22-0747

Rückzugsräume für Menschen mit sensorischen Überlastungen und zum Stillen prüfen

Antrag

Letzte Beratung: 26.03.2026 Bezirksversammlung Bergedorf Ö 12.4

Sachverhalt

Antrag

des BAbg. Gündogan, Veit und SPD-Fraktion

Viele Menschen insbesondere Personen im Autismus-Spektrum, aber auch Menschen mit anderen neurologischen oder psychischen Besonderheiten reagieren besonders sensibel auf intensive Sinnesreize wie Lärm, grelles Licht, starke Gerüche oder große Menschenmengen. In stark frequentierten oder reizintensiven Umgebungen kann dies zu sogenannter sensorischer Überlastung führen. Betroffene erleben in solchen Situationen häufig Stress, Überforderung oder Orientierungslosigkeit und benötigen kurzfristig einen ruhigen, reizarmen Ort, um sich zu stabilisieren und wieder zur Ruhe zu kommen.

Kinder und Jugendliche verbringen einen Teil ihrer Freizeit in Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit (OKJA). Diese Einrichtungen haben den Anspruch, niedrigschwellige Treffpunkte zu sein, die allen jungen Menschen offenstehen und soziale Teilhabe ermöglichen. Um diesem Anspruch gerecht zu werden und Angebote der OKJA noch inklusiver zu gestalten, kann es sinnvoll sein, in den Einrichtungen gezielt Rückzugsräume oder reizarme Ruhezonen einzurichten.

Im Rahmen einer solchen Erprobung könnten gemeinsam mit den Trägern der Offenen Kinder- und Jugendarbeit Erfahrungen gesammelt werden, welche räumlichen und organisatorischen Voraussetzungen für solche Rückzugsräume erforderlich sind und wie diese von den jungen Menschen angenommen werden. Auf Grundlage dieser Erfahrungen könnte anschließend geprüft werden, ob die Einrichtung vergleichbarer Rückzugsräume perspektivisch auch in geeigneten öffentlichen Gebäuden oder Einrichtungen etwa in stark frequentierten Bereichen r alle betroffenen Bergedorferinnen und Bergedorfer umsetzbar wäre. Darüber hinaus gewinnt auch im öffentlichen Raum das Thema Inklusion zunehmend an Bedeutung. Besonders in stark frequentierten Bereichen etwa in der Innenstadt während der Sommermonate, bei Veranstaltungen oder an stark besuchten Orten kann die Reizbelastung für manche Menschen sehr hoch sein. Niedrigschwellige Rückzugsorte könnten dazu beitragen, dass auch Menschen mit sensorischen Empfindlichkeiten oder Autismus den öffentlichen Raum besser nutzen und an städtischem Leben teilhaben können.

Ein besonders frequentierter Anlaufpunkt in Bergedorf für Kinder und Jugendliche ist außerdem das KörberHaus. Auch hier bietet es sich an, die (zeitweilige) Einrichtung eines entsprechenden Raumes zu prüfen, bspw. in Zeiten, in denen Räume regelhaft nicht genutzt werden. Ein weiterer möglicher Ort für entsprechende Rückzugsräume sind Schulen. Gerade dort sind Kinder und Jugendliche täglich einer hohen Reiz-, Lärm- und Stressbelastung ausgesetzt. Reizarme Rückzugsräume oder sogenannte „ume der Stille“nnten Schülerinnen und Schülern in belastenden Situationen eine kurzfristige Möglichkeit zur Beruhigung und Stabilisierung bieten und so zu einem inklusiveren Schulalltag beitragen.

Solche Räume müssen nicht aufwendig gestaltet sein. Häufig reichen bereits einfache Maßnahmen aus, um eine reizärmere Umgebung zu schaffen, beispielsweise durch gedimmtes Licht, schallreduzierende Elemente, ruhige Sitz- oder Liegegelegenheiten, Rückzugsmöglichkeiten oder beruhigende sensorische Materialien. Wichtig ist vor allem, dass betroffene Menschen bei Bedarf kurzfristig einen geschützten Ort aufsuchen können, um sich zu beruhigen und anschließend wieder an den Angeboten teilnehmen zu können.

Vor diesem Hintergrund erscheint es sinnvoll, gemeinsam mit den Trägern der Offenen Kinder- und Jugendarbeit zu erörtern, wie entsprechende Rückzugsräume in den Einrichtungen der OKJA umgesetzt werden können und in welchen der Einrichtungen ein Bedarf für entsprechende Räume besteht. Ergänzend sollte geprüft werden, ob perspektivisch auch in geeigneten öffentlichen Gebäuden entsprechende Rückzugsmöglichkeiten geschaffen werden können. Darüber hinaus sollte geprüft werden, ob auch im öffentlichen Raum beispielsweise temporär in den Sommermonaten zusätzliche Rückzugsmöglichkeiten in der Bergedorfer Innenstadt eingerichtet werden können. Eine solche Maßnahme würde einen Beitrag zu mehr Inklusion leisten, Barrieren abbauen und die Aufenthaltsqualität für Menschen mit besonderen sensorischen Bedürfnissen verbessern.

Petitum/Beschluss

Beschluss:

Wir beantragen daher, die Bezirksversammlung möge beschließen:

Das Bezirksamt wird gebeten,

  • gemeinsam mit den Trägern der Offenen Kinder- und Jugendarbeit (OKJA) zu erörtern, ob und wie in Einrichtungen der OKJA Rückzugsräume bzw. reizarme Ruhezonen für Kinder und Jugendliche mit sensorischer Überlastung eingerichtet werden können,
  • zu prüfen, wie entsprechende Räume niedrigschwellig ausgestaltet werden können, um Kindern und Jugendlichen bei Bedarf einen kurzfristigen Rückzug und eine Beruhigung in reizärmerer Umgebung zu ermöglichen
  • zu prüfen, ob und in welcher Form in Abstimmung mit der Schulbehörde bzw. den Schulträgern auch an Schulen im Bezirk Rückzugsräume bzw. reizarme „ume der Stille“r Schülerinnen und Schüler eingerichtet werden können, die bei sensorischer Überlastung oder in belastenden Situationen einen kurzfristigen Rückzug ermöglichen,
  • bei erfolgreicher Testung auf Grundlage der hierbei gewonnenen Erfahrungen zu prüfen, ob vergleichbare Rückzugsume perspektivisch auch in geeigneten öffentlichen Gebäuden, wie den Bürgerhäusern oder dem KörberHaus, im Bezirk für alle Bergedorferinnen und Bergedorfer eingerichtet werden können,
  • ergänzend zu prüfen, ob in den Sommermonaten temporäre Rückzugsorte in stark frequentierten Bereichen der Bergedorfer Innenstadt eingerichtet werden können, die Menschen mit sensorischer Überlastung als niedrigschwellige Rückzugsmöglichkeit dienen,
  • hierfür mögliche geeignete Standorte sowie organisatorische und finanzielle Rahmenbedingungen zu identifizieren,
  • und dem Jugendhilfeausschuss unter Zuladung des Ausschusses für Sport & Bildung sowie dem Stadtentwicklungsausschuss bis zum zweitem Quartal 2027 zu berichten.
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