Neubau Nerzanlage Beschlussempfehlung des Amtes
Letzte Beratung: 10.06.2026 Ausschuss für Grün, Naturschutz und Sport Ö 12
Der Europäische Nerz (Europäischer Nerz) zählt zu den am stärksten bedrohten Säugetierarten Europas. In Deutschland gilt die Art seit 1925 als ausgestorben. Ursache hierfür sind insbesondere der fortschreitende Verlust naturnaher Feuchtgebiete, die historische intensive Bejagung sowie die Verdrängung durch den eingeschleppten Amerikanischen Nerz (Mink). Der Rückgang dieser ursprünglich in Mooren, Sümpfen und Flussauen beheimateten Art verdeutlicht die weitreichenden Folgen von Lebensraumzerstörung und Biodiversitätsverlust.
Vor diesem Hintergrund haben sich in den vergangenen Jahren verschiedene Artenschutzinitiativen etabliert, die den langfristigen Erhalt und die Wiederansiedlung des Europäischen Nerzes zum Ziel haben. Zentrale Bausteine sind koordinierte Erhaltungszuchtprogramme in zoologischen Einrichtungen, wie sie auch im Wildpark Klövensteen seit vielen Jahrzehnten in enger Kooperation mit dem EuroNerz e.V. stattfindet. Im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP) sowie durch die Arbeit von EuroNerz e. V. werden die genetische Vielfalt und stabile Reservepopulationen gesichert.
Ergänzend hierzu werden geeignete Lebensräume renaturiert und für eine Wiederansiedlung vorbereitet. Dazu zählen insbesondere Feuchtgebietslandschaften wie das Steinhuder Meer sowie weitere Schutzgebiete, unter anderem im Saarland. Durch die Wiedervernässung von Moor- und Auenlandschaften sowie die Verbesserung der Lebensraumbedingungen sollen die Voraussetzungen geschaffen werden, den Europäischen Nerz dauerhaft wieder in der heimischen Natur zu etablieren.
Zur Unterstützung und Fortführung dieser Maßnahmen leistet auch das Bezirksamt Altona einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt, zur Umsetzung nationaler und europäischer Artenschutzziele sowie zur Stärkung ökologisch wertvoller Feuchtgebietsökosysteme.
Die Beteiligung an einem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP) stellt eine wesentliche Grundvoraussetzung zur Erfüllung der Anforderungen der europäischen Zoorichtlinie dar. Nach den Vorgaben der EU-Zoorichtlinie sind zoologische Einrichtungen verpflichtet, sich aktiv am Schutz der biologischen Vielfalt zu beteiligen. Dies kann insbesondere durch die Mitwirkung an wissenschaftlich koordinierten Erhaltungszuchtprogrammen für bedrohte Tierarten erfolgen. Projekte wie das EEP für den Europäischen Nerz leisten hierzu einen wichtigen Beitrag, indem sie genetisch stabile Reservepopulationen aufbauen, die Nachzucht bedrohter Arten koordinieren und die Grundlage für spätere Wiederansiedlungsmaßnahmen schaffen. Die Teilnahme an solchen Programmen ist daher ein zentraler Nachweis dafür, dass ein Zoo seinen gesetzlichen Artenschutzauftrag erfüllt und die Voraussetzungen für die zoorechtliche Genehmigung nach den europäischen und nationalen Vorgaben unterstützt.
Vor dem Hintergrund dieser Sachfakten hat das Bezirksamt Altona die Sanierung bzw. den Neubau einer Nerzanlage geplant. Die alte Nerzanlage ist rund 25 Jahre alt und aus folgenden Gründen nicht mehr optimal für die Nerzhaltung:
- Der damals gewählte Waldstandort ist für die Nerzhaltung unpassend und soll in den nördlichen Teil des Wildparks verlegt werden. Dieser Standort bietet dem Nerz einen geeigneterenRaum, der seinem ursprünglichen Lebensraum der Feuchtgebietslandschaften, die unteranderem durch Kiefern- u. Birkenwälder sowie mehr feuchtigkeitsliebende Pflanzen wie z.B. das Binsengras geprägt sind, mehr entspricht.
- Die neue Anlage orientiert sich an den neusten Standards der Tierhaltung, indem sie beispielsweise die Möglichkeit bietet, die Tiere mit einem Sichtschutz zu separieren, ausreichend Wasserflächen in der Anlage vorhanden sind und Besuchereinblicke so gelenkt werden, dass der Nerz sichtbarer wird, sich aber auch jederzeit dem Besuchenden entziehen kann.
- Die Anlage soll so in die umgebende Landschaft integriert werden, dass sämtliche für die Tierhaltung erforderliche Infrastruktur verborgen bleibt. Durch verschiedene barrierefreie Einblicke aus horizontalen und vertikalen Perspektiven werden naturnahe Beobachtungsmöglichkeiten geschaffen, die einen umfassenden Einblick in das Verhalten und die Lebensweise der Nerze ermöglichen.
- Die Präsentation der Tiere im Rahmen der umweltpädagogischen Veranstaltungen kann in dieser Anlage für die Tiere nahezu störungsfrei und für den Besuchenden hoch attraktiv/informativ direkt aus der Anlage heraus durchgeführt werden.
- Die zeitgemäß ausgestaltete Infrastruktur der Anlage ermöglicht eine effiziente und nachhaltige Betreuung durch das Sach- und Fachpersonal. Durch die Reduzierung des erforderlichen Pflegeaufwands innerhalb der Anlage werden die Störungen der Tiere minimiert und gleichzeitig hohe Standards des Tierwohls gewährleistet. Dies kommt insbesondere während der Zeit der Jungtieraufzucht von Mai bis Oktober zum Tragen, in der eine möglichst störungsarme Umgebung von besonderer Relevanz ist.
Mögliche Umsetzung der Baumaßnahme: Siehe Anlage.
Kostenerläuterung:
Die kalkulierten Baukosten für den Neubau der Nerzanlage belaufen sich auf 127.478,47 Euro:
- Vorbereitende Maßnahmen: 7.500,00 Euro(netto)
- Gestaltung Außenanlage: 98.732,06 Euro(netto)
- Baunebenkosten: 21.246,41 Euro(netto)
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Der Ausschuss für Grün und Sport wird um Zustimmung zur beschriebenen Maßnahme gebeten.
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