Den Bergedorfer Freiheitskämpfer Michael Gartenschläger würdigen - geänderter Betreff
Letzte Beratung: 26.02.2026 Bezirksversammlung Bergedorf Ö 12.3
Antrag
der BAbg. Krohn, Seiler, Winkelbach, Meyer, Zimmermann, Unbehauen, Schander
und AfD Fraktion Bergedorf
Michael Gartenschläger (1944–1976) war eine prägende Figur der deutschen Teilungsgeschichte. Als der sogenannte politische DDR-Häftling von der BRD 1971 freigekauft wurde, startete er sein neues Leben in Freiheit in Reinbek. Im darauffolgenden Jahr zog er in ein Hochhaus am Fritz-Lindemann-Weg in Bergedorf, von wo er später seine Aktionen geplant und ausgeführt hat.
Inzwischen standen deutschlandpolitisch die Zeichen auf „Wandel durch Annäherung“. Doch Gartenschläger wollte keine Annäherung an den Mauerstaat. Er tat sich mit anderen ehemaligen DDR-Häftlingen zusammen, um Fluchtaktionen über die Transitstrecke zu organisieren und baute in seiner eigenen Tankstelle an der Kampchaussee (heute Kurt-A.-Körber-Chaussee) Fluchtautos, mit denen er 31 Menschen aus der DDR schleuste.
Am 30. März 1976 montierte Michael Gartenschläger mit einem Helfer nahe Schwarzenbek, östlich von Bröthen, am sogenannten Grenzknick Wendisch/Rietz, eine Splittermine vom Grenzzaun ab. Er verkaufte diese Selbstschussanlage zusammen mit seiner Lebensgeschichte dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel. Das Magazin veröffentlichte die Geschichte am 16. April 1976 und widerlegte damit die offiziellen DDR-Verlautbarungen, es gebe keine Selbstschussautomaten an den Grenzanlagen.
In der Nacht des 23. April 1976 gelang Michael Gartenschläger ein zweiter Coup. Erneut montierte er eine SM-70-Anlage vom Grenzzaun. Sie sollte im August bei dem „Internationalen Sacharow-Hearing” in Kopenhagen der Öffentlichkeit präsentiert werden. Das Hearing sollte Menschenrechtsverletzungen in den Ostblockstaaten anklagen. Auch Rainer Hildebrandt, Vorsitzender der Berliner „Arbeitsgemeinschaft 13. August”, bekundete sein Interesse, einen dieser Tötungsapparate im Museum „Haus am Checkpoint Charly” auszustellen.
Gartenschlägers erfolgreiche Aktionen versetzten die Stasi-Generäle in Aufregung. Als sie durch einen Spitzel informiert wurden, dass Gartenschläger erneut eine Sprengmine erbeuten wollte, setzten sie ein Sonderkommando ein. In der Nacht zum 1. Mai 1976 erschossen die Stasi-Leute den 32-Jährigen an der Grenze auf DDR-Gebiet am Grenzpfahl 231. Drei Projektile trafen den Oberkörper, sechs den Unterleib und die Beine.
Insbesondere der Abbau und die Präsentation von Selbstschussanlagen verdeutlichten die Gefährlichkeit und Unmenschlichkeit des Grenzregimes. Gartenschläger handelte aus persönlicher Überzeugung und unter hohem Risiko für das eigene Leben. 1976 wurde er bei einem weiteren Versuch an der Grenze von einem Spezialkommando der Staatssicherheit erschossen.
Drei Tage vor seinem Tod notiert er: „Es festigte sich in mir die Überzeugung, dass sinnvoller Widerstand gegen dieses Unrechtssystem nicht nur ein Recht, sondern eine Pflicht ist.“
Eine Würdigung der Person sollte parteiübergreifend als erstrebenswert bewertet werden. Ein lokales Gedenkprojekt in Bergedorf kann einen Beitrag zur differenzierten Erinnerungskultur leisten. Es geht nicht um Heroisierung, sondern um historisches Gedenken an die deutsche Teilung, ihre Opfer und den Wert von Freiheit und Rechtsstaatlichkeit. Gerade für jüngere Generationen wird die Zeit der Teilung zunehmend abstrakt. Niedrigschwellige, ortsbezogene Erinnerungsorte im öffentlichen Raum können hier Bildungsimpulse setzen.
Ein Gedenkstein mit sachlicher Inschrift würde zur Auseinandersetzung mit der Geschichte anregen und das bestehende Gedenkangebot im Bezirk sinnvoll ergänzen.
Die Bezirksversammlung möge daher beschließen:
Das Bezirksamt wird gemäß § 19 BezVG aufgefordert:
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