21-1420

Mitbenennung von Straßen nach ebenso bedeutenden Verwandten der männlichen Namensgeber mit demselben Nachnamen
Beschlussempfehlung des Regionalausschusses Barmbek-Uhlenhorst-Hohenfelde-Dulsberg

Beschlussempfehlung Ausschuss

Bera­tungs­reihen­folge
Gremium
TOP
01.09.2020
Sachverhalt

 

Der Regionalausschuss Barmbek-Uhlenhorst-Hohenfelde-Dulsberg hat sich in seiner Sitzung am 17.08.2020 mit o.g. Thematik auf der Grundlage eines gemeinsamen Antrages der GRÜNE- und SPD-Fraktion befasst und einstimmig folgende Beschlussempfehlung verabschiedet:

 

  1. Der Regionalausschuss BUHD beschließt die Mitbenennung der Straßen Burmesterstraße, Dennerstraße und Voßweg nach Johanna Burmester, Catharina Denner bzw. Ernestine Voß.
  2. Die Bezirksamtsleitung wird gebeten, zusätzliche Erläuterungsschilder an den Straßenschildern anzubringen. Das Staatsarchiv wird gebeten, dafür einen Textvorschlag zu machen.

 

Begründung:

 

GRÜNER und SPD-Fraktion Hamburg-Nord sind die Gleichstellung und die Sichtbarmachung der gesellschaftlichen Leistungen von Frauen ein besonderes Anliegen. Wir waren daher besonders dankbar für die Eingabe der Vorsitzenden des Vereins „Garten der Frauen auf dem Ohlsdorfer Friedhof“, die auch Vorstandsmitglied des Landesfrauenrates Hamburg ist. [1] Sie machte uns darauf aufmerksam, dass nicht nur die Herren Burmester, Denner und Voß Wichtiges geleistet haben. Ihre Schwestern, Töchter und Ehefrauen waren als Musikerinnen, Malerinnen und Schriftstellerinnen  künstlerisch erfolgreich tätig und trotzten somit den in vorherigen Jahrhunderten rigiden Zuschreibungen von Geschlechtercharakteren und -rollen. Sie malten, schnitzten, korrigierten und vollendeten vielfach auch die Werke der männlichen Verwandten, sorgten mit ihrer Tätigkeit für die Existenzsicherung und für die Nachlassverwaltung - wobei ihr wesentlicher Beitrag oft unerwähnt blieb, weil die Kanonisierung in der Regel über die männliche Marke erfolgte.

Johanna Burmester war die ältere Schwester des Geigenkünstlers Prof. Willy Burmester und trat ab 1876 mehrfach zusammen mit ihrem Bruder in Hamburg und Umgebung auf.  Gleichermaßen freundlich über beide Geschwister äußerte sich das   „Hamburger   Fremdenblatt“   in   einer   Rezension   der   Aufführung  von  Beethovens  Tripelkonzert  op.  56  unter  der  Leitung Hans von Bülows im März 1890 und kommentierte: „Die Wiedergabe  des  solistischen  Theiles  fordert  drei  vollkommen  gleich fähige Künstler, [...] am gestrigen Abend waren dies [..]. Frl.  Johanna  und  Herr  Willy  Burmester  [...].  Frl.  Burmester  ist  eine tüchtige, künstlerisch fähige Pianistin, die von Beginn ihrer Studien    [...]    stets    das    Hohe    erstrebte“    (Hamburger    Fremdenblatt 11. März 1890)“. Johanna Burmester trat fast ausschließlich in Begleitung Ihres Bruders auf. Neben  ihren  Kontakten  zu  von  Bülow  und  Liszt  ist  durch  die  Tagebücher  des  Komponisten  Peter  Tschaikowskys  belegt,  dass Johanna Burmester auch mit ihm bekannt war.

Catharina Denner, die Tochter des Malers Balthasar Denner, reiste bist zu seinem Tode mit zu seinen vielen Auftraggeber*innen. Hier war es unter anderem ihre Aufgabe, die Auftraggeber*innen zu unterhalten. So wurde sie nicht nur eine begabte Pianistin und Sängerin. Sie wurde von ihrem Vater unterrichtet und wurde auch eine beachtenswerte Miniaturmalerin. Balthasar Denner beschränkte sich mit zunehmendem Alter auf die Ausführung von Köpfen, sodass Catharina Denner die Vollendung seiner Werke übernahm.

Marie Christine Ernestine Voß geb. Boie war die Ehefrau des Dichters, Altertumsforschers und Übersetzers Johann Heinrich Voß. Neben der Erziehung der fünf gemeinsamen Kinder führte Ernestine zum Teil die Korrespondenz mit Gleim, Jean Paul und Overbeck. Sie selbst verfasste Gedichte, welche erst nach ihrem Tode veröffentlicht wurden. Ihren Briefe – Genrebildern aus dem bürgerlichen Leben und dem Literatendasein im 18. und 19. Jh. – begeisterte V. alle ihre Briefpartner und deren Freundeskreise, in denen die Schriften weitergereicht wurden. Neben einer reichen Korrespondenz hat sie eine Reihe von biografischen, pädagogischen und literarischen Texten hinterlassen, von denen zu Lebzeiten nur wenige publiziert wurden. Am bekanntesten sind ihre Mitteilungen aus dem Leben von Johann Heinrich Voß, die von ihrem Sohn Abraham herausgegeben wurden und das Bild von Johann Heinrich Voß in der deutschen Kulturgeschichte maßgeblich mitbestimmt haben. Sie dienen bis heute als eine reiche kulturgeschichtliche Quelle zum literarischen Leben am Ende des 18. Jahrhunderts. Anhand von Manuskripten einiger ihrer Texte wurde jüngst nachgewiesen, dass die gedruckten Schriften von Ernestine Voß an vielen Stellen stark überarbeitet worden sind.

[1] Drs. 21-0806 http://sitzungsdienst-hamburg-nord.hamburg.de/bi/vo020.asp?VOLFDNR=1009166

 

Petitum/Beschluss

 

Der Hauptausschuss folgt der Beschlussempfehlung.