Kürzungen der Mittel für Sozialräumliche Integrationsnetzwerke (SIN) ab 2026 Auswirkungen auf Kinder, Jugendliche und Träger im Bezirk Altona Kleine Anfrage von Ricardo Bolaños González, Karsten Strasser, Yavuz Fersoglu und Claudia Dyroff (alle Fraktion DIE LINKE)
Letzte Beratung: 29.01.2026 Bezirksversammlung Ö 6.11
Nach aktuellen Berichten sollen die Mittel für die Sozialräumlichen Integrationsnetzwerke (SIN) in Hamburg ab dem Jahr 2026 um insgesamt 3 Millionen Euro gekürzt werden. Betroffen sind Angebote für Kinder und Jugendliche in Geflüchtetenunterkünften. Hamburgweit leben derzeit über 15.000 Kinder und Jugendliche unter teils hoch belastenden Bedingungen in Unterkünften.
Die SIN-Angebote wurden in den vergangenen Jahren gezielt aufgebaut, um diesen jungen Menschen niedrigschwellige, sozialräumlich verankerte Unterstützungs-, Beratungs- und Präventionsangebote zu machen und ihnen den Zugang zu Regelangeboten zu erleichtern. Vor diesem Hintergrund haben die bezirklichen Jugendämter in Altona, Eimsbüttel und Bergedorf im Herbst 2025 warnende Schreiben an die sozialen Träger verschickt. Aus Altona wurde dabei mitgeteilt, die Situation für 2026 sei „nicht besonders gut“. Inzwischen ist klar, dass ab Januar 2026 zahlreiche Angebote eingestellt werden müssen, da die Finanzierung wegfällt.
Besonders kritisch ist dabei auch die Kurzfristigkeit der Finanzierungsabsagen: Die Anträge wurden fristgerecht im Sommer 2025 gestellt, ohne dass die Träger zu diesem Zeitpunkt Kenntnis von den geplanten Kürzungen hatten. Eine so späte Absage stellt Träger und Beschäftigte vor erhebliche rechtliche und organisatorische Probleme und gefährdet bewährte Strukturen der sozialen Arbeit.
Vor diesem Hintergrund fragen wir das Bezirksamt Altona:
Frage 1:
a) Wie hoch war das jährliche SIN-Fördervolumen im Bezirk Altona bislang? Bitte aufschlüsseln für die Jahre 2020 bis 2025.
b) Wie hoch ist das für Altona vorgesehene Fördervolumen ab 2026?
Frage 2:
a) Welche Projekte und Träger im Bezirk Altona wurden in 2025 über SIN-Mittel gefördert? Bitte auflisten nach Projekt, Träger, Fördersumme, Personalumfang und Laufzeit
b) Welche dieser Projekte sind von Kürzungen oder Streichungen betroffen?
c) In welcher Höhe werden die jeweiligen Projekte gekürzt (absolut und prozentual)
d) Welche Angebote müssen vollständig eingestellt werden?
e) Welche Projekte mussten teilweise Angebote einstellen und in welchem Umfang
(Öffnungszeiten, Häufigkeit, usw.)?
Frage 3:
a) Wie viele Kinder und Jugendliche verlieren durch die Kürzungen den Zugang zu
Unterstützungs-, Beratungs- oder Gruppenangeboten?
b) Welche Folgen erwartet das Bezirksamt insbesondere für besonders belastete und
vulnerable junge Menschen?
Frage 4:
a) Wie bewertet das Bezirksamt die Kurzfristigkeit der Finanzierungsabsagen vor dem
Hintergrund arbeitsrechtlicher Verpflichtungen der Träger sowie der fehlenden Möglichkeit, kurzfristig alternative Finanzierungen zu erschließen?
b) Ist dem Bezirksamt bekannt, dass im Bürgerhaus Bornheide im Osdorfer Born für 2026 die hauptamtlichen Stunden für Schreibdienst und Verweisberatung vollständig gestrichen wurden?
c) Wie bewertet das Bezirksamt den Wegfall dieses niedrigschwelligen Angebots, das täglich ohne Anmeldung Unterstützung leistet und bisher eine Zielzahl von rund zehn Kontakten pro Tag hatte?
d) Welche Alternativen sieht das Bezirksamt für die dort bisher erreichten Menschen?
Frage 5:
Welche Maßnahmen plant das Bezirksamt, um die wegfallenden SIN-Angebote zumindest teilweise zu kompensieren oder die Folgen der Kürzungen für Kinder, Jugendliche und Träger im Bezirk Altona abzumildern?
Das Bezirksamt Altona beantwortet die Fragen wie folgt:
Zu 1.a:
- 2020: 704.000,00 Euro (reguläre SIN-Mittel)
- 2021: 694.076,35 Euro (reguläre SIN-Mittel)
- 2022: 694.076,35 Euro (reguläre SIN-Mittel)
- 2023: 1.236.903,35 Euro, davon: 804.076,35 Euro (reguläre SIN-Mittel) und 432.827,00 Euro
(Ukraine-Mehrbedarfe)
- 2024: 1.406.711,00 Euro, davon: 828.199,00 Euro (reguläre SIN-Mittel), 538.512,00 Euro
(Ukraine-Mehrbedarfe), 40.000,00 Euro (Kinderfreundliche Räume)
- 2025: 1.673.912,00 Euro, davon: 853.045,00 Euro (reguläre SIN-Mittel), 830.867,00 Euro
(Ukraine-Mehrbedarfe), 90.000,00 Euro (Kinderfreundliche Räume)
- 2026: 1.406.913,00 Euro, davon: 1.221.513,00 Euro (reguläre SIN-Mittel), 185.400,00 Euro
(Kinderfreundliche Räume)
Reguläre SIN-Mittel |
Ukraine-Mehrbedarfe |
Kinderfreundliche Räume |
Summe |
|
2020 |
704.000,00 Euro |
704.000,00 Euro |
||
2021 |
694.076,35 Euro |
694.076,35 Euro |
||
2022 |
694.076,35 Euro |
694.076,35 Euro |
||
2023 |
804.076,35 Euro |
432.827,00 Euro |
1.236.903,35 Euro |
|
2024 |
828.199,00 Euro |
538.512,00 Euro |
40.000,00 Euro |
1.406.711,00 Euro |
2025 |
853.045,00 Euro |
830.867,00 Euro |
90.000,00 Euro |
1.673.912,00 Euro |
2026 |
1.221.513,00 Euro |
185.400,00 Euro |
1.406.913,00 Euro |
Zu 1.b:
- 2026: 1.406.913,00 Euro
Zu 2.a:
Zu 2.b:
Die beschränkten Haushaltsmittel führen dazu, dass im Jahr 2026 nicht alle bislang geförderten Projekte der Sozialräumlichen Integrationsnetzwerke (SIN) weitergeführt werden können. Mehrere Projekte müssen daher vollständig eingestellt werden.
Kürzungen einzelner Projekte wurden bewusst verworfen, um die Qualität der Maßnahmen sowie deren Wirksamkeit nicht zu beeinträchtigen. Stattdessen wurde die Entscheidung getroffen, die langjährig bewährte Projektstruktur vollständig zu sichern, um verlässliche, fachlich fundierte und sozialräumlich verankerte Angebote aufrechtzuerhalten.
Zu 2.c:
Siehe hierzu Antwort zur Frage 2.b.
Zu 2.d:
Zu 2.e:
Siehe hierzu Antwort zu Frage 2.b.
Zu 3.a:
Die Verwendungsnachweise für das Jahr 2025 liegen noch nicht vollständig vor, sodass eine abschließende Auswertung der erreichten Teilnehmendenzahlen aktuell nicht erfolgen kann.
Ergänzend ist zu berücksichtigen, dass der Bezirk Altona weiterhin eine Vielzahl von Unterstützungs- und Beratungsangeboten für Kinder und Jugendliche vorhält, unter anderem durch den Allgemeinen Sozialen Dienst, im Rahmen der sozialräumlichen Angebotsstruktur (SAJF), durch Projekte der Frühen Hilfen und der Familienförderung sowie durch Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit (OKJA) und der Straßensozialarbeit.
Zu 3.b:
Der Kern der langjährig bestehenden, bedarfsgerechten und bewährten Projektstruktur der Sozialräumlichen Integrationsnetzwerke bleibt erhalten. Von den Kürzungen betroffen sind ausschließlich ergänzende Projekte, die in den vergangenen Jahren neu hinzugekommen sind.
Die wesentlichen niedrigschwelligen Zugänge zu Unterstützung, Beratung und Gruppenangeboten für Kinder und Jugendliche in Geflüchtetenunterkünften bestehen weiterhin fort. Darüber hinaus hält der Bezirk Altona ein breites und offen zugängliches Angebot an Unterstützungs- und Beratungsleistungen vor.
Vor diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass insbesondere für besonders belastete und vulnerable junge Menschen weiterhin angemessene Unterstützungs- und Hilfestrukturen zur Verfügung stehen.
Zu 4.a:
Das Bezirksamt ist sich der Herausforderungen bewusst, die mit der kurzfristigen Klärung der Fördermöglichkeiten für das Jahr 2026 für die betroffenen Träger verbunden sein können.
Dabei ist zu berücksichtigen, dass es sich bei den betroffenen Maßnahmen um von vornherein befristete Projekte handelt, deren Förderung jeweils unter dem Vorbehalt der verfügbaren Haushaltsmittel sowie einer erneuten fachlichen und haushaltsrechtlichen Prüfung stand. EineFortführung über den jeweiligen Förderzeitraum hinaus konnte und kann daher nicht zugesichert werden.
Die haushaltsrechtlichen Rahmenbedingungen sowie die erst spät vorliegende Klarheit über die tatsächlich verfügbaren Mittel haben den Handlungsspielraum des Bezirksamts eingeschränkt. Eine frühere abschließende Entscheidung war unter diesen Voraussetzungen rechtlich und tatsächlich nicht möglich.
Zu 4.b:
Das SIN-Projekt wurde seit 2024 finanziert. Im Jahr 2025 wurden die Mittel für 0,38 VZÄ bereitgestellt. Personal- und Stundenplanungen in den Einrichtungen und Projekten erfolgen im Rahmen der jeweiligen Trägerverantwortung. Das Bezirksamt steht hierzu im Austausch mit den Trägern, soweit entsprechende Informationen vorliegen oder erforderlich sind.
Zu 4.c:
Das Bezirksamt misst niedrigschwelligen, ohne Anmeldung zugänglichen Unterstützungsangeboten grundsätzlich eine hohe Bedeutung bei, da sie insbesondere für Menschen in belasteten Lebenslagen einen wichtigen ersten Zugang zu Beratung und Unterstützung darstellen können.
Zugleich ist darauf hinzuweisen, dass die konkrete Ausgestaltung, der Umfang sowie der Einsatz personeller Ressourcen einzelner Angebote in der Verantwortung der jeweiligen Träger liegen und von den zur Verfügung stehenden Finanzierungsgrundlagen abhängen.
Vor dem Hintergrund der bestehenden vielfältigen Beratungs- und Unterstützungsangebote am Osdorfer Born, die ebenfalls offen und niedrigschwellig ausgestaltet sind, geht das Bezirksamt davon aus, dass auch bei Veränderungen einzelner Angebote weiterhin angemessene Zugangs- und Unterstützungsstrukturen zur Verfügung stehen.
Zu 4.d:
Für die bisher erreichten Menschen stehen im Bezirk Altona weiterhin verschiedene offen und niedrigschwellig zugängliche Unterstützungs- und Beratungsangebote zur Verfügung, die je nach individuellem Bedarf in Anspruch genommen werden können. Eine vollständige Gleichwertigkeit oder ein unmittelbarer Ersatz des genannten Angebots kann dabei nicht in jedem Einzelfall gewährleistet werden.
Zu 5:
Das Bezirksamt weist darauf hin, dass vor dem Hintergrund der geltenden haushaltsrechtlichen Vorgaben und der begrenzten finanziellen Ressourcen derzeit keine zusätzlichen Maßnahmen zur Kompensation einzelner wegfallender Angebote der Sozialräumlichen Integrationsnetzwerke vorgesehen sind.
Folgende Kriterium wurden zur Überprüfung / Streichung der Projekte herangezogen:
Die Förderung wurde eingestellt ausschließlich für Projekten, die zwischen ab dem 01.01.2024 oder später gestartet haben, also maximal 24 Monate lang stattgefunden haben. Für die Geflüchteten aus der Ukraine wurden spezielle Projekte finanziert, die nun wieder reduziert wurden.
Kindern, Jugendlichen und Familien im Bezirk Altona stehen die regulären Unterstützungs- und Beratungsangebote zur Verfügung, die unabhängig von den SIN-Projekten vorgehalten werden.
Die Bezirksversammlung wird um Kenntnisnahme gebeten.
ohne
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