Auskunftsersuchen
der BAbg. Brodbeck, Basener, Potthast und Fraktion der GRÜNEN
Vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Vielfalt und veränderter familiärer Lebensrealitäten kommt Schulen eine zentrale Rolle bei der Integration, Förderung und Stabilisierung von Kindern unterschiedlicher sozialer und kultureller Hintergründe zu. Insbesondere werden in verschiedenen zivilgesellschaftlichen Netzwerken wiederholt Herausforderungen im schulischen Alltag beschrieben, die sich auf soziale Konflikte, Belastungssituationen von Kindern sowie organisatorische und kommunikative Überforderung beziehen.
Vor diesem Hintergrund fragen wir die Behörde für Schule, Berufsbildung und Familie:
-
Wie werden im Bezirk Bergedorf folgende Sachverhalte systematisch erfasst und dokumentiert? Bitte aufgeschlüsselt nach:
a) Schulverweisen bzw. Ordnungsmaßnahmen
b) gemeldeten Mobbingvorfällen
c) Verletzungen bzw. körperlichen Vorfällen im schulischen Kontext
• gemeldeten Unfällen
• gemeldeten Unfällen mit Beteiligung weiterer Kinder (Schlägereien, Schubsereien, …)
d) Einschaltung von Jugendämtern im Zusammenhang mit schulischen Meldungen
e) Hinweisen auf psychische Belastungen von Schülerinnen und Schülern
-
Werden diese Daten getrennt nach Schulform erhoben (Grundschulen, Stadtteilschulen, Gymnasien) sowie differenziert nach städtischen und ländlich geprägten Schulstandorten (insbesondere Vier- und Marschlande)?
Falls ja, in welcher Form und mit welcher Regelmäßigkeit werden diese ausgewertet und veröffentlicht?
-
Gibt es eine gesonderte statistische Auswertung für den Bezirk Bergedorf im Vergleich zum hamburgweiten Durchschnitt?
-
In welchen Fällen erfolgt typischerweise eine Einschaltung des Jugendamts aus dem schulischen Kontext heraus?
-
Wie häufig erfolgt diese im Grundschulbereich im Vergleich zu anderen Schulformen?
-
Welche Kriterien gelten für Schulen bei der Einschätzung psychischer oder sozialer Belastungen von Kindern?
-
Welche Maßnahmen ergreift die Schulbehörde zur Förderung interkultureller Kompetenz in Schulen, insbesondere im Umgang mit mehrsprachigen Kindern, unterschiedlichen kulturellen Hintergründen sowie vielfältigen Familienformen?
-
Welche Fortbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen bestehen für Lehrkräfte in diesem Bereich?
-
Wie wird sichergestellt, dass Schulen Kinder mit besonderen sprachlichen, kulturellen oder sozialen Kompetenzen angemessen fördern?
-
Liegen Erkenntnisse darüber vor, ob Schulen in den ländlich geprägten Teilen des Bezirks Bergedorf (insbesondere Vier- und Marschlande) vor spezifischen Herausforderungen im Umgang mit gesellschaftlicher Vielfalt stehen?
Falls ja, welche konkreten Unterstützungsmaßnahmen werden dort durch die Schulbehörde bereitgestellt?
-
Inwiefern wird sichergestellt, dass Schulen in diesen Regionen gleichermaßen auf veränderte gesellschaftliche Realitäten (z. B. berufstätige Eltern, unterschiedliche Familienmodelle, kulturelle Vielfalt) vorbereitet sind?
-
Gibt es Erkenntnisse darüber, inwiefern sich Erwartungen an elterliche Mitwirkung zwischen Schulstandorten unterscheiden?
-
Wie wird sichergestellt, dass solche Erwartungen nicht zu strukturellen Benachteiligungen bestimmter Familienformen führen?
-
Welche Maßnahmen werden ergriffen, um die pädagogische Weiterentwicklung der Lehrkräfte im Hinblick auf gesellschaftliche Veränderungen sicherzustellen?
-
Welche Strategien verfolgt die Schulbehörde zur Sicherung zeitgemäßer pädagogischer Standards in Unterricht und Nachmittagsbetreuung?
Wir bitten die zuständige Fachbehörde um Auskunft über die Situation an Schulen im Bezirk Bergedorf, insbesondere unter besonderer Berücksichtigung der Schulstandorte im urbanen Bereich sowie in den ländlich geprägten Stadtteilen (Vier- und Marschlande). Soweit bezirksspezifische Daten nicht vorliegen, wird ergänzend um eine Einordnung auf Ebene der Freien und Hansestadt Hamburg gebeten.