Klimaanpassung auf Spielplätzen in Hamburg-Nord - Wie schützen wir Kinder vor den Folgen der Klimakrise? Kleine Anfrage gem. § 24 BezVG der GRÜNE-Fraktion
Die Auswirkungen der Klimakrise werden in Hamburg immer deutlicher sichtbar. Hitzewellen treten häufiger auf, dauern länger an und erreichen höhere Temperaturen. Kinder gehören zu den Bevölkerungsgruppen, die durch extreme Hitze besonders gefährdet sind. Ihr Organismus kann hohe Temperaturen schlechter ausgleichen als der von Erwachsenen, sie erhitzen schneller, ihre Haut ist empfindlicher und sie sind stärker auf schattige Aufenthaltsorte sowie ausreichende Trinkmöglichkeiten angewiesen.
Spielplätze sind selbstverständlich besonders während der Sommermonate einer ihrer wichtigsten Aufenthaltsorte. Dies gilt insbesondere für Kinder aus einkommensärmeren Familien, die aufgrund beengter Wohnverhältnisse, fehlender Gärten oder finanzieller Einschränkungen in besonderem Maße auf kostenfrei nutzbare öffentliche Räume angewiesen sind. Werden Spielplätze durch fehlenden Schatten, überhitzte Spielgeräte oder unzureichende Begrünung während Hitzewellen unbenutzbar, trifft es diese Kinder besonders stark.
Metallteile an Spielgeräten, beispielsweise Rutschen, erhitzen sich an Sommertagen auf Temperaturen, die Verbrennungen verursachen können. Gleichzeitig fehlen auf vielen Spielplätzen wirksame Hitzeschutzmaßnahmen wie ausreichend große schattenspendende Bäume, Sonnensegel oder Wasserspiele.
Vorbemerkung:
Die Auswirkungen der Klimaveränderungen stellen die Menschen und damit auch die Bevölkerung in Hamburg - vor neue Herausforderungen.
In den letzten Jahren hat sich eine angespannte Finanzierungslag der Unterhaltung des öffentlichen Grüns aufgebaut, die sich nach dem gegenwärtigen Planungsstand auch im anstehenden Doppel-Haushalt fortsetzen wird. Dies ist im Fachausschuss KUM diskutiert und verwaltungsseitig thematisiert worden.
Auch wenn der Bezirk Hamburg-Nord im Vorteil ist, da er über zahlreiche vor mehr als 50 Jahren gewachsene Quartiere mit entsprechend (aus-) gewachsenem Baumbestand verfügt, so müssen die Veränderungen des Klimas auch zu einem veränderten, angepassten Nutzungsverhalten der Bevölkerung von Grünanlagen und insbesondere Spielplätzen führen, da bauliche bzw. technische Lösungen weder inhaltlich sinnhaft wären noch finanziert werden könnten.
Dies vorangestellt beantwortet das Bezirksamt die Fragen wie folgt:
Wir fragen daher:
Die Zuständigkeiten für die konkrete Planung, den Bau und die Unterhaltung von öffentlichen Spielplätzen liegt bei den Bezirken. Die Finanzierung erfolgt – bei Investitionen ggf. in Kofinanzierung mit anderen Fachbehörden – durch die BUKEA, die auch für Erarbeitung und Erlass übergeordneter Regelwerke zuständig ist.
Dezidierte Vorgaben bzw. Leitlinien für den Hitzeschutz auf öffentlichen Spielplätzen bestehen derzeit nicht. In der Spielgerätenormung sind jedoch Reglungen zu einzelnen Details (wie z.B. der Exposition von Rutschen) enthalten.
Es wurden vom Bezirksamt keine eigenen Messungen vorgenommen, sodass auch keine „Erwartungen“ bestehen.
Das Bezirksamt stellt keine eigenen Bewertungen des Wetters an.
Konkrete Erkenntnisse bestehen nicht. Seit Jahrzehnten etablierte Spielplätze mit einem ausgewachsenen Baumbestand sind in der Sommerhitze eher nutzbar sind als neuere Spielplätze mit einem gerade aufwachsenden Bestand.
Hamburg veröffentlich auf seinem Geoportal „FHH-Atlas“ aktuelle Luftbilder und Schrägluftbilder des Stadtgebietes, die dort auch mit dem Layer „Verzeichnis öffentlicher Grünanlagen“ (in dem die Spielplätze mit einer eigenen Signatur flächengenau dargestellt sind) überlagert werden können. Es lässt sich somit online ein guter Eindruck von den einzelnen Spielplätzen gewinnen.
Im Bezirk Hamburg-Nord ist im Rahmen des Klimaanpassungskonzepts, das voraussichtlich im September 2026 beschlossen wird, die Maßnahme „Klimaanpassung bei Spielplätzen berücksichtigen“ vorgesehen. Ziel ist es, den Hitzeschutz für Kinder auf Spielplätzen gezielt zu verbessern, wobei es joch immer wieder zu Zielkonflikten kommt.
Barrierefreiheit lässt sich häufig nur durch großflächige Versiegelungen erzeugen.
Der durch die Verdichtung der Städte entstandene Nutzungsdruck führt zusammen mit einem veränderten Freizeitverhalten und immer intensiveren Partizipationsprozessen dazu, dass neue Spielplätze heute deutlich stärker baulich/ technisch gestaltet werden als noch vor 20 Jahren.
Dessen ungeachtet wird weiterhin versucht, durch Neupflanzungen von Bäumen und Sträuchern perspektivisch zusätzliche schattige Bereiche zu schaffen.
Da das Klimaanpassungskonzept nicht mit eigenen Bau- oder Unterhaltungsmitteln ausgestattet ist, sollen diese Maßnahmen möglichst in Synergie mit bereits geplanten Baumaßnahmen erfolgen. Mithilfe der durch das Konzept erstellten Hotspot-Karten werden besonders hitze- und starkregenbelastete Bereiche im Bezirk identifiziert und bei der Priorisierung der Maßnahmen berücksichtigt. Für eine erste Einschätzung der Ausgangssituation kann zudem ein Klima-Check herangezogen werden.
Umgesetzte oder bereits bestehende klimaangepasste Spielplätze sollen in die Kühle-Orte-Karte aufgenommen werden, die im Rahmen der Umsetzung des Hitzeaktionsplans der Sozialbehörde der FHH erstellt wurde.
Siehe Vorbemerkung.
Nein.
Nein.
Nein.
Allgemeine, zusätzlichen Baumpflanzungen oder sonstigen Begrünungsmaßnahmen sind auf Spielplätzen im Bezirk derzeit nicht geplant.
Siehe Antwort zu Frage 2 und 7.
Siehe Antwort zu Frage 2.
Die Platzierung von Spielgeräten richtet sich unter Berücksichtigung der einschlägigen Fachnormen nach (spiel-)funktionalen Kriterien.
Siehe Vorbemerkung: Planungen zur Errichtung zusätzlicher Wasserspielangebote oder anderer Möglichkeiten zur Abkühlung auf öffentlichen Spielplätzen bestehen nicht.
Es ist nicht vorgesehen, auf öffentlichen Spielplätzen kostenfreie Sonnencremespender zu erproben oder dauerhaft einzurichten, da Sonnenschutz durch Sonnencreme grundsätzlich den privaten Klimaschutzmaßnahmen auch unter Berücksichtigung individueller Anforderungen (Allergien, Verträglichkeit, Haltbarkeit) zuzurechnen ist.
Die Ergebnisse der Hamburger Klimaanpassungsstrategie haben keinen Einfluss auf die Priorisierung der Maßnahmen auf Spielplätzen im Bezirk Hamburg-Nord, da Spielplätze in der Strategie der FHH nicht thematisiert werden.
Wie bei Frage 7 beschrieben, sollen die Hotspot-Karten herangezogen werden, um zu ermitteln, welche Spielplätze besonders hitzebelastet werden. Auch die Ergebnisse der DIPAS-Beteiligung, die im Rahmen der Erstellung des Klimaanpassungskonzept durchgeführt werden, fließen in die Planungen mit ein. Eine darüberhinausgehende systematische Erfassung und Validierung sind derzeit nicht geplant. Hierfür wären bislang nicht spezifizierte personelle bzw. finanzielle Ressourcen notwendig. Die Hotspot-Karte kann erste Hinweise geben und kann keine Aufschlüsse über die ortsgenauen Gegebenheiten wie z.B. Schatten durch Bäume und verwendete Materialien für die Spielgeräte geben.
Dr. Bettina Schomburg 10.07.2026
(Bezirksamtsleitung)
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