22-2127

Wie steht es um die psychosoziale Versorgung von Geflüchteten im Bezirk Hamburg-Nord? Anfrage gem. § 27 BezVG

Anfrage nach § 27 BezVG

Sachverhalt

Geflüchtete Menschen sind häufig besonderen psychischen Belastungen ausgesetzt. Fluchterfahrungen, Krieg, Verfolgung sowie unsichere Lebensbedingungen können zu Traumafolgestörungen führen. Eine frühzeitige psychosoziale und therapeutische Versorgung ist daher zentral für Integration und Teilhabe sowie zur Prävention von Chronifizierung und Krisen.
Seit 2015 wurden in Hamburg spezialisierte Angebote zur psychosozialen und traumatherapeutischen Behandlung von Geflüchteten geschaffen. Die psychosoziale Beratung erfolgt maßgeblich durch die Träger SEGEMI [1], Diakonie [2] Hamburg und Lichtpunkt e.V. [3] Diese sind in der bundesweiten Arbeitsgemeinschaft für psychosoziale Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer [4] (BAfF) vernetzt. Ergänzend koordiniert seit 2020 das Koordinierende Zentrum für traumatisierte Geflüchtete [5] (CENTRA) die Versorgung.
Auch vor dem Hintergrund der im Koalitionsvertrag über die Zusammenarbeit in der Hamburgischen Bürgerschaft zwischen der SPD, Landesorganisation Hamburg, und Bündnis 90/Die Grünen, Landesverband Hamburg [6], 2025 formulierten Zielsetzungen stellt sich die Frage, inwieweit die bestehenden Angebote aktuell ausreichen, um den tatsächlichen Bedarf zu decken.

Wir fragen daher:

A. Bestandsaufnahme Versorgung

  1. Wie viele Personen befinden sich aktuell in öffentlich-rechtlichen Unterkünften
    a) in Hamburg insgesamt
    b) im Bezirk Hamburg-Nord?

Die Behörde für Gesundheit, Soziales und Integration (Sozialbehörde) nimmt zu der o. g. Anfrage teilweise auf Grundlage von Auskünften von F&W Fördern und Wohnen AöR (F&W) und dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) wie folgt Stellung:

Zum Stichtag 30.04.2026 lebten 38.968 Menschen in öffentlich-rechtlicher Unterbringung. Davon lebten 7.586 Menschen im Bezirk Hamburg-Nord.

  1. Welche sind die fünf größten Unterkünfte nach Belegungskapazität
    a) in Hamburg insgesamt
    b) im Bezirk Hamburg-Nord?

Die fünf größten Unterkünfte in Hamburg nach SOLL-Kapazität (Stand 30.04.2026)

Unterkünfte

SOLL-Kapazität

Am Gleisdreieck 2-23

1.298

Überseering 26

1.100

Haferblöcken

834

Raja-Ilinauk-Straße 1-39

800

Eiffestraße 62a

773

Die fünf größten Unterkünfte in Hamburg-Nord nach SOLL-Kapazität (Stand 30.04.2026)

Unterkünfte

SOLL-Kapazität

Überseering 26

1.100

Flughafenstraße 64-82

564

Alstderdorfer Straße 575a (Plaza Inn Hamburg Nord)

447

Langenhorner Chaussee 183 (Leonardo Hotel HH-Airport)

440

Papenreye 36-42

399

  1. Wie stellt sich aktuell die psychosoziale Versorgung von Geflüchteten in Hamburg dar (insbesondere in Hinblick auf eine bedarfsgerechte Versorgung, Kapazitäten, Trägerstruktur, regionale Verteilung)? Wie wird in diesem Zusammenhang eine bedarfsgerechte Versorgung definiert?

Die psychosoziale Versorgung erfolgt durch ein Angebot unterschiedlicher Beratungs-, Behandlungs- und Sprachmittlungsformate verschiedener Träger. Centra – das koordinierende Zentrum für traumatisierte Flüchtlinge übernimmt koordinative Aufgaben bei der psychosozialen Versorgung geflüchteter Menschen, die in Hamburg angekommen sind. Die Flüchtlingsambulanz und Centra des UKE stehen allen Geflüchteten zur Verfügung, unabhängig vom Herkunftsland, Fluchthintergrund, Bleiberechts- oder Sozialversicherungsstatus. Centra nimmt für die Versorgung von traumatisierten geflüchteten Personen eine zentrale Rolle ein. Das Zentrum bietet nicht nur selbst psychosoziale Beratung und psychotherapeutische Behandlung an, sondern erschließt über seine Koordinations- und Vernetzungsaufgabe zusätzlich weitere Versorgungskapazitäten innerhalb des Hilfesystems. Durch die Koordination und die enge Zusammenarbeit mit spezialisierten Trägern, anderen psychosozialen Angeboten sowie Einrichtungen der Regelversorgung wird dazu beigetragen, Zugänge zur Versorgung zu verbessern und Versorgungslücken zu reduzieren. Das Angebot umfasst unter anderem auch Dolmetscherleistungen, um Sprachbarrieren im Therapiekontext zu überwinden. Durch verschiedene, auch niedrigschwellige Anlaufstellen oder aufsuchende Dienste einerseits und der Koordination mit Schnittstellen zum Regelsystem andererseits sind Voraussetzungen für Zugänge und Teilhabe geschaffen.

  1. Welche Träger sind derzeit in Hamburg aktiv und wie viele Personen können sie pro Jahr durchschnittlich behandeln?

Die psychosoziale Versorgung von Geflüchteten in Hamburg wird durch ein breites Netzwerk spezialisierter Träger sichergestellt. Zu den zentralen Anlaufstellen zählen Centra - das Koordinierende Zentrum für traumatisierte Geflüchtete, SEGEMI e.V., Lichtpunkt e.V. und die Diakonie. Diese Einrichtungen bieten ein vielfältiges Spektrum an Beratungs- und Behandlungsangeboten, die auf die besonderen Bedarfe geflüchteter Menschen zugeschnitten sind.

  • Centra berät und behandelt jährlich rund 450 Personen, davon etwa 370 Beratungen, 40 Kriseninterventionen und 40 Psychotherapien.
  • SEGEMI e.V. berät und behandelt jährlich rund 200 Personen. Das Angebot ist auf die Aufnahme und Versorgung von bis zu 20 Klientinnen und Klienten im Monat ausgerichtet und reicht von Diagnostik über psychologische Kriseninterventionen und Begleitung in die Regelversorgung.
  • Diakonie berät und behandelt jährlich rund 70 Personen mit einem Hilfeangebot, welches Clearing, Casemanagement, spezialisiert Therapie und Gruppenangebote einschließt.
  • Lichtpunkt e.V. berät und behandelt jährlich rund 170 Personen und bietet ebenfalls Clearing, Casemanagement, spezialisiert Therapie und Gruppenangebote.
  • Savia leistet psychosoziale Beratung speziell für von Gewalt betroffene Geflüchtete in Unterkünften und hat im Jahr 2025 299 Personen beraten.

Darüber hinaus hat Stabil&gesund GbR im Jahr 2025 40 Personen im Rahmen des Ukraine-Projekts beraten. Das Projekt ist ausschließlich geflüchteten Ukrainerinnen und Ukrainern vorbehalten. Die Beratung erfolgt nicht vor Ort in den öffentlich-rechtlichen Unterkünften, sondern in angemieteten Räumlichkeiten. Zusätzlich bietet Stabil&gesund GbR auch eine Stabilisierungssprechstunde direkt vor Ort in mehreren Hamburger Erstaufnahmeeinrichtungen und einer Unterkunft für von gewaltbetroffenen geflüchteten Frauen und deren Kinder an.

  1. Wie haben sich diese Kapazitäten in den vergangenen drei Jahren entwickelt, insbesondere vor dem Hintergrund steigender Bedarfe?
  2. Welche Entwicklungen erwartet der Senat für die nächsten drei Jahre in Bezug auf die psychosoziale Versorgung?

Mit der Förderung von SEGEMI e. V., Lichtpunkt e.V. und der Diakonie aus Landesmitteln konnten die Kapazitäten gestärkt werden. Die Mittel für kultursensible Sprachmittlung wurden stetig ausgeweitet. Zusätzlich zu den regulären Kapazitäten bei Centra konnte beim Europäischen Migrations- und Integrationsfond (AMIF) ein Projekt zur Versorgung Schutzsuchender aus der Ukraine eingeworben werden. Seit Herbst 2024 können darüber pro Jahr zusätzlich ca. 200 Personen in Unterkünften niedrigschwellige Angebote zur Stressreduktion erhalten. Zudem können 60 psychologische Beratungen und 18 längere Psychotherapien angeboten werden. Neben den bestehenden Angeboten bestehen Möglichkeiten niedrigschwellige Angebote z.B. durch Peer-to-Peer-Ansätze zu ergänzen.

B. Versorgung in Unterkünften

  1. Welche psychosozialen Beratungs- und Unterstützungsangebote bestehen direkt in den fünf größten Unterkünften des Bezirks Hamburg-Nord? In welchem Umfang sind diese geeignet, den vorhandenen Bedarf abzudecken?
  1. Wie viele Geflüchtete mit psychischen Belastungen leben derzeit in diesen Unterkünften (aggregierte Zahlen)?
  2. Wie viele Personen erhalten aktuell regelmäßig psychosoziale Beratung (aggregierte Zahlen), und wie hoch wird der Anteil derjenigen eingeschätzt, die trotz Bedarfs kein entsprechendes Angebot erhalten?

In den genannten Unterkünften wird keine spezialisierte psychosoziale Versorgung vor Ort angeboten. Den Bewohnenden der öffentlich-rechtlichen Unterkünfte steht jedoch ein breit aufgestelltes Hilfesystem in Hamburg zur Verfügung.

Zudem ist das Unterkunfts- und Sozialmanagement (UKSM) vor Ort in den Unterkünften tätig und verfolgt das Ziel, die Bewohnenden bei der (Wieder-)Herstellung ihrer Lebensgrundlagen zu unterstützen und sie an die bestehenden Regelsysteme heranzuführen. Das UKSM selbst erbringt keine psychosozialen oder therapeutischen Leistungen, sondern bietet eine Orientierungsberatung an und unterstützt bei der Suche nach und der Kontaktaufnahme zu fachkundigen Ansprechpersonen sowie zu spezialisierten Hilfesystemen (z. B. ärztliche und therapeutische Versorgung). Hierzu steht das UKSM unter anderem in regelmäßigen offenen Sprechstunden für Anliegen zur Verfügung. Die Arbeit des UKSM wird bei Bedarf durch weitere spezialisierte Beratungsangebote von F&W unterstützt. Dabei handelt es sich um die Sozialpädagogische Einzelfallhilfe (SPEH), das Angebot Rückenwind und die Beratungsstelle für Geflüchtete mit Behinderung und chronischer Erkrankung (BeGeB). Die SPEH und Rückenwind unterstützen besonders hilfebedürftige Wohnungslose durch individuelle, aufsuchende Beratung und Begleitung, um sie bei der Bewältigung ihres Alltags, der gesundheitlichen Stabilisierung und der Anbindung an das Hilfesystem zu unterstützen. Die BeGeB unterstützt speziell geflüchtete Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen durch fachkundige Beratung und Begleitung bei der Anbindung an medizinische, therapeutische und soziale Hilfesysteme. Zur Überwindung von Sprachbarrieren können das UKSM und die spezialisierten Beratungsangebote bei Bedarf auf den von F&W aufgebauten Sprachmittlerpool zurückgreifen, der im Jahr 2025 insgesamt 273 Dolmetschende für 47 Sprachen umfasste. Bei psychisch auffälligen Bewohnenden arbeitet F&W eng mit den Angeboten des Gesundheitsamtes und des Allgemeinen Sozialen Dienstes (ASD) zusammen.

An den Hotelstandorten werden psychosoziale Beratungs- und Unterstützungsbedarfe der untergebrachten Personen im Rahmen der Orientierungsberatung durch das Mobile Einsatzteam (MET) von F&W aufgegriffen. Das MET fährt die Standorte regelmäßig an, berät die Bewohnenden niedrigschwellig und unterstützt bei Bedarf die gezielte Vermittlung an geeignete Fachberatungsstellen, Regelangebote und weitere externe Unterstützungsstrukturen. An den Standorten vor Ort finden psychosoziale Beratungs- und Unterstützungsangebote nicht regelhaft statt.

Zum örU-Interimsstandort Überseering siehe im Übrigen Drs. 23/3992.

Darüber hinaus liegen der für Soziales zuständigen Behörde keine belastbaren Zahlen zu psychischen Belastungen oder Erkrankungen von Geflüchteten in den Unterkünften vor. Es werden von den Betreibern der Unterkünfte keine spezifischen Informationen zu psychischen Belastungen oder Erkrankungen von Geflüchteten erhoben. Gleichwohl sind die Mitarbeitenden in den Unterkünften durch interne Fortbildungsangebote für Themen wie psychische Belastungen, Traumafolgen und den Umgang mit besonders belasteten Bewohnenden sensibilisiert und erfahren. Im Rahmen der angebotenen Beratungen werden individuelle Belastungen und Unterstützungsbedarfe der untergebrachten Personen aufgenommen. Bei entsprechendem Bedarf erfolgt eine individuelle Anbindung an beziehungsweise Verweisung zu spezialisierten psychologischen Unterstützungsangeboten.

  1. Werden die Träger in den Unterkünften mit Dolmetscher*innen ausgestattet, und wenn ja, in welchem Umfang und für welche Sprachen?
  1. Wie ist die Verteilung der Patient*innen hinsichtlich Geschlecht (weiblich, männlich, divers)?

Siehe Antwort zu den Fragen 7 bis 9.

  1. Wie hoch ist der Anteil der 18–21-Jährigen unter den Bewohner*innen der Unterkünfte?

Standort

Anteil an Ist-Belegung in Prozent (Stichtag 31.03.2026)

Überseering 26

13,77%

Flughafenstraße 64-82

4,76%

Alsterdorfer Straße 575a (Plaza Inn Hamburg Nord)

6,68%

Langenhorner Chaussee 183 (Leonardo Hotel HH-Airport)

12,91%

Papenreye 36-42

6,40%

  1. Wie hoch ist der Anteil der Patient*innen in dieser Altersgruppe (18–21 Jahre), die psychosoziale Angebote in Anspruch nehmen?
  2. Gibt es auch selbstständig tätige Psychotherapeut*innen, die in den Unterkünften Angebote erbringen?
  3. Wie viele Stunden sind Therapeut*innen durchschnittlich in den Unterkünften tätig (z. B. pro Woche)?

Siehe Antwort zu 7 bis 9.

  1. In welcher Form arbeitet das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) mit den Unterkünften zusammen (z. B. Konsile, Überweisungen, aufsuchende Angebote)?

Im Rahmen der Orientierungsberatung verweist das UKSM bei Bedarf auch an die Angebote des UKE, insbesondere an Centra. Eine darüberhinausgehende Kooperation besteht nicht.

  1. Welche niedrigschwelligen Angebote zur mentalen Gesundheit bestehen zusätzlich in den Unterkünften (z. B. Gruppenangebote, Peer-Beratung, psychosoziale Erstberatung)?

An den genannten Unterkünften gibt es keine zusätzlichen niedrigschwelligen Angebote im Sinne der Fragestellung. Im Übrigen siehe Antwort zu 7 bis 9.

  1. Liegen dem Senat gesonderte Erkenntnisse zur psychosozialen Situation von Kindern in den Unterkünften vor und wie gestaltet sich deren spezifische Versorgung?
  2. Gibt es Erkenntnisse zum Geschlechterverhältnis unter den Patient*innen sowie dazu, ob bestimmte Gruppen – insbesondere Frauen oder queere Personen – überproportional von psychischen Belastungen betroffen sind?

Siehe Antwort zu 7 bis 9.

C. Zugang zur Versorgung und Bedarfe der Träger

  1. Wie erfolgt die Vermittlung von Geflüchteten mit psychischen Belastungen in geeignete Beratungs- oder Therapieangebote?

Die Vermittlung von Geflüchteten mit psychischen Belastungen in geeignete Beratungs- oder Therapieangebote erfolgt über verschiedene Wege. Ein wichtiger Zugang ist die Orientierungsberatung durch F&W. Bei entsprechendem Bedarf werden die Betroffenen an spezialisierte Angebote weitergeleitet. Darüber hinaus beraten auch andere in den Unterkünften tätige Träger zu spezialisierten Stellen und übernehmen bei Bedarf die Vermittlung an entsprechende Fachangebote. Ziel ist es, den Geflüchteten einen möglichst passgenauen Zugang zu geeigneten Beratungs- und Therapieangeboten zu ermöglichen. Die Vermittlung zu den passenden Angeboten kann insbesondere auch über lokale Gesundheitszentren, die öffentlichen Gesundheitsdienste, Centra sowie die Präventionsstelle zur Verhinderung forensischer Krankheitsverläufe erfolgen. Eine besondere Rolle nimmt dabei Centra ein, die eine Vernetzungs- und Koordinationsfunktion übernehmen. Durch die enge Zusammenarbeit mit psychosozialen Diensten, Therapeutinnen und Therapeuten, Kliniken und Beratungsstellen unterstützt Centra die Weitervermittlung in passende Hilfsangebote und steht hierzu im regelmäßigen Austausch mit verschiedenen Anlaufstellen.

  1. Welche Wartezeiten bestehen aktuell für psychosoziale bzw. traumatherapeutische Angebote, und inwiefern führen diese zu Versorgungslücken oder Verzögerungen in der Behandlung?
  2. Welche Bedarfe sehen die Träger in Bezug auf Personal, Räumlichkeiten oder Ausstattung, um den Bedarf angemessen decken zu können?

Wartezeiten werden nicht systematisch erhoben. Bei Centra beträgt die Wartezeit für ein erstes Beratungsgespräch derzeit etwa sechs Monate. Für eine externe Weitervermittlung in psychotherapeutische oder spezialisierte traumatherapeutische Angebote liegen die Wartezeiten in der Regel bei etwa zwölf Monaten. Diese Wartezeiten führen dazu, dass notwendige Unterstützungs- und Behandlungsangebote häufig erst verzögert in Anspruch genommen werden können. Nicht zuletzt aufgrund der Wartezeiten und verzögerter Umsetzung der Behandlungen sehen die Träger einen Bedarf an zusätzlichen Ressourcen.

D. Prävention, Integration und Auswirkungen veränderter Rahmenbedingungen

  1. Welche präventiven Effekte haben psychosoziale Beratungsangebote, insbesondere zur Vermeidung von Chronifizierung psychischer Erkrankungen oder Eskalationen, und welche Folgen ergeben sich aus einer nicht ausreichenden Versorgung?
  1. Liegt dem Senat eine Einschätzung oder Evaluation der psychosozialen Belastung von Geflüchteten vor, bei der veränderte Rahmenbedingungen bzw. Lebensumstände berücksichtigt wurden, z. B. hinsichtlich besonders vulnerabler Gruppen wie Alleinerziehende, queere Menschen oder Menschen mit Behinderung?
  2. Liegt dem Senat eine Bewertung oder Analyse vor, wie psychosoziale Beratung direkt in den Unterkünften die Integration und gesellschaftliche Teilhabe von Geflüchteten unterstützt?

Dem Senat liegen keine Erkenntnisse im Sinne der Fragestellungen vor. Gleichwohl werden Erkenntnisse und Rückmeldungen der Träger sowie Erfahrungen aus Beratungsangeboten berücksichtigt. Herausfordernde Lebensumstände – etwa längere Aufenthaltsdauern in Unterkünften, unsichere Aufenthaltsperspektiven, Wohnraummangel oder eingeschränkter Zugang zu Unterstützungsangeboten – können Auswirkungen auf psychosoziale Belastungslagen haben.

E. Finanzierung und Struktur

  1. Wie werden die Träger der psychosozialen Beratung aktuell finanziert, insbesondere BAfF-zertifizierte Zentren?

Von den vier BafF-zertifizierten Psychosoziale Zentren (PSZ) in Hamburg erhalten drei für den Zeitraum 01.12.2025 bis 31.12.2026 Zuwendungen der Freien und Hansestadt Hamburg (Drs. 22/17219).

Ziel der Förderung aus Mitteln der Sozialbehörde ist es, in den Psychosozialen Zentren zur Verbesserung der gesundheitlichen und sozialen Versorgung ein zusätzliches spezialisiertes Angebot für geflüchtete Personen mit schweren psychischen Erkrankungen und komplexem Hilfebedarf einen strukturierten Zugang zu kultursensiblen, qualifizierten und bedarfsgerechten Hilfen anzubieten.

Darüber hinaus finanzieren sich die Hamburger BafF-Zentren – soweit bekannt – aus Eigenmitteln, wie z.B. Spenden.

  1. Welche Maßnahmen plant der Senat, um die langfristige und bedarfsgerechte Finanzierung sicherzustellen, insbesondere vor dem Hintergrund aktuell bestehender oder absehbarer Finanzierungslücken?

Zur Fortsetzung der Finanzierung der ergänzenden Leistungen der Psychosoziale Zentren in Hamburg hat die Sozialbehörde gemeinsam mit den Trägern der Psychosozialen Zentren Interesse an der Förderung aus Mitteln einer sogenannten „specific action“ zur Psychosozialen Betreuung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) im Rahmen des Asyl- und Migrationsfonds (AMIF) für die Jahre 2027 und 2028 bekundet. Die Antragstellung befindet sich in der Vorbereitung. Längerfristige Optionen zur Finanzierung unterliegen dem Haushaltvorbehalt.

  1. Wie fließen städtische Mittel in die Arbeit des CENTRA-Zentrums sowie in die ambulante Versorgung?

Das UKE erhält für den Betrieb des koordinierenden Zentrums für traumatisierte Geflüchtete Centra eine jährliche Zuwendung durch die Sozialbehörde. Die Zuwendung wird auf Antrag des UKE im Rahmen einer Projektförderung bewilligt.

Bezirksabgeordnete: Nergis Zarifi, Daniela Clément, Marcel Bulawa, Katharina Fischer-Zernin, Sidney Gregor-Wielan, Nadja Grichisch, Katrin Hofmann, Dr. Anıl Kaputanoğlu, Timo B. Kranz, Azra Kültür, Isabel Permien, Angelina Platz, Carsten Redlich, Christoph Reiffert, Thorsten Schmidt

[1] https://www.segemi.org

[2] https://www.diakonie-hamburg.de/de/adressen/Psychosoziale-Beratung-fuer-Fluechtlinge/

[3] https://lichtpunkt.org/

[4] https://www.baff-zentren.org

[5] https://centra.hamburg

[6] Koalitionsvertrag über die Zusammenarbeit in der Hamburgischen Bürgerschaft zwischen der SPD, Landesorganisation Hamburg, und Bündnis 90/Die Grünen, Landesverband Hamburg, Hamburg 2025, S. 93.

Lokalisation Beta
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf Überseering Flughafenstraße Langenhorner Chaussee Papenreye Alsterdorfer Straße

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Themen Beta

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