22-0893

Wie steht es um die kinder- und jugendpsychotherapeutische Versorgung im Bezirk Bergedorf?

Auskunftsersuchen nach § 27 BezVG

Sachverhalt

Auskunftsersuchen

der BAbg. Zaum, Bentin, Eggebrecht und Fraktion der CDU

Die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen ist ein hohes Gut und ein Kernbaustein für die Zukunft unserer Gesellschaft. Seit Jahren wird jedoch ein besorgniserregender Anstieg an psychischen Belastungen, Entwicklungsstörungen und Verhaltensauffälligkeiten bei Heranwachsenden verzeichnet. Für die betroffenen Familien bedeutet dies eine enorme emotionale und organisatorische Belastung. Umso schwerer wiegt es, dass die kinder- und jugendpsychotherapeutische Versorgung im Bezirk Bergedorf offensichtlich massive Defizite aufweist.

hrend im unmittelbaren Bergedorfer Zentrum eine Ballung von Praxen zu verzeichnen ist, herrscht in den stark wachsenden Zuzugsgebieten sowie in den weitläufigen, ländlich geprägten Vier- und Marschlanden eine eklatante Unterversorgung. Ein monatelanges Warten auf einen Therapieplatz ist für Familien in Krisensituationen unzumutbar. Eine funktionierende, wohnortnahe medizinische und therapeutische Infrastruktur muss auch an den Rändern unserer Stadt gewährleistet sein. Die starre Bedarfsplanung der Kassenärztlichen Vereinigung bildet den realen Bedarf durch den massiven Zuzug junger Familien im Bezirk Bergedorf schon lange nicht mehr ab.

Vor diesem Hintergrund fragen wir die zuständige Behörde und das Bezirksamt Bergedorf:

  1. Wie hoch ist der aktuelle rechnerische Versorgungsgrad an kassenärztlichen Regelbehandlungsplätzen für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie (KJP) im Bezirk Bergedorf nach den Richtlinien der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) und wie bewertet die zuständige Behörde sowie das Bezirksamt diesen Wert angesichts der realen Bevölkerungsentwicklung der letzten Jahre?
  1. Wie viele KJP-Zulassungen entfallen konkret auf den Stadtteil Bergedorf und wie viele Praxen mit Kassensitz existieren demgegenüber in den Stadtteilen Neuallermöhe, Lohbrügge sowie in den Vier- und Marschlanden?
  2. Welche Erkenntnisse liegen bezüglich der tatsächlichen Wartezeiten vor, die Bergedorfer Familien bis zum Beginn einer regulären psychotherapeutischen Behandlung beim

a) Jugendpsychiatrischen Dienst

b) Schulärztlichen Dienst

überbrücken müssen?

  1. Wie haben sich die personelle Ausstattung und die Fallzahlen beim Jugendpsychiatrischen Dienst Bergedorf in den Jahren 2023 bis heute entwickelt? (Bitte pro Jahr auflisten)
  2. Inwieweit muss diese bezirkliche Stelle als „Ausfallbursche“r fehlende Plätze in der freien ambulanten Versorgung herhalten?
  3. Welche messbaren Erfolge konnte das Kooperationsprojekt „DreiFürEins“ am ReBBZ Bergedorf (Regionale Bildungs- und Beratungszentren Bergedorf) zur Entlastung von Familien im schulischen Umfeld bisher erzielen und wie setzen sich die zuständige Behörde sowie das Bezirksamt dafür ein, dass solche niedrigschwelligen Angebote dauerhaft finanziert und personell gestärkt werden?
  4. Welche konkreten Schritte hat das Bezirksamt in der laufenden Wahlperiode unternommen, um bei der Sozialbehörde und der Kassenärztlichen Vereinigung auf eine Sonderbedarfsprüfung oder eine Erhöhung der Kassensitze für die die kinder- und jugendpsychotherapeutische Versorgung für den wachsenden Bezirk Bergedorf hinzuwirken?
  5. Welche Erkenntnisse liegen der zuständigen Behörde und dem Bezirksamt über die Zunahme von psychischen Auffälligkeiten, Verhaltensstörungen und Schulabsentismus bereits im Grundschulalter im Bezirk Bergedorf vor?
  6. Wie eng verzahnt arbeiten die bezirklichen Dienste mit den Bergedorfer Grundschulen zusammen, um betroffene Kinder frühzeitig in therapeutische Hände zu vermitteln, bevor sich Störungen chronifizieren?
  7. An welchen Bergedorfer Grund- und Stadtteilschulen ist der Bedarf an sozialpädagogischer und psychologischer Betreuung aktuell am höchsten?
  8. Wie wird die personelle Ausstattung der Beratungsteams an den unter 10. genannten Schulen bewertet und welche zusätzlichen, niedrigschwelligen therapeutischen Sprechstunden direkt vor Ort an den Schulen wären nötig, um die Familien angesichts fehlender ambulanter Praxenplätze effektiv zu entlasten?
  9. Wie bewertet das Bezirksamt die Pläne der Sozialsenatorin, Hamburg als Modellregion für ein verpflichtendes Primärarztsystem (Lotsenfunktion durch Haus-/Kinderärzte) zu etablieren, speziell mit Blick auf die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie in Bergedorf? Sieht das Bezirksamt die Gefahr, dass dadurch der bewährte Direktzugang über die Psychotherapeutische Sprechstunde ausgehöhlt wird und es zu einer zusätzlichen bürokratischen Überlastung sowohl der Bergedorfer Kinderärzte als auch der Therapeuten kommt?
  10. Welche Erkenntnisse haben die zuständige Behörde und das Bezirksamt über die wirtschaftliche Situation der kinder- und jugendpsychotherapeutischen Praxen im Bezirk Bergedorf, da diese anders als die Pädiater im Jahr 2023 nicht entbudgetiert wurden?
  11. Welche Maßnahmen kann das Bezirksamt im Rahmen seiner Möglichkeiten ergreifen, um dem drohenden Fachkräftemangel bei Therapeuten im Bezirk entgegenzuwirken und Bergedorf als Praxisstandort für junge Therapeutinnen und Therapeuten attraktiver zu machen?
Petitum/Beschluss

Beschluss: ---

Anhänge

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Lokalisation Beta
Lohbrügge

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