Verwaltungsseitiger Umgang mit Arbeits-, Gewerbe- und Finanzverstößen in bargeldintensiven Geschäftsbereichen.
In verschiedenen Geschäftsbereichen mit hoher Bargeldintensität, langen oder flexiblen Öffnungszeiten sowie häufig wechselndem oder gering formalisiertem Personaleinsatz werden bundesweit und landesweit regelmäßig Verstöße gegen arbeits-, sozial-, gewerbe- und steuerrechtliche Vorschriften festgestellt.
Zu diesen besonders relevanten Geschäftsbereichen zählen nach Erkenntnissen der Vollzugsbehörden insbesondere Friseurbetriebe, Barbershops, Shishabars, Imbissbetriebe, Gemüseläden, Brautmodengeschäfte, Kioske/Spätkäufe, Lieferdienste, Nagel- und Kosmetikstudios sowie der saisonale Verkauf von Silvesterfeuerwerk (Kategorie F2 nach Sprengstoffrecht). Darüber hinaus bestehen vergleichbare Risikostrukturen auch in weiteren bargeld- und personalintensiven Kleinbetrieben.
Die Anfrage zielt ausdrücklich nicht auf einzelne Betriebe oder Betreiber, sondern auf eine aggregierte, statistische Betrachtung der Situation im Bezirk Hamburg-Nord sowie auf die verwaltungsseitigen Steuerungs- und Kooperationsstrukturen.
Vorbemerkung:
Die unter 1a) bis j) genannten Betriebe werden kontrolliert, wenn es einen Anlass dazu gibt oder durch lebensmittelrechtliche Vorgaben Regelkontrollen vorgesehen sind. Die Bargeldintensität ist ebenso wenig Gegenstand der Arbeit des Bezirksamtes wie Kontrollen auf dem Gebiet des Steuer-, Arbeits- oder Sozialrechts. Allenfalls und dann auch eher zufällig, werden Sachverhalte/Informationen im Rahmen von Kontrollen bekannt, die dann an die originär zuständigen Stellen weitergegeben werden. Statistiken werden darüber nicht geführt.
Nicht nur in dem Aufbau und der Struktur vorhandener IT-Anwendungen und Statistiken, die in den Fachbereichen genutzt bzw. geführt werden, findet das Thema nicht statt, sondern auch die hier unter 1 a) bis j) genannten Geschäftsbereiche sind nicht identisch mit den genutzten Anwendungsprogrammen, so dass die Auswertungsmöglichkeiten begrenzt oder nicht vorhanden ist.
Dies vorausgeschickt, beantwortet das Bezirksamt die Anfrage wie folgt:
Vor diesem Hintergrund fragen wir das Bezirksamt:
Siehe Vorbemerkung; eine Auswertung im hamburgischen Gewerberegister erfolgt durch sogenannte Branchenschlüssel. Bspw. Barbershops stellen hier keine eigene Wirtschaftsklasse nach der Klassifikation der Wirtschaftszweige des Statistischen Bundesamtes dar, sondern werden unter Friseur- und Kosmetiksalons beziehungsweise unter Friseursalons geführt. Ihre Anzahl wird daher nicht gesondert statistisch erfasst (siehe auch Bürgerschafts-Drs. 22/16315 und 23/954).
Die Folgende Auswertung erfolgt mit dem Stichtag vom 12.03.2026
a) Friseurbetriebe
b) Barbershops
443 Betriebe für a) und b)
c) Shishabars
8
d) Imbissbetriebe
312
e) Gemüseläden / Obst- und Gemüseeinzelhandel
97
f) Brautmodengeschäfte
Branchenschlüssel enthält jegliche Modegeschäfte, daher kann nur eine Zahl für Einzelhandel (Mode) geliefert werden (= 375)
g) Kioske / Spätkäufe
Der o.g. Branchenschlüssel enthält jeglichen Einzelhandel mit Waren aller Art, weswegen der „Kiosk“ nicht näher abgegrenzt werden kann; Einzelhandelsbetriebe= 305
h) Liefer- und Kurierdienste (insbesondere Essenslieferdienste kleiner Anbieter)
Kurierdienst 665
Lieferdienst: siehe 1d)
i) Nagel- und Kosmetikstudios
741 (auch medizinische Fußpflege)
j) Saisonaler Verkauf von Silvesterfeuerwerk (Kategorie F2)
Der saisonale Verkauf von Silvesterfeuerwerk ist nicht auswertbar. Im Übrigen siehe Antwort zu Frage 11.
Im Rahmen von Gewerbe- und Lebensmittelkontrollen (Anlass- und Regelkontrolle) können nur nachfolgende Zahlen geliefert werden, da auch hier keine Auswertung aufgrund vorhandener Klassifizierung der Betriebsarten möglich ist:
Imbiss (beinhaltet auch deren Lieferdienste)
2022 |
242 |
2023 |
440 |
2024 |
227 |
2025 |
202 |
Kiosk und Minimärkte (die Betriebsart beinhaltet z.T. Budnikowski, Rossmann u.s.w.)
2022 |
89 |
2023 |
125 |
2024 |
107 |
2025 |
101 |
Einzelhandel von Obst/Gemüse
2022 |
30 |
2023 |
33 |
2024 |
27 |
2025 |
23 |
gewerblicher Anwender kosmetischer Mittel, z. B. Kosmetikstudio/Friseurbetriebe
2022 |
4 |
2023 |
1 |
2024 |
4 |
2025 |
10 |
Siehe Vorbemerkung; folglich können nur gewerberechtliche Verstöße bei Kontrollen des Fachamtes festgestellt werden, zu denen es keine detailliert auswertbare Statistik gibt.
Es liegt hierzu keine auswertbare Statistik vor; im Übrigen siehe Vorbemerkung.
Es liegt hierzu keine auswertbare Statistik vor, s. Antwort zu Frage 6.
a) geprüft,
b) eingeleitet und
c) abgeschlossen?
Im Zeitraum von 2022 bis 2025 wurden im Bezirksamt Hamburg-Nord insgesamt 633 Anregungen auf Einleitung eines Gewerbeuntersagungsverfahrens geprüft. Eine weitere Differenzierung im Sinne der Fragestellung kann nur mit händischer Auswertung der o.g. Anregungen erfolgen, da der Geschäftszweig, die Zurückweisung von Fällen und die Art des Abschlusses statistisch nicht gesondert erfasst werden.
Die jeweiligen Dienststellen führen Kontrollen im Rahmen ihrer jeweiligen Zuständigkeiten durch und beziehen in Abhängigkeit vom Einzelfall dabei auch andere Dienststellen in die Kontrollen mit ein.
Siehe Vorbemerkung.
Nein, innerhalb der sachlichen Zuständigkeit des Bezirksamtes werden keine Lücken gesehen.
Siehe Vorbemerkung, im Übrigen obliegt die Kontrolle der Einhaltung arbeitsrechtlicher Vorschriften nicht dem Bezirksamt.
Betriebe, die den Verkauf von Pyrotechnik einmal angezeigt haben gelten so lange als „angezeigt“, bis die Beendigung des Verkaufs mitgeteilt wird. Es ist zudem zu berücksichtigen, dass es Betriebe gibt, die den Verkauf von Pyrotechnik dennoch jedes Jahr erneut beim Bezirksamt anzeigen. Daher wird die genaue Anzahl der Betriebe, die in den einzelnen Jahren tatsächlich Pyrotechnik verkauft haben, statistisch nicht erfasst. Es wird lediglich erfasst, wie viele Anzeigen in den jeweiligen Jahren eingehen bzw. insgesamt vorliegen. Im Zeitraum von 2022 bis 2025 wurden im Bezirksamt Hamburg-Nord insgesamt 273 Anzeigen zum Verkauf von Pyrotechnik im Bezirk Hamburg-Nord registriert. In diesem Zeitraum wurden insgesamt 27 Kontrollen durchgeführt, bei denen nur geringfügige, vor Ort umgehend behobene Beanstandungen festgestellt worden sind, wie beispielsweise ein fehlender Hinweis auf das Rauchverbot.
Dr. Bettina Schomburg 18.03.2026
(Bezirksamtsleitung)
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