Gemeinsamer Antrag SPD - GRÜNE betr. Zentrales Mahnmal für alle Hamburger Opfer der Sturmflutnacht
Im Zuge von Sanierungen und Neubauten verschwinden immer mehr der bronzenen Flutmarken an den Hausfassaden – jene stillen Zeugen, die den Wasserstand der Sturmflutnacht vom 16. Februar 1962 markierten. Auch die Kunstinstallation „Woge“, die an diese Nacht erinnert, soll nach aktuellem politischen Willen ihren Standort verlassen und an das Museum in Kirchdorf übergeben werden. Zudem steht der sogenannte „Wilde Wald“, das Gebiet zwischen Reiherstiegviertel und Georgswerder, in dem die meisten Opfer zu beklagen waren, vor einer Neubebauung.
Vor diesem Hintergrund sind die Mitglieder der Geschichtswerkstatt Wilhelmsburg & Hafen der Überzeugung, dass ein neues, zentrales Mahnmal für alle Hamburger Opfer der Sturmflutnacht vom 16./17. Februar 1962 notwendig ist. Die Geschichtswerkstätten in Billbrook, Bergedorf, Finkenwerder, Harburg und Süderelbe sowie die Engagierten, die das Gedenken in Waltershof und Moorburg verantworten, stehen dem Projekt „Stilles Ufer“ durchweg positiv gegenüber.
1951 wurde Wilhelmsburg Stadtteil des Bezirkes Harburg. Von der Sturmflutkatastrophe 1962 wurde die Elbinsel besonders schwer getroffen: von 315 Todesopfern in ganz Hamburg waren allein 222 in Wilhelmsburg zu beklagen, vor allem im Reiherstiegviertel und einer Behelfsheimsiedlung am Klütjenfelder Hauptdeich.
Ebenfalls schwer betroffen war der südliche Teil der Elbinsel Finkenwerder und der 1962 noch als Wohngebiet genutzte Stadtteil Waltershof wo 37 Menschen starben, sowie die Stadtteile Billbrook (13 Tote), Neuenfelde (10 Tote) sowie Moorburg (5 Tote) außerdem Neuland, Altenwerder, Francop. Durch einen Dammbruch in Moorfleet wurden weite Teile der Vier- und Marschlande im Bezirk Bergedorf überflutet. Stark betroffen waren Billwerder, Moorfleet und Allermöhe. Durch die großen Deichbrüche im Bereich der Süderelbe zwischen Neuenfelde und Harburg wurden auch weite Teile des zu Niedersachsen gehörenden Hinterlands überflutet. Besonders schwer betroffen waren hier die Orte Rübke und Seefeld.
Am 1. März 2008 wurde Wilhelmsburg aus dem Bezirk Harburg ausgegliedert und dem Bezirk Hamburg-Mitte zugeordnet.
Neben den Flutmarken an den Häusern erinnern Mahnmale an die Katastrophe. Am westlichen Ende des Vogelhüttendeich, an der Kreuzung zum Reiherstieg Hauptdeich, befindet sich auf einer südlich vorgelagerten Grünanlage das von Franz Soethe 1983 geschaffene Denkmal „Den Opfern der Sturmflut“. Zudem gibt es das Flutdenkmal - Francop, Hohenwischer Brack, das von dem Harburger Künstler Carl Ihrke geschaffene Flutdenkmal - Kirchdorf und das Flutdenkmal - Ohlsdorf am Ohlsdorfer Friedhof.
Die Flut ist ein essentieller Bestandteil der Geschichte auch und gerade unseres Bezirks.
Das Präsidium der Bezirksversammlung Harburg wird gebeten Vertreter der Geschichtswerkstatt Wilhelmsburg & Hafen in den Regionalausschuss Süderelbe einzuladen, um über Idee und Konzept eines zentralen Mahnmals für alle Hamburger Opfer der Sturmflutnacht zu berichten.
Dabei ist auch die mögliche Einbindung "regionaler" Mahnmale in ein Gesamtkonzept zu betrachten. Ebenso die Fragestellung: was passiert mit den "Hausmarken"? Können diese bei Abrissen gesichert und ggfs. analog zu "Bodenmarken" umgewandelt werden oder auch an den jeweiligen regionalen Mahnmalen anderweitig archiviert und dokumentiert werden?
Zu dem Tagesordnungspunkt sind wegen der überregionalen Bedeutung die Mitglieder des Kulturausschuss einzuladen.
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