Genossenschaftliche Wohn- und Pflegeeinrichtungen – Auswirkungen der steuerlichen Neubewertung auf den Betrieb und die Versorgungssicherheit Anfrage gem. § 27 BezVG
In Hamburg betreiben Wohnungsbaugenossenschaften Wohn‑ und Pflegeeinrichtungen, damit Mitglieder bei Pflegebedürftigkeit in ihrer genossenschaftlichen Gemeinschaft bleiben können. Medienberichte und Informationen der betroffenen Genossenschaften zeigen, dass stationäre Pflegebereiche geschlossen oder in Tochtergesellschaften ausgelagert werden. Hintergrund ist offenbar eine Neubewertung der Hamburger Finanzverwaltung, wonach stationäre Pflege nicht mehr als steuerbefreite Folgeeinrichtung gilt. Die Baugenossenschaft Süderelbe kündigte an, die stationäre Pflege im Haus Hammer Landstraße aufgrund neuer steuerrechtlicher Vorgaben bis 2026 einzustellen[1]. Die Vereinigte Hamburger Wohnungsbaugenossenschaft (vhw) musste den stationären Pflegebereich der Seniorenresidenz Neugraben schließen, weil eine Entscheidung der Finanzverwaltung die Steuerbefreiung entzieht[2] (siehe auch Drs. 22-0345, Regionalausschuss Süderelbe, Bezirk Harburg).
Diese Entwicklung wirft Fragen zur wirtschaftlichen Tragfähigkeit genossenschaftlicher Pflegeangebote und zur zukünftigen Versorgung älterer Menschen im Bezirk Hamburg Nord auf, insbesondere für Paare, bei denen ein Partner pflegebedürftig wird und der andere weiterhin in räumlicher Nähe zum Partner in einer angeschlossenen genossenschaftlichen Wohnung leben möchte.
In diesem Zusammenhang bitten wir die Hamburger Finanzverwaltung und die Behörde für Gesundheit, Soziales und Integration um die Beantwortung der folgenden Fragen:
Antje Nettelbeck
Jan D. Talleur
Dr. Jörg Bormann
(Bezirksabgeordnete Volt-Fraktion)
Stellungnahme der Behörde für Bezirke und Finanzen:
Zu den Fragen 1.1- 3.1:
Die Behörde für Bezirke und Finanzen kann aufgrund des Steuergeheimnisses (§ 30 Abgabenordnung) keine Auskünfte zu Einzelfällen erteilen. Allgemein gilt, dass bei der Verwaltung der Bundessteuergesetze durch die Länder zur Sicherstellung der Gleichmäßigkeit der Besteuerung regelmäßig einheitliche Verwaltungsgrundsätze zur Auslegung der Steuertatbestände durch das Bundesministerium der Finanzen mit Zustimmung der obersten Finanzbehörden der Länder erarbeitet werden (§ 21a Finanzverwaltungsgesetz). Diese Auslegungsgrundsätze sind für die Landesfinanzverwaltungen verbindlich.
Die Besteuerung von Wohnungsbaugenossenschaften ist im Körperschaftsteuergesetz und im Gewerbesteuergesetz geregelt. Wohnungsbaugenossenschaften sind dort in gewissem Umfang und unter bestimmten Voraussetzungen von der Körperschaftsteuer und Gewerbesteuer befreit – umfasst von dieser Befreiung ist im Wesentlichen das Kerngeschäft der Wohnungsvermietung, denn das ist der vom Gesetzgeber steuerlich privilegierte Zweck der genossenschaftlichen Zurverfügungstellung von erschwinglichem Wohnraum. Bei diesen Gesetzen handelt es sich um Bundesgesetze und bei der Gesetzesanwendung und -auslegung gelten die oben genannten Grundsätze.
Die Behörde für Gesundheit, Soziales und Integration (Sozialbehörde) nimmt hierzu wie folgt Stellung:
Zu den steuerlichen Fragenstellungen, bzw. zu Fragestellungen zur Finanzverwaltung wird auf die Stellungnahme der Finanzbehörde verwiesen.
Die Sozialbehörde nimmt zu betrieblichen Entscheidungen einzelner Betreiber vollstationärer Pflegeeinrichtungen nicht öffentlich Stellung. Innerbetriebliche Planungen sind ihr darüber hinaus in der Regel nicht bekannt.
Zu Maßnahmen im Falle der Schließung einer Einrichtung siehe u.a. Drs. 23/2182.
Das gemeinsame Wohnen für Paare, bei denen ein Partner pflegebedürftig ist, ist in Servicewohnanlagen grundsätzlich möglich. Außerdem bieten eine Reihe von Betreibern auf demselben Gelände vollstationäre Pflegeeinrichtungen und Servicewohnanlagen an, was eine flexible und bedarfsgerechte Versorgung der Bewohnerinnen und Bewohner gewährleistet.
[1]https://haushammerlandstrasse.de/#:~:text=Aufgrund%20neuer%20steuerrechtlicher%20Vorgaben%20sind,Ende%20des%20Jahres%202026%20einzustellen
[2]https://www.vhw-hamburg.de/seniorenresidenz-neugraben.html#:~:text=mehr%20gerecht,den%20Betrieb%20schlie%C3%9Flich%20ganz%20eingestellt
Keine Orte erkannt.
Die Erkennung von Orten anhand des Textes der Drucksache kann ungenau sein. Es ist daher möglich, das Orte gar nicht oder falsch erkannt werden.
Die Themen werden automatisch anhand von Stichworten, Ausschüssen und Orten zugeordnet und können daher unvollständig oder falsch sein.