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Mehr Rücksicht im Alltag: „Stille Stunde“ in Altona erproben Antrag der CDU-Fraktion

Antrag öffentlich

Sachverhalt

Viele Menschen erleben den Alltag in stark frequentierten öffentlichen Räumen als belastend. Hektik, laute Musik, Durchsagen, grelles Licht, Gedränge und ein hohes Maß an Reizen können insbesondere für Menschen mit Depressionen, Angststörungen, Autismus, ADHS, posttraumatischen Belastungen oder anderen psychischen und neurologischen Belastungen eine erhebliche Hürde darstellen.

Was für viele Bürgerinnen und Bürger selbstverständlich ist, kann für andere zu einer großen Herausforderung werden: einkaufen gehen, Behördengänge erledigen, eine Bücherhalle besuchen oder öffentliche Angebote nutzen. Eine „Stille Stunde“ kann hier ein einfaches, unbürokratisches und zugleich wirkungsvolles Zeichen für mehr Rücksichtnahme und Teilhabe setzen.

Ziel ist ausdrücklich keine zusätzliche Belastung für den Einzelhandel oder öffentliche Einrichtungen. Vielmehr soll auf freiwilliger Basis geprüft werden, welche Maßnahmen mit geringem Aufwand umsetzbar sind. Schon kleine Veränderungen wie der Verzicht auf Musik, eine ruhigere Atmosphäre oder sensibilisiertes Personal können für betroffene Menschen und ihre Familien einen spürbaren Unterschied machen.

Altona versteht sich als vielfältiger und inklusiver Bezirk. Dazu gehört, Barrieren nicht nur baulich, sondern auch im Alltag und im sozialen Miteinander abzubauen. Eine „Stille Stunde“re ein konkreter Beitrag zu mehr Teilhabe, Rücksichtnahme und Lebensqualität für Menschen, deren Belastungen oft nicht sichtbar sind.

Die Bezirksversammlung Altona möge beschließen:

Das Bezirksamt Altona wird gemäß § 19 BezVG gebeten,

  1. gemeinsam mit dem bezirklichen Inklusionsbeirat, Vertreterinnen und Vertretern aus dem Einzelhandel, sozialen Trägern, medizinisch-therapeutischen Fachstellen sowie Selbsthilfe- und Angehörigenorganisationen zu prüfen, wie eine regelmäßige „Stille Stunde“ in Altona eingeführt und beworben werden kann;
  1. insbesondere Supermärkte, Drogerien, Einkaufszentren, Bücherhallen, öffentliche Einrichtungen, Kundenzentren sowie weitere publikumsintensive Orte im Bezirk für eine freiwillige Teilnahme an der „Stillen Stunde“ zu gewinnen;
  1. gemeinsam mit allen Partnern ein niedrigschwelliges Konzept zu entwickeln (zumindest für die öffentlichen Einrichtungen), welches während dieser Zeit möglichst reizarme Rahmenbedingungen vorsieht, zum Beispiel:
  • Verzicht auf Musik und Werbedurchsagen,
  • reduzierte Lautstärke technischer Geräte,
  • glichst gedämpfte oder gleichmäßige Beleuchtung, soweit betrieblich möglich,
  • Vermeidung unnötiger Durchsagen,
  • Sensibilisierung des Personals r Menschen mit psychischen Belastungen, Angststörungen, Autismus, ADHS oder anderen Reizverarbeitungs- und Belastungsstörungen;
  1. zu prüfen, ob zunächst ein Modellversuch in ausgewählten Stadtteilen oder Einrichtungen gestartet werden kann, zum Beispiel für eine Stunde pro Woche oder zu besonders geeigneten Tageszeiten;
  1. eine begleitende Öffentlichkeitsarbeit vorzubereiten, damit betroffene Menschen und ihre Angehörigen verlässlich erfahren können, welche Einrichtungen teilnehmen und wann die „Stille Stunde“ angeboten wird;
  1. dem Sozialausschuss über die Ergebnisse der Prüfung, mögliche Kooperationspartner, Kosten sowie einen Vorschlag für die Umsetzung zu berichten.
Petitum/Beschluss

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Die Bezirksversammlung wird um Zustimmung gebeten.

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