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Pilotprojekt "Umnutzung bestehender Gebäude für funktionales Lernschwimmen" Eingabe

Eingabe

Letzte Beratung: 16.02.2026 Hauptausschuss Ö 4.6

Sachverhalt

Die folgende Eingabe liegt der Geschäftsstelle der Bezirksversammlung Wandsbekvor:

Der TSV Sasel wendet sich mit dieser Eingabe an den Haushalt-, Kultur- und Sportausschuss des Bezirks Wandsbek, um auf eine aus Vereinssicht relevante

Herausforderung hinzuweisen und einen möglichen Lösungsansatz zur sachlichen Prüfung vorzuschlagen.

Zahlreiche Studien sowie Erfahrungen aus Schulen, Vereinen und Rettungsorganisationen zeigen, dass ein erheblicher Teil der Kinder am Ende der Grundschule nicht sicher schwimmen kann.

Schätzungen bewegen sich je nach Quelle zwischen 20 und 40 Prozent. Dies stellt sowohl unter Sicherheitsaspekten als auch im Hinblick auf Chancengleichheit eine relevante Herausforderung dar.

Zentrales Problem: Wasserzeiten als Engpass
Aus der praktischen Vereinsarbeit zeigt sich, dass das Schwimmenlernen häufig nicht am fehlenden Engagement von Schulen oder Übungsleitern scheitert, sondern vor allem an der begrenzten

Verfügbarkeit geeigneter Wasserzeiten. Öffentliche Schwimmbäder sind stark ausgelastet; zusätzliche Kapazitäten lassen sich kurzfristig nur eingeschränkt schaffen.

Der Engpass ist somit primär infrastruktureller Natur. Auch Initiativen auf Landesebene, die auf modulare oder temporäre Lösungen zur Schaffung zusätzlicher Wasserzeiten abzielen, verdeutlichen diese Ausgangslage.

Vorgeschlagener Ansatz: Umnutzung statt Neubau
Ergänzend zu bestehenden Schwimmbädern wird vorgeschlagen, bestehende Gebäude für funktionales Lernschwimmen umzunutzen. Der Ansatz unterscheidet sich bewusst von klassischen Schwimmbadneubauten.

Der Fokus liegt ausschließlich auf dem Schwimmenlernen von Kindern. Die Lösung ist funktional und bewusst schlank gestaltet, mit kleinen, warmen Lehrbecken, ohne Freizeit- oder

Erlebnisangebote. Die Technik soll robust, langlebig und auf einen dauerhaft wirtschaftlichen Betrieb ausgelegt sein. Ziel ist eine hohe Auslastung durch Schulen und Vereine.

Der Ansatz ersetzt keine Neubauten, kann diese jedoch sinnvoll ergänzen, insbesondere dort, wo kurzfristig zusätzliche Wasserzeiten benötigt werden.

Pilotstandort TSV Sasel im Gewerbegebiet Saseler Bogen
Der Standort des TSV Sasel bietet geeignete Voraussetzungen für ein Pilotprojekt im Bezirk Wandsbek. Der Verein verfügt über langjährige Erfahrung im Kinder- und Jugendsport und über eine etablierte

Organisation zur Durchführung verlässlicher Kursangebote. Durch vorhandene Strukturen in Verwaltung, Kommunikation und Kursorganisation kann die Umsetzung eines Piloten mit geringeren Anlaufzeiten erfolgen.

Am Standort bestehen bereits Umkleide- und Duschmöglichkeiten. Zusätzlich besteht die Möglichkeit zur Umnutzung eines Bestandsgebäudes. Der Betrieb kann durch qualifizierte Übungsleiter unterstützt werden. Die

Ausrichtung ist klar auf Schwimmenlernen fokussiert.

Ziel und Ergebnisorientierung
Ziel des Pilotprojekts ist nicht der Aufbau eines Freizeitangebotes, sondern ein messbarer Kompetenzgewinn für Kinder. Entscheidend ist, wie viele Kinder durch zusätzliche Wasserzeiten und strukturierte

Kursformate tatsächlich schwimmen lernen und einen Kurs erfolgreich abschließen.

Bei einer standardisierten Kurslogik und hoher Auslastung kann ein Standort mit drei Lehrbecken perspektivisch etwa 2.400 bis 3.000 Kinder pro Jahr erreichen. Diese Zielgröße soll im Rahmen eines

Pilotbetriebes überprüft und über geeignete Kennzahlen evaluiert werden (zum Beispiel abgeschlossene Kurse und erreichte Schwimmabzeichen).

Kostenrahmen transparente Einordnung
Als Referenz für klassische Neubauten steht das Lehrschwimmbecken Farmsen mit Investitionskosten von ca. 20 bis 21 Mio. Euro sowie einer langen Planungs- und Bauzeit.

r den Pilot „Funktionales Lernschwimmzentrum“ am Standort TSV Sasel wird bei robuster Bauweise und professioneller Dämmung ein Investitionsvolumen von ca. 0,8 bis 1,4 Mio. Euro angesetzt. Die

Nutzung vorhandener Umkleiden und Duschen reduziert den Umfang von Nebeninvestitionen.

r den Pilotbetrieb sind 3 Schwimmlehrer in Vollzeit vorgesehen. Die Personalkosten für zwei Jahre werden mit ca. 420.000 Euro kalkuliert. Weitere laufende Kosten wie Miete, Energie, Reinigung und

Wartung sind standortabhängig und sollen im Rahmen der Prüfung dargestellt werden.

Die Gesamtkosten des Piloten über zwei Jahre liegen damit bei ca. 1,22 bis 1,82 Mio. Euro.

Nach Evaluierung der Pilotlaufzeit soll eine belastbare Grundlage entstehen, wie eine langfristig tragfähige Organisations- und Finanzierungsform aussehen kann, mit einem hohen

Eigenanteil und klarer Ergebnisorientierung.

Ziel der Eingabe
Mit dieser Eingabe wird angeregt, im Haushalt-, Kultur- und Sportausschuss zu prüfen, ob durch die Umnutzung bestehender Gebäude zusätzliche Wasserzeiten für Kinder geschaffen werden können.

Weiterhin soll geprüft werden, ob der Standort TSV Sasel als Pilotprojekt geeignet ist, welche Investitions- und Betriebskosten realistisch anfallen und ob das

Modell grundsätzlich auf weitere Standorte übertragbar ist.

Bitte an den Ausschuss
Der TSV Sasel bittet den Haushalt-, Kultur- und Sportausschuss des Bezirks Wandsbek, diese Eingabe zu beraten und die Verwaltung um eine sachliche Prüfung der dargestellten Fragestellung zu bitten.

Hinweis für die Verwaltung :

r die vorläufige Kosteneinordnung wurde eine typisierte Ausgangslage unterstellt (Bestandsimmobilie in Form einer Lager-/Gewerbehalle mit ca. 120180 m² Grundfläche, Raumhöhe ca. 56 m, ungedämmt und unbeheizt) sowie eine standardisierte

Zielkonfiguration (drei Lehrbecken zzgl. erforderlicher Nebenflächen). Die angesetzte Investitionsspanne von 0,81,4 Mio. € beruht auf einer groben Kostenstrukturierung nach Hauptkostengruppen und ist ausdrücklich als

Orientierungsrahmen zu verstehen. Für die schwimmhallentaugliche Ertüchtigung der Gebäudehülle (Dach- und Wanddämmung inkl. feuchte- und taupunktrelevanter Ausführung, Dampfsperre sowie korrosionsschutzrelevanter

Detailanschlüsse) wurden abhängig vom Bestandszustand ca. 200.000400.000 € berücksichtigt; die Herleitung orientiert sich hierbei an allgemein anerkannten Kostenkennwerten

(u. a. Baukosteninformationszentrum Deutscher Architektenkammern, BKI Baukosten Gebäude / Altbau). Für die zur Sicherstellung eines dauerhaft schadensfreien Betriebs regelmäßig erforderliche Lüftungs-/Entfeuchtungsanlage

wurden ca. 120.000200.000 € angesetzt; die Notwendigkeit einer geeigneten Luftführung/Entfeuchtung zur Vermeidung von Bauschäden in Schwimmhallen ist fachlich anerkannt und u. a. in Fachveröffentlichungen der Deutschen Gesellschaft für das

Badewesen beschrieben. Für drei robuste Lehrbecken einschließlich Einbauteilen und Abdeckungen wurden ca. 180.000320.000 € kalkuliert; ergänzend wurden für Wasseraufbereitung und Badtechnik ca. 150.000250.000 € veranschlagt, wobei für öffentliche

Beckenanlagen die Anforderungen an Aufbereitung und Wasserqualität gemäß DIN 19643 als anerkannte Regel der Technik zugrunde zu legen sind. Für Nebenflächen (Umkleiden, Duschen, WC, Technik,

Luftschleuse) wurden sofern nicht bereits vorgehalten ca. 110.000180.000 € angesetzt; Elektro-/Sicherheitsleistungen sowie Planung, Koordination und Inbetriebnahme wurden pauschal mit ca. 90.000140.000 € berücksichtigt

(Orientierung ebenfalls an BKI-Kennwertlogik).

Die Betriebskostenansätze beinhalten transparent drei Vollzeitstellen Schwimmlehrkräfte; laufende standort- und betreiberspezifische Kostenpositionen (u. a. Miete, Energie, Reinigung, Wartung) sind im Rahmen einer vertiefenden Prüfung zu konkretisieren.

Eine bewusste „Schönrechnung“ bzw. ein pauschales Hochrechnen wurde vermieden; die benannten Bandbreiten tragen vielmehr der bei Bestandsobjekten typischen Varianz der Ausgangsbedingungen

Rechnung. Zur politischen Einordnung wird ergänzend auf die Investitionsdimension klassischer Neubau-Lehrschwimmbecken verwiesen (z. B. Lehrschwimmbecken Farmsen, rund 21 Mio. €r Baukosten und Erschließung)

Quellenhinweise (Orientierungsrahmen / Kosteneinordnung / technische Grundlagen)

Baukostenkennwerte und Kostenstrukturierung
Baukosteninformationszentrum Deutscher Architektenkammern (BKI), Baukostenkennwerte für Gebäude/Altbau sowie Kostenkennwerte für technische Gebäudeausrüstung als Orientierungsgrundlage für überschlägige Kostenermittlungen im Bestand.

Technische Regelwerke Schwimmbadwasser / Badtechnik
DIN 19643 (Aufbereitung von Schwimm- und Badebeckenwasser) als anerkannte Regel der Technik für öffentliche bzw. öffentliche-nah betriebene Beckenanlagen.

Fachgrundlagen Schwimmhallenbau (Feuchte, Taupunkt, Korrosion)
Hinweise/Fachveröffentlichungen zur Bauphysik und Betriebsführung von Schwimmhallen, insbesondere zur Vermeidung von Bauschäden durch Feuchtebelastung (u. a. Notwendigkeit von Lüftung/Entfeuchtung, korrosionsgerechte Detailausbildung).

Kosten- und Projektvergleich öffentliche Hand
Lehrschwimmbecken Farmsen (Hamburg) als Referenzprojekt für Neubauinvestitionen und Zeithorizonte (Kostenrahmen im zweistelligen Millionenbereich) zur politischen Einordnung.

Arbeitsmarkt-/Personalkostenansatz (Pilotbetrieb)
Arbeitgebergesamtkosten auf Basis marktüblicher Vollkostenansätze für Vollzeitstellen (Brutto, AG-Anteile, Ausfallzeiten, Fortbildung), als überschlägiger Orientierungsansatz für die Pilotphase.

Bera­tungs­reihen­folge
Datum/Gremium
TOP
16.02.2026
Ö 4.6
Lokalisation Beta

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