Hinterzimmer statt Transparenzinitiative - Auf welcher Rechtsgrundlage wurde das Livestreaming stillschweigend gecancelt? Kleine Anfrage nach § 24 BezVG der AfD-Fraktion
In der Sitzung der Bezirksversammlung Hamburg-Nord am 12.12.2024 wurde das Thema Livestreaming der BV-Sitzungen auf Initiative der AfD-Fraktion eingebracht. Verabschiedet wurde anschließend ein gleichlautender Antrag der Fraktionen DIE LINKE und Volt.
Nach § 22 Abs. 1 BezVG setzt das Bezirksamt Entscheidungen der Bezirksversammlung um, soweit die Bezirksamtsleitung diese nicht beanstandet. Eine Beanstandung hat nach § 22 Abs. 2 BezVG binnen zwei Wochen gegenüber dem vorsitzenden Mitglied der Bezirksversammlung zu erfolgen und entfaltet nach § 22 Abs. 3 BezVG aufschiebende Wirkung. Eine verwaltungsinterne Neubewertung oder eine informelle Beratung im Ausschuss ersetzt daher grundsätzlich weder eine fristgerechte Beanstandung noch einen ausdrücklichen Aufhebungs- oder Änderungsbeschluss.
In der Antwort des Bezirksamtes wurde mitgeteilt, dass der Datenschutzbeauftragte im Hauptausschuss am 25.02.2025 zu datenschutzrechtlichen Bedenken berichtet habe. Am 02.12.2025 sei festgehalten worden, dass der Hauptausschuss am 25.02.2025 beschlossen habe, „von einem Livestream Abstand zu nehmen“. Das Bezirksamt sei diesem Beratungsstand und der Beschlusslage entsprechend gefolgt.
Vor diesem Hintergrund fragen wir die Bezirksamtsleitung:
Vorbemerkung:
Das Bezirksverwaltungsgesetz (BezVG) und die Geschäftsordnung der Bezirksversammlung regeln Möglichkeiten und Grenzen der Beschlussfassung von Bezirksversammlung und Hauptausschuss. Die Bezirksverwaltung geht aktuell davon aus, dass der Beschluss weiterhin Bestand hat und sieht darüber hinaus davon ab, im Rahmen der Beantwortung von bezirklichen Anfragen ihre Rechtsaufassung in Form einer generellen Rechtsauskunft darzulegen.
Zum Beratungsstand des Beschlusses der Bezirksversammlung zum Live-Streaming siehe Antwort zu KA 22-1843 sowie Niederschriften des Hauptausschusses vom 25.02.2025 und 02.12.2025. Demnach ist das Bezirksamt mit Blick auf den wirtschaftliche Einsatz von Ressourcen dem Beratungsstand und der Beschlusslage des Hauptausschusses vom 25.2.2025 gefolgt.
Nein, siehe Antwort zu KA 22-1873, Niederschrift des Hauptausschusses vom 02.12.2025 sowie Vorbemerkung.
Siehe Vorbemerkung.
Nein, im Übrigen siehe Vorbemerkung.
Siehe Niederschriften des Hauptausschusses vom 25.02.2025 und 02.12.2025.
Siehe Vorbemerkung.
Siehe Vorbemerkung.
Siehe Niederschrift des Hauptausschusses vom 25.02.2025. Im Übrigen hat die Bezirksverwaltung keine Kenntnisse im Sinne der Fragestellungen, die rechtliche Einschätzung des Sachverhalts obliegt dem Datenschutzbeauftragten der Bezirksversammlungen, der von der Bezirksversammlung beauftragt wird.
Siehe Vorbemerkung.
Da die Aufhebung des Beschlusses bislang nicht von der Bezirksversammlung selbst initiiert wurde, wird das Bezirksamt eine Empfehlung aussprechen, den ursprünglichen Beschluss aufzuheben.
Dr. Bettina Schomburg 04.06.2026
(Bezirksamtsleitung)
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