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Denkmalschutz und Energiewende Anfrage gem. § 27 BezVG

Anfrage nach § 27 BezVG

Sachverhalt

In Hamburg-Nord behindern Denkmalschutzvorschriften mancherorts eine Umstellung der Energieversorgung auf erneuerbare, nachhaltige Energiequellen. Ein Beispiel hierfür ist die Frank'sche Siedlung in Klein Borstel, in der das Anbringen eines Solarpaneels auf der öffentlich nicht einsehbaren Rückseite eines Daches trotz anderslautender Vorgaben im Denkmalplan bislang nicht genehmigt wurde. Ebenso ist es den Bewohner*innen nicht gestattet, eine Wärmepumpe außerhalb der Häuser zu installieren.

Dadurch sind die betroffenen Haushalte steigenden Energiepreisen und der ebenfalls steigenden CO2-Abgabe praktisch schutzlos ausgeliefert. Es sollte auch den interessierten Bewohner*innen denkmalgeschützter Häuser und Siedlungen möglich sein, ihren Beitrag zur Energiewende beizutragen.

Vor diesem Hintergrund bitten wir die Kulturbehörde um die Beantwortung folgender Fragen:

  1. Welche Hürden bestehen generell bei der Umsetzung nachhaltiger Energieversorgung in denkmalgeschützten Häusern und Bereichen?

Stellungnahme der Behörde für Kultur und Medien:

Da die Anträge zur Frank´schen Siedlung aktuell ausschließlich von der Bauprüfung des Bezirksamts Hamburg-Nord bearbeitet werden, kann die BKM hierzu keine validen Angaben machen.

Grundsätzlich wären aus Sicht des Denkmalschutzes u.a. dachflächengleiche PV-Module auf den Gartenhäusern sowie auf allen flachgedeckten Garagen genehmigungsfähig. Wärmepumpen werden in Gärten bei Antragstellung regelhaft genehmigt. Sie wären in Abstimmung mit der Bauprüfung einzugrünen oder einzuhausen.

Neben dem Denkmalschutz gilt hier auch die städtebauliche Erhaltungsverordnung.

Dies vorangestellt beantwortet die BKM die Anfrage wie folgt:

Zu 1.:

Denkmalschutz und Klimaschutz stehen nicht im Widerspruch zueinander. In einem konstruktiven Dialog werden mit Denkmaleigentümerinnen und Denkmaleigentümern Lösungen gefunden, um sowohl die geplanten Klimaschutzziele zu unterstützen als auch die wertvolle historische Bausubstanz zu bewahren. Nur in wenigen Ausnahmefällen lassen sich Photovoltaikanlagen oder andere Möglichkeiten erneuerbarer Energien im Denkmalkontext nicht realisieren. Dies liegt dann z.B. an einer besonderen Exponiertheit bzw. Einsichtigkeit der Anlagen, einer fehlenden Reversibilität und zu starken Veränderungen der Denkmalwerten Substanz oder statischen Ausschlusskriterien (z.B. für PV auf Dächern).

  1. Welche Strategien oder Konzepte gibt es bereits, um auch in denkmalgeschützten Häusern oder Siedlungen in Hamburg die Nutzung umweltfreundlicher Technologien wie Solarpaneelen und Wärmepumpen zu vertretbaren Kosten zu ermöglichen?
    Bitte Konzepte und Strategien auflisten und entsprechendes Material verlinken.

Zu 2.:

  1. Bereits seit zwei Jahrzehnten vernetzt sich das Denkmalschutzamt im Themenfeld Denkmalschutz und Klimaschutz und beteiligt sich an diversen Projekten zu dieser Thematik, wie zum Beispiel:

- Projekt Co2ol Bricks von 2010 bis 2013 (energet. Qualifizierung des Innenraums als Alternative zur energet. Qualifizierung der Fassade) Projekt Holstenkamp von 2013 bis 2024 (verschiedene Heizungs- und Temperierungskonzepte im Vergleich)

Co2ol Bricks - hamburg.de

- Projekt Kaispeicher B von 2012 bis 2014 (Low-Tec-Ansatz der energet. Qualifizierung)

Hamburgs maritimes Herz | float Magazin

- Projekt Kunsthalle (Flächenheizsysteme)

  1. Im Jahr 2023 wurde der Leitfaden „Praxishilfe Denkmalpflege“ zum Umgang mit erneuerbaren Energien im Denkmalbestand erarbeitet, der derzeit überarbeitet und um Informationen zu Heizsystemen und Dach-/Fassadenbegrünung ergänzt wird. Mit ihm soll die Genehmigung solcher Systeme vereinfacht werden. Anfang 2025 wird der aktualisierte Leitfaden veröffentlicht.

Informationen zum Umgang mit Erneuerbaren Energien in der Denkmalpflege

  1. Seit 2021 läuft ein Forschungsprojekt zur CO2-Neutralität im UNESCO-Welterbe Speicherstadt.

Forschungsprojekt zur CO2-Neutralität im UNESCO-Welterbe Speicherstadt (hamburg.de), Detailansicht - HHLA und https://www.iwb.uni-stuttgart.de/forschung/werkstoffe-und-konstruktion/speicherstadt-hamburg/.

  1. Durchführung einer öffentlichen Veranstaltung zum Thema Denkmalschutz und Klimaschutz im Mai 2023.
  2. Fortsetzende Abstimmung und Genehmigung von Anlagen auch in komplexen Situationen wie z.B. dem Einsatz einer Wärmepumpe am Thalia Theater:

Sprinkenhof GmbH auf LinkedIn: #thalia #wärmepumpen #klimaschutz #hamburgerklimaplan

  1. Wird aktuell an weiteren Strategien oder Konzepten gearbeitet?
    Wenn ja, was ist in Planung und für wann ist eine Implementierung neuer Regeln beabsichtigt?

Wie viele Personalstellen(anteile) sind für Strategien und Konzepte in der Kulturbehörde bzw. auf Landesebene insgesamt vorgesehen?

Zu 3.:

Seit 2024 läuft das Projekt „Denkmalschutz und Klimaschutz“. Im letzten Jahr konnte durch die Schaffung zweier Vollzeit-Projektstellen mit Laufzeit 2024-2028 die Bearbeitung der Schnittstelle von Denkmalschutz und Klimaschutz im Denkmalschutzamt optimiert werden. Aktuelle Schwerpunkte sind u.a. die Vernetzung mit Akteuren und die Projektkonzipierung der öffentlichen Hand wie z.B. SAGA, Sprinkenhof, Schulbau Hamburg, HHLA, Bäderland Hamburg, die Konzipierung von Forschungsprojekten im gemeinsamen Verbund mit Forschungs- und Industriepartnern wie z.B. HCU, Universität Stuttgart, RWTH Aachen zur Entwicklung von Praxislösungen fürs Kulturerbe sowie das Erstellen einer Best-practice-Sammlung. Ziel ist die stetige interne Evaluierung und Optimierung der Denkmalpflege vor dem Hintergrund von Klimaschutzzielen.

Bezirksabgeordneten Daniela Clément, Marcel Bulawa, Simone Dornia, Katharina Fischer-Zernin, Sidney Gregor-Wielan, Nadja Grichisch, Katrin Hofmann, Timo B. Kranz, Azra Kültür, Isabel Permien, Angelina Platz, Carsten Redlich, Christoph Reiffert, Thorsten Schmidt, Nergis Zarifi

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