22-2198

Referenten-Einladung Hamburger Gehörlosenverband und Geschichtswerkstatt Eppendorf - Antrag der Fraktion Die Linke

Antrag

Letzte Beratung: 07.05.2026 Ausschuss für Seniorinnen und Senioren, Integration, Inklusion, Gesundheit und Katastrophenschutz Ö 5.3

Sachverhalt

Im Juli 2025 beschloss die Hamburgische Bürgerschaft einen historischen überfraktionellen Antrag. Die Bürgerschaftsabgeordneten baten die Gehörlosengemeinschaft um Verzeihung für das Unrecht, das so viele von ihnen erlitten hatten durch das Gebärdensprachverbot in der Hamburger Gehörlosenschule. Diesem Beschluss vorangegangen war ein Antrag der Linksfraktion und eine öffentliche Anhörung im Sozial-Ausschuss am 06.02.2025, in der viele Betroffene von ihren leidvollen Schul- und Lebenserfahrungen berichteten.

Bis weit in die 1990er Jahre war die Gebärdensprache in der Schule verboten, stattdessen sollten alle Kinder die Lautsprache artikulieren lernen und vom Munde absehen lernen (war nur zu einem Bruchteil überhaupt möglich ist). In der Schule wurde ausschließlich die Lautsprache verwendet. Das führte zu einer sprachlichen Deprivation mit lebenslangen negativen Folgen.

Der Erfinder und Verfechter der Lautsprach-Methode war Samuel Heinicke (10.04.1726 29.04.1790), der seine erste Wirkungsstätte in Eppendorf hatte. Ein Denkmal im Seelemannpark und die Heinicke-Straße in Eppendorf erinnern an ihn und seine zweite Ehefrau. Denkmal und Straßenbenennung beziehen sich beide auf ein komplett positives Narrativ, dass in der heutigen Zeit so nicht mehr aufrechterhalten werden kann und sollte.

Der Hamburger Gehörlosenverband möchte zusammen mit der Geschichtswerkstatt Eppendorf und dem Inklusionsbeirat Hamburg-Nord anlässlich des 300. Geburtstags von Heinicke im nächsten Jahr eine inklusive Veranstaltung durchführen und auch das Denkmal kontextualisieren, damit die Gehörlosengeschichte in Eppendorf inklusiv dargestellt werden kann, nämlich in ihrer ganzen Vielschichtigkeit und unter Beteiligung der Betroffenen selbst.

Petitum/Beschluss

Der Ausschuss für Seniorinnen und Senioren, Integration, Inklusion, Gesundheit und Katastrophenschutz möge beschließen:

Die Vorsitzende des SIIGK bittet den Hamburger Gehörlosenbund, die Geschichtswerkstatt Eppendorf zum nächstmöglichen Termin in den SIIGK zu kommen und über Samuel Heinicke und sein Wirken auf die Gehörlosenbildung zu berichten, sowie über die Auswirkungen seiner lautsprachlichen Methode auf die Gehörlosen. Außerdem mögen sie über ihre Pläne und Wünsche für eine Samuel-Heinicke-Veranstaltung in Hamburg-Nord und das Denkmal berichten.

r Die Linke Fraktion
Wiebke Fuchs, Volker Honold, Bjørn Knutzen, Dino Ramm

Lokalisation Beta
Eppendorf

Die Erkennung von Orten anhand des Textes der Drucksache kann ungenau sein. Es ist daher möglich, das Orte gar nicht oder falsch erkannt werden.