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Suchtberatungsstelle Stay Alive und Auswirkungen auf den Schulcampus Struenseestraße – ein zweites Drob Inn in Altona? Auskunftsersuchen von Uwe Batenhorst, Robert Risch und Tobias Steinhaus (alle AFD-Fraktion)

Auskunftsersuchen

Letzte Beratung: 26.03.2026 Bezirksversammlung Ö 7.2

Sachverhalt

Der Schulcampus Struenseestraße an der Königstraße gelegen, ist eines der größten und ambitioniertesten Bauvorhaben, die derzeit im Bezirk Altona von Schulbau Hamburg realisiert werden. Auf dem rund 28.500 Quadratmeter großen Schulgrundstück errichtet Schulbau Hamburg im Auftrag der Behörde für Schule und Berufsbildung drei neue Schulen mit Platz für ca. 2.200 Schülern:das Struensee-Gymnasium, das Deutsch-Französische Gymnasium und die Grund- und Ganztagsschule An der Elbe. Von zentraler Bedeutung für den Schulcampus Struenseestraße sind die Gemeinschafts- und Ganztagesflächen, die zukünftig das Herz des neuen Schulcampus bilden. An den Schulcampus Struenseestraße angrenzend befindet sich darüber hinaus die Elbkinder-Kita Struenseestraße.

Direkt in Sichtweite des Schulcampus in der Virchowstraße befindet sich die niedrigschwellige Beratungsstelle Stay Alive mit integriertem Drogenkonsumraum und Substitutsvergabe. Anwohner berichten, dass sich die Nutzung der Beratungsstelle in den letzten Jahren erheblich gesteigert hat. Dies spiegelt sich entsprechend auch in einem Drop-down-Effekt im Umfeld der Beratungsstelle wider. In den Hauseingängen, an der S-Bahn-Station Königsstraße sowie in den angrenzenden Grünanlagen sind vermehrt Menschen im intoxikierten Zustand anzutreffen und die Anwohner sprechenschon von einem zweiten „Drob Inn“.

Dies vorausgeschickt, fragen die Verwaltung:

  1. Wie wird sichergestellt, dass der zunehmende Zulauf zur Beratungsstelle Stay Alive nicht zu einer Gefährdung der Kinder in der nahegelegenen Grundschule und Kita führt?
  1. Welche Maßnahmen sind geplant, um zu verhindern, dass Kinder auf dem Schulweg oder im Umfeld des Schulcampus mit Personen in stark intoxikiertem Zustand konfrontiert werden?
  1. Werden konkrete Veränderungen im öffentlichen Raum (z. B. an der S-Bahn-Station Königstraße, in Hauseingängen oder Grünanlagen) seit der intensiveren Nutzung der Beratungsstelle beobachtet? Wenn ja, welche? Falls nein, wie bewertet die Verwaltung die Wahrnehmung der Anwohner im Umfeld der o.g. Einrichtung?
  1. Gibt es eine Einschätzung des Polizeikommissariats 21 (insbesondere der Bürgernahen Beamten) zur Entwicklung des Umfeldes der Einrichtung und dem Stadtteil insgesamt? Wenn ja, welche? Wenn nein, wieso nicht?
  1. Gibt es ein Sicherheits- oder Präventionskonzept, welches speziell auf die Bedürfnisse der jüngeren Kinder in der Grundschule und der Kita zugeschnitten ist? Wenn ja, wie stellt sich dies dar? Wenn nein, wieso nicht?
  1. Wird der Zugang zu den Schulen und zur Kita geschützt, insbesondere angesichts der Berichte über vermehrte Aufenthalte von suchtkranken Menschen in Hauseingängen und Grünanlagen in unmittelbarer Nähe?
  1. Welche Rolle spielen Schulbau Hamburg, die Schulbehörde und die Jugendhilfe bei der Bewertung der Standortnähe zur Beratungsstelle und inwieweit wurde bei den Planungen die Nähe zur Beratungsstelle berücksichtigt?
  1. Sind regelmäßige Austausch- oder Koordinierungsrunden zwischen der Beratungsstelle, den Schulen, der Kita und den zuständigen Behörden vorgesehen, um aktuelle Entwicklungen zu besprechen und schnell reagieren zu können? Falls ja, in welcher Form und in welchem Turnus? Wenn nein, wieso nicht?
  1. Inwieweit wurden die Eltern der Kita- und Grundschulkinder über die Situation informiert und in geplante Schutz- und Präventionsmaßnahmen einbezogen?
  1. Welche Möglichkeiten bestehen, das Umfeld rund um die Schulen zu stabilisieren, um einen sogenannten „Drop-down-Effekt“ des Stadtteils, im Speziellen in direkter Nähe von Kindern und Jugendlichen, zu vermeiden?

Die Behörde für Inneres und Sport (BIS) beantwortet das Auskunftsersuchen wie folgt:

Die Drogenhilfeeinrichtung Stay Alive ist seit Jahren ein fest etablierter Bestandteil des Stadtteils und trägt mit dazu bei, einer Dislozierung der Drogenkonsumenten entgegenzuwirken. Personen, die in dieser Einrichtung betreut werden, erreichen diese auch über den S-Bahnhof Königstraße und frequentieren die nahegelegenen Grünanlagen. Das „Stay Alive“ ist regelmäßig im Rahmen seiner Kapazitätsgrenzen ausgelastet. Seitens der Polizei ist eine intensivere Nutzung daher nicht festzustellen. Nach den Feststellungen der Polizei halten sich vor der Einrichtung auf dem Gehweg zeitweise eine in der Spitze in einem niedrigen zweistelligen Bereich liegenden Anzahl von nicht in die Einrichtung mehr eingelassenen Personen auf. Deren Höchstzahl hat sich in den zurückliegenden Jahren nicht signifikant verändert.

Das örtlich zuständige Polizeikommissariat (PK) 21 trifft mit eigenen und unterstellten uniformierten und zivilen Kräften alle erforderlichen und geeigneten Maßnahmen zur Abwehr von Gefahren und Beseitigung von Störungen der öffentlichen Sicherheit und Ordnung sowiezur Verfolgung von Straftaten und Ordnungswidrigkeiten. Neben den anlassunabhängigen Präsenzmaßnahmen durch Fuß- und Fahrradstreifen, den Einsatz der Reiterstaffel in Grünanlagen sowie motorisierten Streifen mit Funkstreifenwagen und Einsatzkdern erfolgen ebenfalls zielgerichtete uniformierte Präsenzmaßnahmen z.B. zur Verringerung der öffentlich wahrnehmbaren Drogenkriminalität, zur Verhinderung von Eigentums-/Rohheitsdelikten sowie zur Überwachung des Straßenverkehrs. Die Bürgernahen Beamten des PK 21 sind nahezu täglich in den Bereichen unterwegs.

Die Polizei reagiert bei erkannten Brennpunkten regelhaft niedrigschwellig mit kontinuierlichen präventiven und repressiven Maßnahmen, z.B. durch Erteilung von Platzverweisen und Aussprechen von Ingewahrsamnahmen, unter Ausschöpfung aller rechtlichen glichkeiten. Im Rahmen ihrer Aufgabenwahrnehmung festgestellte Missstände wie z.B. Vermüllung teilt die Polizei den zuständigen Stellen umgehend mit.

Spezielle Sicherheits- oder Präventionskonzepte für Schulen gibt es seitens der Polizei nicht. Die sogenannten Cop4U suchen die Schulen des Reviergebietes regelmäßig auf, betreiben Kontaktpflege, Verkehrserziehung und sind insgesamt gut mit den Schulen vernetzt. Zu den genauen Aufgaben der Cop4U siehe auch Cop4u - Handeln gegen Jugendgewalt Hamburg. - hamburg.de.

Der Polizei liegen derzeit keine konkreten Wahrnehmungen sowie Beschwerden von Anwohnenden vor. Aus Sicht der Polizei ist die Lage als unauffällig zu bezeichnen.

Ein Runder Tisch „Stay Alive“, an welchem die Polizei, Behörden sowie Anlieger teilnehmen, findet anlassbezogen statt. Die Bürgernahen Beamten stehen regelmäßig mit Anwohnenden, Gewerbetreibenden sowie der Hilfeeinrichtung „Stay Alive“ in Kontakt. Darüber hinaus findet ein regelmäßiger Austausch mit der für die S-Bahnanlagen zuständigen Bundespolizei statt.

Im Übrigen siehe Bürgerschafts-Drs. 23/35, die bezüglich der Polizei gemachten Angaben sind weiterhin gültig.

Dies vorausgeschickt, beantwortet die Behörde für Inneres und Sport die Fragen wie folgt:

Zu 1 - 5 , 8 und 10:

Siehe Vorbemerkung.

Die Behörde für Gesundheit, Soziales und Integration (Sozialbehörde) beantwortet das Auskunftsersuchen wie folgt:

Das Stay Alive ist eine niedrigschwellige Kontakt- und Beratungseinrichtung für suchtkranke Menschen mit integrierten Drogenkonsumräumen. Der Standort in der Virchowstraße wird seit dem Jahr 2012 genutzt. Eine Vergabe von Substituten erfolgt im Stay Alive nicht. Niedrigschwellige Suchthilfeeinrichtungen wie das Stay Alive werden in Hamburg gezielt in Stadtteilen eingerichtet, wo bereits Drogenszenen bestehen, um die Zielgruppe bestmöglich zu erreichen. Das Angebot richtet sich demnach an schwer suchtkranke Menschen, die sich überwiegend in den angrenzenden Stadtteilen aufhalten. Die Einrichtung stellt verschiedene Unterstützungsleistungen bereit, um die gesundheitliche Stabilisierung der Betroffenen zu fördern und Perspektiven für weiterführende Hilfen zu erarbeiten. Mit den Aufenthaltsmöglichkeiten im Cafébereich sowie der Möglichkeit, in den Drogenkonsumräumen mitgebrachte Substanzen unter hygienischen Bedingungen zu konsumieren, wird zudem eine Entlastung der Nachbarschaft bezweckt, da dies Alternativen zum Aufenthalt und Konsum im öffentlichen Raum darstellen. Eine zunehmende Nutzung der Einrichtung ist in den letzten Jahren des Weiteren nicht feststellbar. Nach einem Rückgang während der Pandemie hat sich die Kontaktanzahl seit dem Jahr 2023 zwar wieder erhöht, liegt aber bedeutend unter dem Niveau des Jahres 2019.

Die Behörde für Schule, Familie und Berufsbildung (BSFB) beantwortet das Auskunftsersuchen wie folgt:

Eine Gefährdung der Grundschulkinder ist in den letzten Jahren, auch am Standort an der Königstraße, nicht aufgetreten. Daher besteht von Seiten der Grundschule kein spezifischer Handlungsbedarf. Bereits vor ihrer Auslagerung für die Zeit der Bauarbeiten befand sich die die Ganztagsschule an der Elbe am Standort Struenseestraße. Aus dieser Zeit sind keine Problemlagen mit Bezug zur Drogenberatungsstelle Stay Alive bekannt, so dass bei Kindern und Sorgeberechtigten der Grundschule von einem Gefühl der Sicherheit an der Schule und in deren Umfeld ausgegangenen werden kann.

Gleiches gilt für die angrenzende Kita; hier sind der für Familie zuständigen Behörde seitens der Kita keine Meldungen zur Suchtberatungsstelle eingegangen.

Die Grund- und Ganztagsschule an der Elbe ist von einem Zaun umgeben. Die Schülerinnen und Schüler sind im Außenbereich beaufsichtigt und die Türen ins Gebäude sind nur durch einen Schlüssel zu öffnen.

In Hamburger Grundschulen können den Schülerinnen und Schülern grundsätzlich präventive Konzepte und Programme zur Persönlichkeitsstärkung vermittelt werden. Beginnend mit obligatorischen Klassenratsstunden, in denen Probleme, Konflikte oder Sorgen thematisiert und erörtert werden können. Mit Trainingsprogrammen wie einem sozialen Verhaltenstrainings in den ersten Jahrgängen bzw. dem sozialen Kompetenztraining ab Jahrgang 3 lernen Kinder, sich in schwierigen oder bedrohlichen Situationen zu behaupten oder sich Hilfe zu holen. Streitschlichtungskonzepte ermöglichen zusätzlich die Aneignung konstruktiver Konfliktlösungsstrategien. In Projekttagen oder -wochen befassen sich Schulen punktuell und lösungsorientiert auch mit konkreten Problemlagen in der Schulgemeinschaft oder im Stadtteil. Qualifizierte Fachkräfte (Schulsozialarbeit, Beratungslehrkräfte) in den Schulen unterstützen die Kinder bei entsprechenden Problemlösungen.

Die Grundschulkinder der Ganztagsschule an der Elbe nehmen regelmäßig an Präventionskursen wie z.B. „Stopp heißt Stopp“ teil.

Petitum/Beschluss

Die Bezirksversammlung wird um Kenntnisnahme gebeten.

Bera­tungs­reihen­folge
Datum/Gremium
TOP
26.03.2026
Ö 7.2
Anhänge

ohne

Lokalisation Beta
Struenseestraße

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