22-0884

Sicherung der stationären Versorgung im Bezirk Bergedorf

Antrag

Letzte Beratung: 25.06.2026 Bezirksversammlung Bergedorf Ö 12.6

Sachverhalt

Antrag

der BAbg. Kramer und SPD-Fraktion

Das Agaplesion Bethesda Krankenhaus Bergedorf (ABKB) ist das allgemeine Krankenhaus für mehr als 130.000 Bergedorferinnen und Bergedorfer, für viele Hamburgerinnen und Hamburger im Südosten der Stadt und zudem noch für viele Menschen aus den angrenzenden Gemeinden Reinbek, Wentorf, Aumühle, Geesthacht. Rund 20% aller Patientinnen und Patienten des ABKB kommen aus Schleswig-Holstein und Niedersachen.

Schon jetzt arbeitet das ABKB fachbereichsübergreifend und verfügt unter anderem über eine zertifizierte Stroke-Unit, die nach Fallzahlen zu den größten in Hamburg gehört. Durch die Diversität in den Fachbereichen hat es das ABKB geschafft, eine Vielfalt an Qualifikationen von Ärztinnen und Ärzten sowie Pflegepersonal zu gewinnen und auch zu binden. Mit der Krankenhausstrukturreform könnte diese Fachkompetenz aber verloren gehen. Wenn Leistungsgruppen entfallen und nur noch eine reine Basisversorgung angeboten werden könnte, würden entsprechende Qualifikationen nicht mehr benötigt werden. Dann wird auch das hoch qualifizierte medizinische Fachpersonal mit seinen Kompetenzen den Standort verlassen und nicht wieder zurückkommen.

Ferner bleibt die Frage, welche Auswirkungen ein eventueller Teilumzug des BG Klinikums Boberg auf das ABKB hätte, vor allem im notfallmedizinischen und stationären Bereich. Mit rund 1000 Beschäftigten und rund 33.000 Patientinnen und Patienten, die jährlich die Zentrale Notaufnahme (ZNA) in Anspruch nehmen, ist das ABKB bereits jetzt ein etablierter Anlaufpunkt für Notfälle und ein starker Arbeitgeber im Bezirk Bergedorf. Bei einem Teilumzug des BG Klinikums wird die ZNA des ABKB voraussichtlich noch stärker in Anspruch genommen werden.

Die Krankenhausstrukturreform darf nicht dazu führen, dass ein gut ausgestattetes, kompetentes und hoch frequentiertes regionales Krankenhaus wie das ABKB mit einem Einzugsgebiet von über 200.000 Menschen bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt und damit die medizinische Versorgung im Bezirk Bergedorf weiter verschlechtert wird. Schon jetzt wird das ABKB auch von Menschen in Anspruch genommen, die ambulant keine Termine bei Fachärzten im Bezirk finden.

Eine Reduzierung des Leistungsumfanges des ABKB im Zuge der Krankenhausstrukturreform würde nicht nur zum Verlust von medizinischem Knowhow führen und die medizinische Versorgung im Bezirk weiter verschlechtern, sondern auch den wirtschaftlichen Bestand des ABKB gefährden. Dies gilt umso mehr, als dass das ABKB im Falle einer Verringerung des Leistungsumfanges viele Fälle nicht mehr selbst vor Ort zeitnah und kompetent behandeln könnte, sondern an andere Krankenhäuser weiterleiten müsste. Doch schon jetzt ist die verkehrliche Anbindung des Bezirks über die B 5 an die Hamburger Innenstadtüberlastet, so dass ein zusätzlicher Krankentransporttourismus dies noch verschärfen und eine kompetente Behandlung verzögern würde. Auch müssten andere Krankenhausstandorte in Hamburg ausgebaut werden, um die Patientinnen und Patienten, die das ABKB dannnicht mehr behandeln kann, aufnehmen zu können.

Überdies wird der Bezirk Bergedorf in den kommenden Jahren nicht nur durch die vielen Wohnungsbauvorhaben wie z. B. am Schleusengraben deutlich wachsen, sondern auch durch den neuen Stadtteil Oberbillwerder, der mit rund 6.500 Wohneinheiten die Einwohnerzahl des Bezirkes noch einmal um rund 15.000 erhöhen wird. Diese Entwicklung wird den Bedarf für eine gute medizinische Versorgung im ambulanten, stationären und notfallmedizinischen Bereich abermals deutlich erhöhen. Damit werden sich alle oben genannten Effekte verstärken und die medizinische Versorgung im Bezirk wird sich entsprechend weiter verschlechtern.

Insofern sehen wir die Krankenhausstrukturreform in diesem Punkt sehr kritisch und nicht zielführend im Sinne einer guten medizinischen Versorgung im Bezirk Bergedorf. Bei der Krankenhausplanung muss gerade auch vor dem Hintergrund der geplanten Verlagerung der Akutmedizin des BGKH nach Eppendorf Berücksichtigung finden, dass der Bezirk Bergedorf als größter Bezirk Hamburgs über mehr als eine Basisversorgung verfügen muss, wenn er für die Menschen ein attraktiver Wohnort bleiben soll. Dies gilt im Übrigen auch für den Krisen- und Katastrophenschutzfall, in dem dezentrale Versorgungskapazitäten zwingend erforderlich sind.

Petitum/Beschluss

Beschluss:

Wir beantragen daher, die Bezirksversammlung möge beschließen:

Die zuständige Fachbehörde wird gemäß§ 27 BezVG aufgefordert,

  1. die Planungen des ABKB zur notwendigen Erweiterung der ZNA nunmehr umfassend zu unterstützen und zeitnah zu ermöglichen,
  2. das ABKB über die erste Notfall- und Basisversorgung hinaus als vollwertiges Krankenhaus und regionalen Schwerpunktversorger mit zumindest dem jetzigen Leistungsspektrum und den aktuellen Leistungsgruppen für den gesamten Südosten Hamburgs zu planen,
  3. dem ABKB die für die erforderliche Weiterentwicklung notwendigen Leistungsgruppen und Planfallzahlen zuzuweisen,
  4. das ABKB darin zu unterstützen, Notfallpatientinnen und -patienten, die nicht stationär aufgenommen werden müssen, ambulant versorgen zu können, indem es die erforderlichen ärztlichen Zulassungen erhält und
  5. das ABKB insgesamt bei weiteren notwendigen Fortentwicklungen zu unterstützen.
Bera­tungs­reihen­folge
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Anhänge

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Lokalisation Beta
Reinbek Wentorf bei Hamburg Eppendorf

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