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Der Wiederaufbau der Bornplatzsynagoge: Ein Projekt von historischer Tragweite – für eine breitflächige Einbindung des Quartiers

Gemeinsamer Antrag

Sachverhalt

Der Wiederaufbau der Bornplatzsynagoge ist weit mehr als ein architektonisches oder städtebauliches Vorhaben. Er ist ein zutiefst symbolisches Projekt von nationaler und internationaler Bedeutung. An dem Ort, an dem 1906 eine der prächtigsten Synagogen Deutschlands stand und die 1938 von den Nationalsozialisten geschändet, entweiht und in der Folge zerstört wurde soll nun wieder ein lebendiges jüdisches Zentrum entstehen. Hamburg setzt damit ein sichtbares Zeichen gegen Antisemitismus, für jüdisches Leben in Deutschland und für eine offene, vielfältige und demokratische Stadtgesellschaft.

Dieser Wiederaufbau ist ein Akt der historischen Verantwortung und zugleich ein Zukunftsprojekt: Er steht für die Rückkehr von jüdischem Leben in die Mitte der Stadt und unserem Bezirk- im Grindelviertel. Nicht nur für das Selbstverständnis Hamburgs als weltoffene Metropole, in der kulturelle und religiöse Vielfalt gelebt und geschützt wird, ist dieses Projekt von historischem Ausmaß. Es ist auch durch unsere moralische und geschichtliche Verpflichtung begründet. Die Auswirkungen reichen über die Stadtgrenzen hinaus: Der Bornplatz wird zu einem europäischen Erinnerungsort, der zeigt, dass aus der Geschichte gelernt werden kann nicht als bloßes Mahnmal, sondern als Ort der Begegnung, Bildung und des Dialogs.

Gleichzeitig ist das Projekt hochkomplex. Es verbindet Erinnerungskultur, Religionsfreiheit, Denkmalschutz, Sicherheitserfordernisse, städtebauliche Entwicklung und den Umgang mit einem sensiblen innerstädtischen Raum. Die damit verbundenen Planungs-, Bau- und Sicherheitsanforderungen sind anspruchsvoll finanziell, organisatorisch und gesellschaftlich. Umso wichtiger ist es, diesen Prozess mit größter Sorgfalt, Transparenz und Sensibilität voranzutreiben.

Ein zentrales Element für die erfolgreiche Umsetzung wird die frühzeitige und ernsthafte Einbeziehung der Anwohnerinnen und Anwohner sowie der umliegenden Institutionen sein. Der Bornplatz liegt eingebettet im Grindelviertel einem lebendigen, dicht bewohnten und historisch geprägten Quartier. Die Akzeptanz und Unterstützung vor Ort sind entscheidend. Beteiligung darf daher nicht nur formal stattfinden, sondern muss als echter Dialog verstanden werden: zuhören, erklären, Sorgen aufnehmen, Alternativen prüfen, Kompromisse ermöglichen und Mitgestaltung zulassen.

Ein transparenter, offener Beteiligungsprozess schafft Vertrauen und er macht deutlich, dass der Wiederaufbau nicht gegen das Quartier geschieht, sondern gemeinsam mit ihm. So kann die Bornplatzsynagoge wieder zu dem werden, was sie einst war: ein selbstverständlicher Teil der jüdischen Identität und des öffentlichen Lebens der Stadt und ein Ort, der verbindet.

Petitum/Beschluss

Beschluss:

  1. Der Vorsitzende der Bezirksversammlung wird gebeten sich über die für die Bezirke zuständige Behörde bei der Senatskanzlei und der Stiftung Bornplatzsynagoge dafür einzusetzen, aus Gründen der hohen Bedeutung und Ausstrah­lungskraft des Projektes Wiederaufbau der Bornplatzsynagoge, ein über die gesetzlich vorgesehene Öffentlich­keitsbeteiligung hinausgehendes und erweitertes Informations- und Dialogformat zu den Planungen zu entwickeln, das auch eine Beteiligung von Kindern und Jugendlichen vorsieht.Um eine ausreichende Wissensübermittlung zu gewährleisten, soll sichergestellt werden, dass die Mitglieder der Bezirksversammlung Eimsbüttel als Gäste eingeladen werden.
  2. Dieses Konzept soll in einem der nächsten Sitzungen des Stadtplanungsausschusses (StaPla) vorgestellt werden.

Ali Mir Agha und GRÜNE-Fraktion
Gabor Gottlieb, Ines Schwarzarius und SPD-Fraktion

Anhänge

keine

Lokalisation Beta
Grindel

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