Damit der Kaifu-Park & Park am Weiher auch im Hochsommer Wohlfühlorte bleiben Lösungsperspektiven für die Geruchsentwicklung der Gewässer bei hohen Temperaturen Drs. 22-1953, Beschluss der BV vom 26.03.2026
Die Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft nimmt wie folgt Stellung:
Vorweg ist zu den in der Beschlussempfehlung genannten Gewässern folgendes anzumerken: Der Weiher wird durch den Bezirk verwaltet, während die Wasserwirtschaft der Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA) nur bei Entschlammungen aushilft. Insofern liegen der BUKEA keine Kenntnisse zur Wasserqualität vor. Im Isebekkanal gibt es bereits eine Sauerstoffanreicherungsanlage, jedoch in einem anderen Gewässerabschnitt. Die Wasserrahmenrichtlinie-Messstelle der BUKEA liegt ca. Höhe Eppendorfer Baum, d.h. auch für den Bereich Kaifu-Park liegen der BUKEA keine Kenntnisse zur Wasserqualität vor.
Dies vorausgeschickt nimmt die BUKEA zum o.g. Beschluss „Lösungsperspektiven für die Geruchsbelastung der Gewässer Isebekkanal und Weiher“ zu der Fragestellung, ob die Schäfersee-Methode eine geeignete Maßnahme für die genannten Gewässer darstellen kann, wie folgt Stellung:
Der Weiher entlang der Unnastraße befindet sich im Gewässerlauf der Ottersbek, ist als Regenrückhaltebecken angelegt und wird von Nordwest nach Südost durchflossen. Er wird im Bezirk durch die Abteilung Stadtgrün betreut. Die Wasserwirtschaft im Bezirksamt wird bei Entschlammungsmaßnahmen einbezogen.Die BUKEA ist nicht involviert und hat keine Daten zum Weiher. Die letzte Teilentschlammung fand im Jahr 2019 statt. Hier zeigte sich, dass sich vor allem im Einlaufbereich hohe Sedimentmengen ansammelten. Die Wassertiefen lagen zwischen 20 cm und 180 cm.Es liegen keine Daten zur Wasserqualität vor. Bevor eine Maßnahme, wie die Schäfersee-Methode, angewandt wird, muss aus Sicht der BUKEA ein Monitoring der Nährstoffgehalte sowie des Sauerstoffgehaltes in mehreren Wassertiefen und Messpunkten innerhalb desWeihers erfolgen, damit geklärt werden kann, ob die Voraussetzungen (Schwefelwasserstoff, sauerstofffreie Zone) für eine erfolgsversprechende Anwendung gegeben sind. Die BUKEA kann sich nicht an den Monitoring- und Maßnahmenkosten beteiligen.
Der Isebekkanal ist Teil des Wasserkörpers „al_16 – Kanalisierte Alster“ und ist entsprechend berichtspflichtig für die Wasserrahmenrichtlinie. Die Messtelle „Is 2 – Isebek 2“, die vom Institut für Hygiene und Umwelt alle drei Jahre chemisch untersucht wird, liegt etwa in Höhe der Straße Eppendorfer Baum/Hegestieg. Im Bereich des Kaifu-Parks liegen der BUKEA keine Daten zur Wasserqualität vor. Der Isebekkanal ist geprägt durch diverse Regensieleinleitungen und Einträge durch Mischwasserüberläufe nach Starkregenereignissen. Im Längsverlauf des Isebekkanals befindet sich die seit 1989 betriebene Sauerstoffanreicherungsanlage, mit der im Sommer und Herbst temporär und gezielt Sauerstoff eingebracht wird, um den Sauerstoffhaushalt im Gewässer zu stabilisieren. Im Maßnahmenfokus der BUKEA stehen die Reduzierung der Niederschlagswassereinträge durch Planung und Bau von Regenwasserbehandlungsanlagen sowie die Reduzierung von Mischwasserüberläufen. Für eine ökologische Gesamtbewertung des Isebekkanals müsste die Wasserqualität und Sedimente entlang des Kanals untersucht werden. Neben den genannten Einleitungen spielen auch Prozesse wie Sauerstoffzehrung im Gewässer, sowie eine hohe Beschattung der Ufer eine Rolle für die Sauerstoffsituation im Isebekkanal. Die BUKEA kann sich nicht an den Kosten für die Schäfersee-Methode beteiligen.
In einem intakten Ökosystem bilden die Photosynthese (Bildung von organischer Substanz und Sauerstoff aus Kohlendioxid) und der gegenläufige Prozess der Atmung (Abbau der organischen Substanz durch Mikroorganismen unter Verbrauch von Sauerstoff) einen weitgehend geschlossenen Kreislaufprozess. Bei einem übermäßigen Angebot an Nährstoffen im Wasser eines Gewässers können jedoch die frei im Wasser schwebenden Algen in ihrer Dichte stark zunehmen. Beim Wachstum der Algen wird Kohlendioxid (CO2) mit Hilfe des Sonnenlichtes im Prozess der Photosynthese in großen Mengen in organischer Substanz fixiert. Der überschüssige Sauerstoff wird ans Wasser abgegeben und kann mit der Zeit in die
Atmosphäre entweichen, geht also dem Gewässer verloren. Solange alle Algen des Wasserkörpers genug Wärme, Nährstoffe und Licht zur Verfügung haben, läuft der Prozess ungestört weiter. Beim Absterben der Algen, werden diese unter Sauerstoffverbrauch zersetzt. Ist im Gewässer kein Sauerstoff mehr verfügbar, greifen bestimmte Mikroorganismen auf andere Sauerstoffquellen, wie Sulfat, zurück. Durch die Sulfatreduktion entsteht Schwefelwasserstoff (H2S) und es kommt zu Geruchsbelästigungen.
Es geht also darum in Gegenwart extrem sauerstoffarmer Bedingungen eine zusätzliche „Sauerstoffquelle“– in Form von Nitrat – ins Gewässer einzubringen, wodurch ein beschleunigter Abbau von organischer Substanz (z.B. abgestorbenen Algen) ermöglicht wird. Liegen im Gewässer keine sauerstoffarmen Bedingungen vor, würde das eingebrachte Nitrat als Nährstoffquelle dienen und es kann zu einem starken Algen- und Wasserpflanzenwachstum kommen, woraufhin beim Absterben wieder ein Sauerstoffmangel durch Bakterienzersetzung entsteht. In der Folge kann es auch zu Fischsterben kommen.
Bei dem Schäfersee-Verfahren wird dem Hypolimnion (sauerstofffreies Tiefenwasser) eines Sees gleichzeitig Calciumnitrat und sauerstoffangereichertes Wasser (meist Trinkwasser) zugeführt. Das Verfahren versucht, die Redoxbedingungen im Gewässer zu verändern. Unter natürlichen, anoxischen (also sauerstofffreien) Bedingungen werden Sulfat und Kohlendioxid von Mikroorganismen als alternative Elektronenakzeptoren genutzt, was zur Bildung von Schwefelwasserstoff (H2S) und Methan (CH4) führt. Nitrat wird in der Redoxhierarchie bevorzugt und kann den Prozess unterbinden.
Für den für das Verfahren namensgebenden 4,5 ha großen Schäfer-See mit bis zu 6,5 m Tiefe konnten aus Berlin Kosten in Höhe von ca. 150 T € jährlich (3 Dosierkampagnen pro Jahr) ermittelt werden[1]. Eine nachhaltige Lösung stellt die Behandlung nicht dar, d.h. es produziert fortlaufend Kosten für die Durchführung der Maßnahme. Die BUKEA kann sich nicht finanziell beteiligen.
Um Kenntnisnahme wird gebeten.
keine
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