Rechtliche Einordnung der bezirklichen Planungshoheit im Kontext des sogenannten "Parkplatzmoratoriums" und der nachhaltigen städtebaulichen Entwicklung Kleine Anfrage gem. § 24 BezVG der Volt-Fraktion
Die Bezirke sind gemäß Art. 4 Abs. 2 der Hamburger Verfassung (HV) als Verwaltungseinheiten verankert, denen die selbstständige Erledigung übertragener Aufgaben obliegt. Nach dem Bezirksverwaltungsgesetz (BezVG) führen die Bezirksämter diese Aufgaben eigenständig durch, wobei die Aufsicht des Senats an rechtsförmige Rahmenbedingungen gebunden ist (§§ 21, 42, 45 BezVG).
In der Bauleitplanung ist diese Zuständigkeit gesetzlich konkretisiert: Gemäß § 6 II Bauleitplanfeststellungsgesetz (HmbBauleitplG) bedürfen Beschlüsse des Bezirkamtes zur Feststellung von Bebauungsplänen der Zustimmung der Bezirksversammlung. Darüber hinaus dürfen gem. § 6 III HmbBauleitplG die zusätzlich erforderlichen Genehmigungen durch die zuständige Behörde nur aus überbezirklichen Gründen versagt werden. Flankiert wird dies durch die allgemeinen Ziele und Grundsätze der Bauleitplanung der Planungsleitlinien des § 1 Abs. 5 BauGB (nachhaltige städtebauliche Entwicklung) sowie die in die Abwägungsentscheidung im Rahmen der Bauleitplanung regelmäßig einzubeziehende Belange und Interessen der § 1 Abs. 6 BauGB, hier beispielhaft die Berücksichtigungspflicht städtebaulicher Konzepte gemäß § 1 Abs. 6 Nr. 11 BauGB.
Das derzeit praktizierte „Parkplatzmoratorium“ führt faktisch zu einem stadtweiten Vollzugsstopp für bezirkliche Maßnahmen, sobald öffentliche Kfz-Parkplätze reduziert werden sollen. Die Fortführung von Planungen wird dabei von einer Freigabe durch die Senatskommission für Klimaschutz und Mobilitätswende abhängig gemacht. Es stellt sich die Frage, ob diese pauschale Unterbindung bezirklicher Planungen, die auf integrierten Verkehrskonzepten und städtebaulichen Entwicklungszwecken beruhen, mit der gesetzlich zugewiesenen Gestaltungshoheit der Bezirke vereinbar ist, solange der Senat von seinem Evokationsrecht gem. § 1 IV VwBehG keinen Gebrauch gemacht hat.
Fragen:
Daher bitten wir das Bezirksamt – unter Beteiligung des Rechtsamtes – um Beantwortung folgender Fragen:
Durch das Parkraum-Moratorium erfolgt keine pauschale Aussetzung von Maßnahmen auf Bezirksstraßen. Es handelt sich bei dem Parkraum-Moratorium auch nicht um einen im Bauplanungsrecht zwingend zu berücksichtigenden Gesichtspunkt. Deshalb kann auch kein Verstoß gegen Normen des Bauplanungsrechtes vorliegen.
Es ist unklar, auf welche Einzelprojekte diese Frage abzielt. Jeder Vorgang ist nach Recht und Gesetz einzelfallbezogen zu bearbeiten. Verallgemeinerungen im Hinblick auf zu bearbeitende Vorgänge sind insoweit nicht möglich.
Das Bezirksamt sieht keinen unmittelbaren Zusammenhang zwischen dem Parkraum-Moratorium und dem Abwägungsgebot nach BauGB.
Beschlossene bezirkliche Verkehrskonzepte sind als städtebauliche Entwicklungskonzepte im Sinne des § 1 Abs. 6 Nr. 11 BauGB bei der Bauleitplanung zu berücksichtigen. Im Rahmen der Umsetzung von Verkehrsmaßnahmen sind – neben sonstigen einschlägigen Regelungen – unter anderem die Vorgaben eines Bauleitplanes heranzuziehen.
Ohne Normcharakter bestehende Verkehrskonzepte sind nicht unmittelbar für übergeordnete Verwaltungsebenen bindend.
Aus bezirklicher Sicht besteht keine faktische Abhängigkeit bezirklicher Planungen von der Freigabe durch die Senatskommission. Ein Verfahrensfehler nach Bauleitplanfeststellungsgesetz besteht nicht.
Die verkehrlichen Maßnahmen sind nicht pauschal ausgesetzt, sondern unterliegen einem weiteren Prüfschritt durch die Fachbehörden, die die Vereinbarkeit mit gesamtstädtischen Zielen prüfen.
Bei dem Parkraum-Moratorium handelt es sich nicht um eine fachaufsichtliche Weisung, sondern einen weiteren Prüfschritt der zuständigen Fachbehörden.
Nein.
Das Bezirksamt kann gegen die Fachbehörden als Teil der Verwaltung der Einheitsgemeinde keine rechtlichen Schritte einleiten und sieht dafür auch keine Notwendigkeit.
Dr. Bettina Schomburg 11.06.2026
(Bezirksamtsleitung)
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