Kohlekraftwerk Wedel - verzögertes Abschalten belastet Altona Auskunftsersuchen von Patrick Fischer, Hanna Schmidt, Silke Hubert (alle Volt-Fraktion)
Letzte Beratung: 29.01.2026 Bezirksversammlung Ö 8.2
Das Heizkraftwerk Wedel (der Hamburger Energiewerke GmbH) stammt aus den 1960er Jahren und gehört zu den ältesten Kohle-Heizkraftwerken Deutschlands. Die ursprüngliche Planung sah vor, das Kraftwerk bereits 2013 stillzulegen. Da der Bau der Ersatzanlage, das Gas- und Dampfkraftwerk auf der Dradenau im Hamburger Hafen, das unter anderem Fernwärme übernehmen soll, sowie der damit verbundene Fernwärmetunnel sich mehrfach verzögerten, wurde die Abschaltung des Kraftwerkes Wedel mehrfach verschoben. Der aktuelle Abschalttermin ist nun frühestens Ende 2026 vorgesehen.
Die verlängerte Laufzeit hat gravierende Folgen nicht nur für die Emissionen von Treibhausgasen, sondern ebenso von Luftschadstoffen, die die Bevölkerung in Altona direkt belasten.
Vor diesem Hintergrund bitten wir um die Beantwortung folgender Fragen.
Die Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA) beantwortet die Fragen wie folgt:
Gemäß § 2 des Hamburgischen Klimaschutzgesetzes (HmbKliSchG) verfolgt die Freie und Hansestadt Hamburg (FHH) das Ziel, bis spätestens 2030 aus der kohlebasierten Wärmeversorgung auszusteigen und damit in Konsequenz die beiden verbliebenen Kohleheizkraftwerke Wedel (HKW Wedel) und Tiefstack (HKW Tiefstack) abzulösen. Die Hamburger Energiewerke GmbH (HEnW) leistet dabei den größten Einzelbeitrag zum Erreichen der Hamburger Klimaziele und werden durch die Dekarbonisierung und den Ausbau der Fernwärme wesentlich dazu beitragen, dass der Bezirk Altona klimaneutral wird.
Die Rekommunalisierung der Fernwärme im Jahr 2019 war ein entscheidender Schritt, um die Entscheidung für das Ersatzkonzept des HWK Wedel treffen zu können und mit der Planung zum Bau des Energieparks Hafens zu beginnen. Grundlage der Ablösung des HKW Wedel ist ein Konzept, das vor allem bestehende und bislang ungenutzte Abwärmequellen aus Industrie, Klärwerksprozessen und Abfallverwertung für die Fernwärme nutzbar macht. Zentrales Element des neuen Energieparks Hafen ist eine flexible und hocheffiziente Gas- und Dampfturbinen-Anlage auf der Dradenau (GuD Dradenau). Sie bindet klimaneutrale Abwärmequellen mit unterschiedlichen Temperaturniveaus in die Wärmeversorgung ein, heizt diese auf, speichert sie und stellt damit die Versorgungssicherheit sicher – ein in Deutschland einzigartiges Konzept. Der Bau der GuD Dradenau erfolgt unter beengten räumlichen Bedingungen und ist entsprechend komplex; der Zeitplan ist ambitioniert.
Die Einhaltung der Emissionsgrenzwerte des HKW Wedel ist jederzeit gegeben und wird seitens der Überwachungsbehörde (hier das Ministerium für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur des Landes Schleswig Holstein (MEKUN SH))in den regelmäßigen Industrieemissionsrichtlinie-Inspektionen (IED-Inspektionen) geprüft. Die Emissionswerte werden gemäß den gesetzlichen Regelungen veröffentlicht. Auch die Ergebnisse der IED-Inspektionen sind öffentlich einsehbar. Deshalb kann von gravierenden Folgen nicht die Rede sein.
Dies vorausgeschickt, beantwortet die Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA) unter Beteiligung der HEnW das o.g. Auskunftsersuchen wie folgt:
Zu 1:
Die HEnW planen, das Kohlekraftwerk Wedel bis Ende 2026 abgelöst zu haben. Der Energiepark Hafen soll dann die Wärmeversorgung des Hamburger Westens übernehmen.
Zu 2 und 3:
Immissionsschutzrechtlich zuständige Überwachungsbehörde ist das MEKUN SH. Der BUKEA liegen weder Daten über die vom Kraftwerk emittierten Luftschadstoffe noch Daten zu Immissionen bezogen auf Altona vor.
Zu 4:
Zusätzliche Maßnahmen zum Immissionsschutz sind nicht erforderlich. Im Übrigen siehe Vorbemerkung.
Zu 5:
Die durch die verlängerte Laufzeit zusätzlich verursachten CO2-Emissionen können nicht beziffert werden, da diese ganz wesentlich von der Witterung und der damit verbunden Kraftwerksfahrweise zusammenhängen.
Zu 6:
Die HEnW und die BUKEA informieren über Presseveröffentlichungen und auf ihren Websites regelmäßig über das Projekt Energiepark Hafen. Der Kohleausstieg wird durch Beteiligungs- oder Informationsformate begleitet. Aktuell sind keine weiteren Beteiligungs- oder Informationsformate geplant.
Zu 7:
Der Instandhaltungsumfang einschließlich Reparaturen an Anlagenteilen liegt im planmäßigen und erwarteten Rahmen unter Berücksichtigung des Alters der Anlage. Es sind keine Störfälle oder relevante Schäden im HKW Wedel aufgetreten, die einen wesentlichen Einfluss auf die Emissionen des Kraftwerks gehabt haben, wodurch die gesetzlichen Emissionsgrenzwerte überschritten worden wären. Die Situation der Partikelemissionen hat sich in den letzten Jahren nicht verändert.
Derzeit ist durch die Betriebsverlängerung kein erhöhter Wartungsumfang geplant, die Wartung und Instandhaltung wird in dem Umfang fortgesetzt, um das Kraftwerk im erforderlichen Rahmen zuverlässig betreiben zu können.
ZusätzlicheSicherheitsmaßnahmen in Form von besonderen Wartungsarbeiten, Modernisier-ungen oder Retrofits sind nicht erforderlich und daher auch nicht vorgesehen.
Zu 8:
Es gibt keine direkten Auswirkungen auf Fernwärmekund:innen. Darüber hinaus können die Kosten durch die verlängerte Laufzeit gegenwärtig noch nicht beziffert werden.
Im Übrigen siehe Drs. 23/1666.Darüberhinausgehende Maßnahmen sind gegenwärtig nicht vorgesehen.
Die Bezirksversammlung wird um Kenntnisnahme gebeten.
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