22-2365

Führungschaos bei HVV und Hochbahn – wann übernimmt Senator Tjarks politische Verantwortung?

Anfrage gem. § 27 BezVG

Sachverhalt

Anfrage nach § 27 BezVG der Mitglieder der Bezirksversammlung Eimsbüttel, Benjamin Schwanke, Camilla Joyce Thiele, Lea Fricke, (FDP-Fraktion)
Titel: hrungschaos bei HVV und Hochbahn wann übernimmt Senator Tjarks politische Verantwortung?
Fortlaufende. Nr.: 22-107

Eingangsdatum: 17.06.2026
Datum der Antwort: 24.06.2026

Die Behörde für Verkehr und Mobilitätswende (BVM) beantwortet die Anfrage wie folgt:

Sachverhalt:

Innerhalb von weniger als drei Wochen verliert der Hamburger Nahverkehr zwei zentrale Führungskräfte: Am 27. Mai 2026 wurde der Vorstandsvorsitzende der Hamburger Hochbahn AG, Robert Henrich, mit sofortiger Wirkung freigestellt. Nun verlässt auch HVV-Geschäftsführer Raimund Brodehl nach nur dreieinhalb Jahren den Verkehrsverbund mit sofortiger Wirkung. Als offizielle Begründung werden „unterschiedliche Sichtweisen zu verschiedenen fachlichen Themen“ genannt. Brodehls Aufgaben übernimmt vorerst die weitere HVV-Geschäftsführerin Anna-Theresa Korbutt.

Nach Medienberichten soll es sowohl zwischen Brodehl und Korbutt als auch zwischen Korbutt und Henrich erhebliche Auseinandersetzungen gegeben haben. Im Fall Henrichs soll insbesondere die Zuständigkeit für die Mobilitätsplattform „HVV MAX“ eine Rolle gespielt haben. Während die Hochbahn offiziell zunächst lediglich mitteilte, Henrich werde seinen Vertrag nicht verlängern und zum Jahresende ausscheiden, erfolgte tatsächlich eine sofortige Freistellung.

Der Hamburger Nahverkehr ist ein zentraler Bestandteil der öffentlichen Daseinsvorsorge. Wenn innerhalb kürzester Zeit mehrere Spitzenmanager unter offenkundigen Konflikten ausscheiden, kann die politische Verantwortung nicht bei Aufsichtsräten, Gesellschafterversammlungen und Geschäftsführungen enden. Verkehrssenator Dr. Anjes Tjarks trägt die politische Gesamtverantwortung für die Verkehrsbehörde und die Steuerung der städtischen Nahverkehrspolitik.


Vor diesem Hintergrund fragen wir die zuständige Behörde:

1. Seit wann waren Senator Dr. Anjes Tjarks, die Leitung der Behörde für Verkehr und Mobilitätswende sowie die zuständigen Vertreterinnen und Vertreter der Freien und Hansestadt Hamburg jeweils über die Konflikte

a) innerhalb der HVV-Geschäftsführung sowie

b) zwischen dem HVV und der Hochbahn beziehungsweise deren Führungskräften informiert, und welche konkreten Maßnahmen wurden jeweils zur Konfliktlösung ergriffen?

2. Welche konkreten fachlichen, organisatorischen oder personellen Meinungsverschiedenheiten führten zum sofortigen Ausscheiden Raimund Brodehls, und welche Projekte, Zuständigkeitsbereiche oder strategischen Entscheidungen waren hiervon betroffen?

3. Welche konkreten Gründe führten zur sofortigen Freistellung Robert Henrichs, obwohl öffentlich zunächst lediglich ein Ausscheiden zum Jahresende angekündigt wurde, und welche Rolle spielten dabei Auseinandersetzungen mit der HVV-Geschäftsführung, insbesondere über Zuständigkeiten für die Mobilitätsplattform „HVV MAX“?

4. Sieht die zuständige Behörde einen gemeinsamen Zusammenhang oder ein wiederkehrendes Konfliktmuster zwischen dem Ausscheiden beziehungsweise der Freistellung von Robert Henrich und Raimund Brodehl?

Falls nein: Wie erklärt sie, dass innerhalb kürzester Zeit zwei zentrale Führungskräfte des Hamburger Nahverkehrs nach öffentlich bekannt gewordenen Konflikten ihre Funktionen verlieren?

5. Wie bewertet die zuständige Behörde die Führungs- und Kooperationsfähigkeit der nunmehr allein amtierenden HVV-Geschäftsführerin Anna-Theresa Korbutt, und wurde oder wird ihr Anteil an den Konflikten mit Brodehl und Henrich unabhängig untersucht?

Falls ja: durch wen und mit welchem Ergebnis?

Falls nein: warum nicht?

6. Welche finanziellen und organisatorischen Folgen entstehen der Freien und Hansestadt Hamburg beziehungsweise ihren Beteiligungsunternehmen durch die beiden Personalvorgänge, insbesondere durch Vergütungsfortzahlungen, Abfindungen, Rechts- und Beratungskosten, Personalgewinnungsverfahren sowie mögliche Verzögerungen bei laufenden Digitalisierungs-, Infrastruktur- und Nahverkehrsprojekten?

7. Teilt der Senat die Einschätzung, dass das nahezu gleichzeitige Ausscheiden mehrerer Führungskräfte auf ein strukturelles Führungs- und Aufsichtsversagen im Verantwortungsbereich des Verkehrssenators hindeutet? Beabsichtigt Senator Dr. Anjes Tjarks, hierfür persönliche politische Konsequenzen zu ziehen und sein Amt niederzulegen?

Falls ja: wann?

Falls nein: Aus welchen Gründen hält ihn der Senat trotz dieser personellen Erosion weiterhin für geeignet, die Hamburger Verkehrspolitik und ihre wichtigsten öffentlichen Unternehmen verantwortlich zu führen?

Die erfragten Angelegenheiten fallen in den Zuständigkeitsbereich der Behörde für Verkehr und Mobilitätswende, sind jedoch nicht originär nur für den Bezirk (hier: Eimsbüttel) von Bedeutung und übersteigen daher das Auskunftsrecht § 27 Bezirksverwaltungsgesetz.

Petitum/Beschluss

Beschluss: ohne

Anhänge

keine

Lokalisation Beta
Hamburg

Die Erkennung von Orten anhand des Textes der Drucksache kann ungenau sein. Es ist daher möglich, das Orte gar nicht oder falsch erkannt werden.