22-1464

Gemeinsamer Antrag Fraktion Die Linke, GRÜNE-Fraktion und SPD-Fraktion betr.: Umbenennung des Albert-Schäfer-Wegs in Max-Goldschmidt-Weg

Gemeinsamer Antrag

Sachverhalt

Der Albert-Schäfer-Weg steht seit Jahren im Zentrum einer kontroversen Debatte. Die im Jahr 2020 berufene Expertenkommission zur Untersuchung NS-belasteter Straßennamen kam zu dem eindeutigen Schluss, dass eine Umbenennung geboten ist.

Albert Schäfer war als Vorstandsvorsitzender der Phoenix-Werke direkt für den Einsatz von Zwangsarbeitern verantwortlich. Das Unternehmen beteiligte sich aktiv an der nationalsozialistischen Ausbeutungspolitik, unter anderem durch Zweigwerke in Riga und Prag, in denen jüdische Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter eingesetzt wurden. Besonders schwer wiegt zudem sein persönliches Verhalten gegenüber seinem jüdischen Geschäftspartner Max Goldschmidt: Schäfer betrieb die „Arisierung“ der gemeinsamen Firma Metallgummi GmbH zu seinem eigenen Vorteil und leistete erst nach Kriegsende Wiedergutmachung, nachdem Goldschmidt diese gerichtlich erstreiten musste.

Eine Straßenbenennung ist eine hohe Form der öffentlichen Ehrung durch eine Stadt. Es ist nach heutigem Werteverständnis nicht vertretbar, einen Profiteur von Zwangsarbeit und „Arisierung“ auf diese Weise zu würdigen. Die Umbenennung nach Max Goldschmidt kehrt die Perspektive um: Nicht mehr der Täter und Profiteur wird geehrt, sondern das Opfer seiner Verdrängungspolitik erhält seinen rechtmäßigen Platz im kollektiven Gedächtnis Harburgs zurück.

Die Linksfraktion erkennt zugleich an, dass Albert Schäfer 1945 an der Rettung Hamburgs vor der Zerstörung beteiligt war. Eine Umbenennung bedeutet jedoch keine „Löschung“ der Geschichte. Durch die von uns geforderte Kontextualisierung (siehe Petitum Pkt. 2) bleibt diese Ambivalenz – der „Retter“ einerseits und der NS-Profiteur andererseits – als Mahnung und Lernort für künftige Generationen im Stadtteil sichtbar, ohne die einseitige Ehrung fortzusetzen.

Der Beschluss dieses Antrags soll die bereits mehrheitlich beschlossene Aufarbeitung nun konsequent zu Ende zu führen und gleichzeitig den berechtigten Anliegen der Anwohnenden nach Information und Kostenfreiheit Rechnung zu tragen.

Petitum/Beschluss

1. Der Albert-Schäfer-Weg in Eißendorf wird in Max-Goldschmidt-Weg umbenannt. Damit wird der jüdische Mitbegründer der Metallgummi GmbH geehrt, der durch den bisherigen Namensgeber persönlich und wirtschaftlich geschädigt wurde.

2. Nach erfolgter Umbenennung ist am Standort eine dauerhafte Informationstafel oder Stele zu errichten. Diese soll die vielschichtige Geschichte des Ortes dokumentieren und dabei explizit die Rolle Albert Schäfers sowohl bei der kampflosen Übergabe Hamburgs 1945 als auch seine Verantwortung für Zwangsarbeit und „Arisierung“ während der NS-Diktatur gegenüberstellen.

3. Das Bezirksamt wird gebeten, sicherzustellen dass für die Anwohnenden alle notwendigen Änderungen in amtlichen Dokumenten (Personalausweise, Reisepässe, Fahrzeugpapiere) kostenfrei und mit möglichst geringem bürokratischen Aufwand erfolgen.

Lokalisation Beta
Albert-Schäfer-Weg Eißendorf

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