entwicklungsdynamik in den Bereichen Wohnen und Gewerbe. Auch für die Zukunft wird von einer weiterhin sehr hohen Nachfrage nach Siedlungsflächen ausgegangen.

Diese Entwicklung ist mit deutlichen Zuwächsen des Pendler- und Wirtschaftsverkehrs verbunden. Die damit einhergehenden Begleiterscheinungen (wie der wachsende Siedlungsdruck und die wachsende Flächeninanspruchnahme) belasten nicht nur die zentralen Orte und die Verkehrsinfrastruktur, sondern die Region insgesamt auf unterschiedliche Art und Weise.

Vor dem Hintergrund dieses stärker werdenden Handlungs- und Problemdrucks wurden im Mai 2018 die Büros BSR | Büro für Stadt- und Regionalentwicklung, SBI | Beratende Ingenieure für Bau - Verkehr - Vermessung GmbH und Sweco GmbH beauftragt, ein regionales Konzept zu erstellen, in dem gemeinsame Ziele sowie ein Leitbild zur künftigen Harmonisierung der regionalen Siedlungs- und Verkehrsentwicklung herausgearbeitet werden.

Die einzelnen Bestandteile zur Ausarbeitung und Erstellung des Regiokonzepts wurden im Laufe des Prozesses regelmäßig angepasst und im projektbegleitenden Arbeitskreis (pAK) abgestimmt. Im pAK waren neben dem Bezirk Hamburg-Bergedorf die Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen, die Landesplanung Schleswig-Holstein, die Kreise Stormarn und Herzogtum Lauenburg, die Geschäftsstelle des Mittelzentrums Reinbek/Glinde/Wentorf b. Hamburg sowie die Städte Glinde und Reinbek und die Gemeinde Wentorf b. Hamburg vertreten.

Zur Beurteilung der regionalen Ausgangslage und der regionalen Perspektive wurden neben einer kleinteiligen Regionalanalyse, Expertengespräche mit Schlüsselinstitutionen und Akteuren sowie eine Kommunalbefragung zur künftigen Siedlungs- und Wohnungsbauentwicklung geführt. Darauf aufbauend wurden in zwei Zukunftswerkstätten mit jeweils rund 100 Teilnehmern Diskussions- und Informationsveranstaltungen mit Bürgermeistern aus der Region, dem Bezirksamtsleiter von Hamburg-Bergedorf, Kommunalpolitikern und Vertretern der Kommunalverwaltung sowie gezielte Informations- und Abstimmungstreffen bei Amtsverwaltungen die Herausarbeitung des Leitbilds weiterentwickelt. Als Ergebnis sind handlungsfeldbezogene Ziele in den Bereichen Siedlungs- und Verkehrsentwicklung, Frei- und Grünräume sowie interkommunale Kooperationen benannt worden.

Zur Erreichung dieser Ziele empfiehlt nun der Endbericht des Regiokonzepts eine Handlungs- und Mnahmenagenda - die Anwendung von 13 sogenannten regionalen Werkzeugen. Diese Werkzeuge beschreiben Maßnahmen, die von konkreten ersten Schritten bis zu visionären Perspektiven für die Region reichen. Für den Bezirk Bergedorf sind im Wesentlichen die Werkzeuge zur Stärkung des ÖPNVs und des Radverkehrs, die Schaffung eines Regionalparks, der Ausbau nachbarschaftlicher Kooperationen sowie die Fokussierung regionaler Entwicklungsbereiche von Bedeutung.

Die Maßnahmen zur Stärkung des ÖPNVs und des Radverkehrs zielen auf eine Verbesserung der jeweiligen Erreichbarkeitssituationen. Im Fokus sollen dabei der Ausbau neuer als auch die Aufwertung bestehender Verbindungen stehen, die auf ein attraktives, d.h. vor allem schnelles und möglichst umsteigefreies Angebot des Umweltverbundes hinarbeiten. Als Beispiele werden hier unter anderem die Radschnellwegeverbindung Geesthacht - Bergedorf sowie der Ausbau von Schienenverbindungen genannt. Zudem sind die Schnittstellen zwischen den einzelnen Verkehrsmitteln sowie die Zubringerverkehre zu den maßgebenden Umsteigepunkten als innovative ganzheitliche Mobilitätsangebote wie Mobilitätshubs weiterzudenken.

Durch die Einrichtung und Ausgestaltung eines Regionalparks sollen das grüne Netz der Region mit seinen unterschiedlichen Grün- und Freiräumen und seinem Biotopverbundsystem in Wert gesetzt werden. Der Regionalpark als Instrument für ein landschaftsbezogenes Regionalmanagement bietet die Möglichkeit, die vielfältige Landschaft mit ihren differenzierten Natur-, Naherholungs-, Freiraumpotentialen und touristischer Attraktivität nachhaltig in der Region stärker zu vernetzen und aufeinander zu beziehen.

Zentraler Bestandteil des Regiokonzeptes ist der Vorschlag zur Initiierung eines Nachbarschaftsforums "Zwischen Bille und Glinder Au". Hiermit ist das Ziel verbunden, einen verbindlichen Kooperationsraum zur gemeinsamen Prozessgestaltung der anstehenden Aufgaben und Schlüsselprojekte in den Bereichen Siedlungsentwicklung, Stärkung des Freiraum- und Biotopverbundsystems und Harmonisierung der Verkehrsentwicklung (insbesondere der Ausbau und Stärkung des Nahverkehrs im Stadt-Umland-Bereich) zu etablieren. Das Nachbarschaftsforum stellt damit das maßgebende regionale Werkzeug dar, die Arbeit in der Region zu intensivieren und zu verstetigen. So lassen sich zukünftige regionale Entwicklungen frühzeitig begleiten, anpassen und ggf. gegensteuern. Das Verständnis über die gemeinsame Verantwortung für die Entwicklung der Region als Ganzes und in seinen Teilräumen kann auf diese Weise allen Beteiligten einen Mehrwert bringen. Dementsprechend wird der Bezirk Bergedorf mit seinen starken Verflechtungen und Abhängigkeiten mit der Region besonders von der Schaffung eines Nachbarschaftsforums profitieren. Insofern sollten organisatorische und operative Vorkehrungen und Entscheidungen in Abstimmung mit den Beteiligten getroffen werden, den Konstituierungsprozess kurzfristig und zielführend auf den Weg zu bringen. Anbieten würde sich dafür ein „Letter of Intent“, eine Kooperationsvereinbarung oder eine Aufgabenagenda, die gemeinsam mit dem Bezirk Hamburg-Bergedorf, den Städten Reinbek und Glinde, den Gemeinden Wentorf b. Hamburg und Oststeinbek mit der Unterstützung der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen, der Landesplanung Schleswig-Holstein sowie der Kreise Stormarn und Herzogtum Lauenburg zu beschließen wäre.

Zuletzt wird mit dem Werkzeug zur Fokussierung regionaler Entwicklungsbereiche eine Empfehlung ausgesprochen, sich auf drei Entwicklungsbereiche zu konzentrieren. Die drei Entwicklungsbereiche umfassen die Räume Billstedt Glinde, Lohbrügge Bergedorf und Bergedorf Geesthacht. Hier sollen die übrigen Werkzeuge maßgeblich wirken und insbesondere interkommunale Entwicklungsoptionen für Erweiterungs- und Nachverdichtungspotentiale mit guter Anbindung an den ÖPNV identifiziert werden. Der Entwicklungsbereich Lohbrügge Bergedorf ist allerdings eine innere Bergedorfer Angelegenheit.

Mit dem Regiokonzept liegt nun abschließend eine Grundlage vor, auf der die zukünftige Entwicklung der regionalen Siedlungs- und Verkehrsinfrastruktur in einem kooperativen Verständnis weiterentwickelt werden kann. Sie bildet als Leitbild einen ersten größeren Versuch den Betrachtungsraum unter ein gemeinsames Regionsverständnis zu fassen und zu harmonisieren, ohne jedoch laufende Prozesse in den unterschiedlichen Funktionsräumen zu beeinträchtigen. Mit den regionalen Werkzeugen liegen außerdem konstruktive Ideen vor, gemeinsam an der Region weiterzuarbeiten.

Die Finanzierung des Konzeptes wurde zu fast 50% der Gesamtkosten durch die Förderfonds der Metropolregion Hamburg getragen. Weitere Finanzierungsmittel kamen von der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen, der Landesplanung Schleswig-Holstein, den Kreisen Stormarn und Herzogtum Lauenburg, vom Bezirk Hamburg Bergedorf sowie von dem gemeinsamen Mittelzentrums Reinbek/Glinde/ Wentorf b. Hamburg.

Die Verwaltung empfiehlt dem Stadtentwicklungsausschuss, den daraus resultierenden weiteren Prozess der interkommunalen Abstimmung zusammen mit dem Bezirksamt zu unterstzen.

Die wesentlichen Inhalte des Konzepts werden von den beauftragten Büros in der Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses vorgetragen.

 

Petitum/Beschluss

Der Stadtentwicklungsausschuss nimmt das Regiokonzept Hamburg-Bergedorf, Südstormarn, Herzogtum Lauenburg Süd - Impulse für die zukünftige Siedlungs-, Verkehrs- und Freiraumentwicklung zur Kenntnis und beauftragt den Bezirksamtsleiter, den daraus resultierenden weiteren Prozess der interkommunalen Zusammenarbeit zu unterstützen.

Anhänge

Anlage 1: Endbericht Regiokonzept Hamburg-Bergedorf, Südstormarn, Herzogtum Lauenburg Süd - Impulse für die zukünftige Siedlungs-, Verkehrs- und Freiraumentwicklung