Hitzeschutz im Bezirk Bergedorf: Was tut das Bezirksamt?
Letzte Beratung: 28.05.2026 Bezirksversammlung Bergedorf Ö 3.5
Große Anfrage
der BAbg. Potthast, Scherhaufer, Bendt-Soetedjo und Fraktion der GRÜNEN
Sachverhalt
Die Hitzebelastung im Bezirk Bergedorf nimmt in den Sommermonaten spürbar zu. Besonders betroffen sind versiegelte, grünarme Bereiche mit hoher Aufenthaltsfrequenz: die Bergedorfer Innenstadt rund um Sachsentor und Bahnhof/ZOB, stark genutzte Wegeachsen wie Bergedorfer Straße und Alte Holstenstraße sowie in Lohbrügge die Lohbrügger Landstraße, das Umfeld des Sander Markts und frequentierte Haltestellen. Hitze tritt dort häufig in Kombination mit Lärm und Abgasen auf und trifft besonders vulnerable Gruppen:ältere Menschen, Kinder, chronisch Erkrankte und Menschen ohne Zugang zu kühlen Räumen. Nach Berechnungen des Robert-Koch-Instituts sterben in Deutschland in Hitzesommern mehrere Tausend Menschen hitzebedingt. Allein in Europa verzeichnete das Rekordhitzejahr 2024 rund 63.000 hitzebedingte Todesfälle.
Ebenso wächst der internationale Alarmierungsgrad. Die vom WHO-Europa-Büro eingesetzte elfköpfige „Paneuropäische Kommission Klima und Gesundheit" fordert die WHO auf, einen „gesundheitlichen Notstand von internationaler Tragweite" auszurufen, jene höchste Alarmstufe, die zuletzt zu Beginn der Covid-Pandemie erklärt worden war. Die Kommission hält es für notwendig, die WHO-Regularien zu ändern, damit die Organisation künftig koordinierte Gegenmaßnahmen etwa bei katastrophalen Hitzewellen einleiten kann.
Zusätzliche Brisanz erhält die Lage durch aktuelle meteorologische Prognosen. Laut der US-Klimabehörde NOAA liegt die Wahrscheinlichkeit für einen sogenannten „Super-El-Niño" im Zeitraum 2026/2027 bei bis zu 96 Prozent. Bei diesem seltenen Klimaphänomen, das zuletzt 1997/98 und 2015/16 auftrat, erwärmt sich der tropische Pazifik außergewöhnlich stark und destabilisiert Wettermuster weltweit. Für Mitteleuropa bedeutet das statistisch ein erhöhtes Risiko für lang anhaltende Hitzeperioden und Extremwetterereignisse. Für Bergedorf, wo versiegelte und grünarme Bereiche bereits heute besonders stark aufheizen, könnte dies die Hitzebelastung in den Sommern 2026 und 2027 weiter verschärfen und unterstreicht den unmittelbaren Handlungsbedarf.
Auf rechtlicher und politischer Ebene verpflichtet das Bundes-Klimaanpassungsgesetz (KAnG) seit dem 1. Juli 2024 Bund, Länder und Kommunen zu stärkerem hitzebezogenem Gesundheitsschutz. Der Hamburger Senat hat am 25. Februar 2025 die gesamtstädtische Klimaanpassungsstrategie samt Hitzeaktionsplan (HAP) beschlossen, die ausdrücklich auch die bezirkliche Ebene einbezieht. Dennoch sind die bisherigen Aktivitäten des Bezirksamts Bergedorf defizitär: Über den vereinzelten Einsatz von Hitzelots*innen hinaus sind weder verlässliche Schutzmaßnahmen an Hitzetagen noch ein systematischer bezirklicher Umsetzungsplan erkennbar. Erschwerend kommt hinzu, dass die Bezirksversammlung bereits am 17. Oktober 2024 einen Beschluss gefasst hat (Drs. 22-0098), der das Bezirksamt zur Prüfung von Schattenplätzen und UV-Hinweistafeln in der Innenstadt aufforderte und eine Berichterstattung bis April 2025 vorsah, die bis heute ausgeblieben ist. Angesichts des bevorstehenden Sommers besteht unmittelbarer Handlungsbedarf.
Vor diesem Hintergrund fragen wir das Bezirksamt:
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