Ein Gedenkort für die Bücherverbrennung 1933 in Hamburg-Mitte (Antrag der Fraktion DIE LINKE und der Volt-Fraktion)
Letzte Beratung: 21.05.2026 Bezirksversammlung Hamburg-Mitte Ö 8.3
1933 fanden im gesamten Deutschen Reich zahlreiche Bücherverbrennungen statt. Sie waren Teil einer koordinierten Kampagne des NS-Regimes, die darauf abzielte, Literatur und Ideen zu vernichten, die als „undeutsch“ diffamiert wurden. Die Verbrennungen richteten sich gegen jüdische, kommunistische, pazifistische, feministische und alle Autor*innen, deren Werke nicht in das Weltbild der NDSAP passten – und sollten die kulturelle Gleichschaltung sichtbar und öffentlichkeitswirksam inszenieren.
Auch Hamburg war ein zentraler Schauplatz dieser Aktionen. Nach aktuellem Forschungsstand gab es mindestens fünf Bücherverbrennungen im Stadtgebiet. Die größte fand am 15. Mai 1933 am Kaiser-Friedrich-Ufer statt. An sie erinnert seit 1983 ein Mahnmal. Die übrigen Orte jedoch bleiben weitgehend unbeachtet, obwohl sie für die Topografie der NS-Herrschaft in Hamburg von erheblicher Bedeutung sind.
Besonders gilt dies für die Bücherverbrennung vom 30. Mai 1933 am Lübeckertorfeld. An diesem Tag zogen Tausende, darunter Mitglieder der Hitler-Jugend, des Bundes Deutscher Mädel und des Deutschnationalen Handlungsgehilfenverbands, durch die Stadt und verbrannten Bücher „wider den undeutschen Geist“. Die Aktion war bewusst als Massenereignis organisiert und stellte eine der größten öffentlichen NS‑Inszenierungen in Hamburg-Mitte dar.
Das historische Lübeckertorfeld ist heute im Stadtbild nicht mehr erkennbar. Über Jahre wurde der Ort zudem falsch verortet: Sowohl der bundesweite Online-Atlas „Verbrannte Orte“ als auch das Literaturfestival „Hamburg liest verbrannte Bücher“ gingen davon aus, dass die Verbrennung auf dem Gelände der heutigen Alsterschwimmhalle stattgefunden habe. Neuere Recherchen zeigen jedoch eindeutig, dass dies nicht zutrifft. Das Lübeckertorfeld lag zwischen der Wallstraße und dem damaligen Lübecker Thor (heute Berliner Tor) und gehört damit klar zum Gebiet von Hamburg-Mitte.
Die Geschichtswerkstatt St. Georg hat hierzu wichtige Vorarbeiten geleistet. Sie konnte nachweisen, dass das Lübeckertorfeld bereits seit den 1920er Jahren ein zentraler Aufmarschort verschiedener Organisationen war. Heute befindet sich dort ein Gebäudekomplex der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW). Die Geschichtswerkstatt setzt sich seit Jahren dafür ein, dass an diesem Ort eine angemessene Form der Erinnerung entsteht.
Aus erinnerungspolitischer Sicht besteht ein dringendes Bedürfnis, die tatsächliche Lage des Geschehens sichtbar zu machen.
Die Bezirksversammlung Hamburg-Mitte möge beschließen:
• an welcher Stelle ein Gedenkort entstehen kann,
• welche Formen der Erinnerung in Frage kommen,
• wie eine Finanzierung der Umsetzung sichergestellt werden kann.
Die Erkennung von Orten anhand des Textes der Drucksache kann ungenau sein. Es ist daher möglich, das Orte gar nicht oder falsch erkannt werden.