22-2019

Änderungsantrag zu Drucksache 22-1383: Eine Gedenktafel für Carl von Ossietzky in der Grindelallee

Gemeinsamer Antrag

Sachverhalt

Der gebürtige Hamburger Carl von Ossietzky (18891938) war ein bedeutender Demokrat mit Spuren in Eimsbüttel, ein herausragender Publizist und Pazifist der Weimarer Republik ein Mann, der mit Mut, Integrität und analytischem Scharfsinn gegen Aufrüstung, Militarismus und Nationalsozialismus Stellung bezog.

Dass Ossietzky als Herausgeber der Wochenzeitschrift „Die Weltbühne“r Enthüllungen über die geheime Aufrüstung der Reichswehr (die einen Verstoß gegen den Versailler Vertrag darstellte) und seine antimilitaristische Aufklärungsarbeit verurteilt und schließlich von den Nationalsozialisten in Konzentrationslager verschleppt und dort gefoltert wurde, machte ihn weltweit zum Symbol für Gewissensfreiheit, Zivilcourage und unabhängigen Journalismus. Er verstarb 1938 an den Haftfolgen. Sein Leben steht für Zivilcourage, Gewissensfreiheit und den Mut, der Wahrheit die Ehre zu geben.

Ossietzkys letzter Hamburger Wohnsitz war die Grindelallee 1 gegenüber der heutigen

Staats- und Universitätsbibliothek (SUB), die seit 1983 seinen Namen trägt.

Auf dem Gehweg erinnert ein Stolperstein an ihn doch dieser liegt für viele Passant:innen verborgen. Und: Stolpersteine ehren Ermordete Tafeln erklären Leben und Wirken. Der vorhandene Stolperstein erinnert an das Leiden, nicht an die historische Bedeutung Ossietzkys.

Eine Gedenktafel kann Ossietzkys Wirken positiv erinnern und einordnen, z. B. mit Verweis auf seine Artikel in der „Weltbühne“ oder seinen Widerstand gegen die NS-Diktatur.

Eine gut sichtbare Gedenktafel würde seinen Aufenthalt an diesem Ort konkret verorten, seine Lebensleistung würdigen und zur historisch-politischen Bildung beitragen. Die

gegenüberliegende Universitätsbibliothek trägt seinen Namen doch ohne Kontext bleibt der Bezug abstrakt. Eine Tafel schlägt die Brücke zwischen Geschichte, Bildung und Ort. In Zeiten, in denen Pressefreiheit, Friedenspolitik und Zivilcourage wieder unter Druck geraten, ist eine solche Würdigung hochaktuell, pädagogisch wertvoll und eine sichtbare Stärkung demokratischer Erinnerungskultur in Eimsbüttel.

Die Staats- und Universitätsbibliothek bemüht sich ausgiebig um das Gedenken an Carl von Ossietzky. Diese Arbeit verdient Unterstützung und Anerkennung durch den Bezirk.

Zur Stärkung des Bezugs zum Namensgeber der SUB und wegen des deutlich höheren

Fußngeraufkommens auf der Bibliotheksseite der Grindelallee wird die Anbringung einer Gedenktafel an der Fassade, bzw. Fensterfront der SUB auf dieser Seite vorgeschlagen. Der genaue Standort bedingt auch die Zuständigkeit von Bezirk oder SUB. Daher ist eine Kooperation bei Standortfindung und auch Abstimmung eines konkreten Textes für die Gedenktafel sinnvoll.

Vorschlag für die Inschrift:

Carl von Ossietzky (18891938)

Publizist, Pazifist, Friedensnobelpreisträger (1935)

Herausgeber und Chefredakteur von „Die Weltbühne“,

mutiger Kritiker von Militarismus und Nationalsozialismus

r sein demokratisches und publizistisches Engagement in der Weimarer

Republik mehrfach angeklagt, von den Nationalsozialisten 1933 inhaftiert,

in ein Konzentrationslager verschleppt und dort gefoltert. 1938 an den

Haftfolgen gestorben.

Sein letzter Hamburger Wohnsitz: Grindelallee 1 gegenüber der heutigen

Staats- und Universitätsbibliothek, die seit 1983 seinen Namen trägt.“

Petitum/Beschluss

Der Vorsitzende der Bezirksversammlung wird gebeten, sich bei der Staats- und Universitätsbibliothek (SUB) für die Anbringung einer Gedenktafel, an der Fassade, bzw. Fensterfront der SUB auf der Seite der Grindelallee in der Nähe des Stolpersteins einzusetzen.

Sollte die Planung dazu führen, dass die SUB zur Realisierung der Gedenktafel finanzielle Unterstützung aus bezirklichen Sondermitteln benötigt, bitten wir die Bezirksamtsleitung die SUB bei einem entsprechenden Sondermittelantrag zu unterstützen, der dann dem KGA und HaKuS als Beschlussvorlage vorgelegt wird.

Roland Oehlmann und SPD-Fraktion

Nina Schübel und GRÜNE-Fraktion

Anhänge

keine

Lokalisation Beta
Grindelallee

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